Eine Herz aus Stein

Eine Herz aus Stein

„Wir brauchen was mit Sammelkarten.“ „Ist notiert, Boss!“ Der Pandabär blickte von seinem gewissenhaften Diener rüber zu der Heerschar Katzen, die in der großen Halle dabei waren, das Produkt aus unterschiedlichen „Teilen“ zusammen zu setzen. „Mana muss auch eine Rolle spielen.“ Wieder wurde fleißig auf Pergament notiert.

heartstone_19-04-2014

So in etwas stelle ich mir Arbeit am neuen Spiel aus dem Hause Blizzard vor. Das fertige Werk nennt sich Heartstone und ist seit diese Woche auch für das iPad verfügbar — eine Version für Mac und PC gab es bereits. Als jemand, der 15 Jahre Magic the Gathering gespielt bin ich bei neuen Sammelkartenspielen immer skeptisch. Heartstone tritt nicht nur gegen andere (virtuelle) Sammelkartenspiele an, die es für iOS gibt, sondern eben auch gegen Magic selber. Von Wizards of the Coast gibt es mit „Duels of the Planeswalkers“ (2013 und 2014) bereits zwei Spiele für iPad und Konsole, mit dem sich das Spielgefühl des Klassikers nachempfinden lässt. Angekündigt für dieses Jahr Sommer ist eine Weitere Ausgabe, wobei es immer noch keine Umsetzung von „Magic Online“ gibt, der großen Online-Arena mit echten virtuellen Boostern. Der Spielclient steht nach wie vor nur für PC`s mit Windows-Betriebssystem zur Verfügung.

Zurück aber zu Heartstone. Mein erster Eindruck nach ein paar Minuten spielen war wenig positiv. Mir fehlte die taktische Tiefe, die ich an Magic so schätze. Da aber Blizzard zu den Firmen gehört, die ich ebenso schätze und deren Spiele mich bisher nie enttäuschten, hab ich Heartstone noch eine zweite Chance. Da das Spiel selber nichts kostet und man ohne das Kaufen von virtuellen Booster-Packung genügen Karten allein durchs spielen bekommt, war das nicht so scher, diese Entscheidung zu treffen. Mittlerweile muss ich gestehen, hat mich Heartstone doch in seinen Bann gezogen.

Eine der Vorteile des Spiels ist die Nahtlosigkeit , denen die Spielerinformationen abglichen werden (was aber auch bedeutet, dass man ohne Internetzugnag nicht spielen kann). Wer auf dem iPad den Akku leer gespielt hat, kann auf seinem Mac (oder auch PC) einfach weiter spielen. Möglich ist das durch den battle.net Account. Meinen alten Account, geschmiedet aus den Zeiten von Starcraft, gab es sogar noch.

Während man vermutlich aktuell auf sehr vielen Webseiten über Heartstone etwas lesen kann, interessieren mich (und vielleicht auch ein paar Leser dort draußen) die Unterschiede und Gemeinsamkeit im Vergleich zu Magic the Gathering.

Hier wie da wird der Spieler durch eine Avatar repräsentiert. Bei MtG hat dieser 20 Lebenspunkte, bei Heartstone sind es 30. Zusätzlich hat der Avatar bei Heartstone eine spezielle Fähigkeit, die er einmal pro Runde für die Kosten von zwei Mana einsetzen kann. Das Mana, einer der wirklich großen Unterschiede zu MtG. Dort wird Mana durch tappen von Land generiert, pro Spielzug kann man ein neues Land auslegen — mit speziellen Karten kommt getappt mitunter mehr rein, zusätzlich gibt es noch Artefakte, die Mana generieren. Bei Heartstone bekommt jeder Spieler pro Runde gleich viel Mana, mit steigender Rundenzahl mehr, dabei liegt das Maximum bei zehn Mana. In der ersten Runde hat man entsprechend ein Mana, in zweiten zwei und so weiter. Das verhindert das Mana-Pech von MtG, rettet einen aber nicht vor Kreaturen auf der Hand, die am Anfang zu teuer sind.

Das Ziehen der Starthand ermöglicht es dem Spieler, eine oder mehrere seine Karten abzulegen und neue zu ziehen. Allerdings nur einmal. Dafür bekommt aber genau die gleiche Anzahl zurück und wird nicht mit der Regel des Mulligan wie bei MtG bestraft, die bei jedem Tauschvorgang die Anzahl der Startkarten um eins reduziert.

Bei Heartsone gibt es ebenso wie bei MtG die Einsatzverzögerung für in einer Runde beschworene Kreaturen. Im Gegensatz zu MtG können die Kreaturen allerdings nicht nur den Avatar, sondern auch andere Kreaturen angreifen. Dafür entfällt jedoch das Blocken. Der eigene Avatar ist somit immer schutzlos den Angriffen ausgeliefert (es sei denn, man hat Kreaturen mit Spott, denn diese müssen bei Heartstone vorrangig angegriffen werden). Sofern der Avatar über eine Waffe verfügt, kann er sogar selber angreifen, was bei MtG nicht möglich ist. Dafür lassen sich bei MtG die Decks aber vollständig frei zusammen stellen. Ein schwarz-weißes Deck lässt sich ebenso wie ein schwarz-grünes oder auch alle Farben auf einmal zusammen bauen. Entscheiden ist nur, dass man die Karten auch ausspielen kann, denn man braucht das passende Land im Deck. In Heartstone gibt es Basiskarten, die für alle Decks verwendet werden können. Alle Karten sind nach Klasse sortiert, die wiederum zu dem jeweiligen Avatar gehört. Dadurch sind bestimmte Kombinationsmöglichkeiten von vorne herein ausgeschlossen.

Was Heartstone im Vergleich zu Magic the Gathering hinbekommt ist das Spielgefühl. Heartstone macht Spaß und hat durchaus Langzeitmotivation, auch wenn man kein echtes Geld für virtuelle Booster versenken will. Herzstück von Heartstone sind die Multiplayer-Duelle. Hier zeigt sich auch die größte Stärke im direkten Vergleich zu den anderen für iOS vorhanden Sammelkartenspielen. Die Duelle sind immer spannend, durch gutes Matching auch fair, selbst wenn man verliert, verliert man nicht die Lust, gleich noch eine Runde zu spielen.

Zum leidigen Thema In-App Käufe. Magic 2014 auf dem iPad ist davon nicht frei. Den vollen Spielspaß bekommt man nur für knapp zehn Euro, dazu kommen dann noch weitere Themendecks die bezahlt werden wollen oder so genannte Deckschlüssel, mit denen sich vor der Zeit Themendecks aus der Kampagne freischalten lassen — eine Einzelspieler-Kampagne fehlt bei Heartstone derzeit, soll aber noch nachgereicht werden. Hearstone selber ist kostenlos, man kommt, wie ich finde, auch ganz gut zurecht ohne Geld auszugeben. Die Themendecks stehen einem dann zur Verfügung, wenn man sie im Übungsspiel (oder auch online) besiegt hat.

Geld gibt man bei Heartstone für genau zwei Dinge aus: man kauft sich virtuelles Gold (um in der Arena antreten zu können, was einem für 1,79 Euro mindestens ein Booster-Pack und 30 Gold gibt). Oder aber man kauft sich direkt virtuelle. Für 2,69 Euro gibt es zwei Booster, mit jeweils 5 Karten, größere Packs sind günstiger. Über solche Preise kann man meckern. Als Magic-Spieler jammert man über so was nicht. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich für echtes Geld Karten gekauft habe. Ein Booster Magic-Karten (mit 15 Stück) kostet derzeit 3,39 Euro — dazu braucht man bei wertvolleren Karten auch noch Schutzhüllen. Für jemand, der früher auch mal ganze Displays mit Magic-Karten gekauft hat, sind die Booster bei Heartstone eher günstig, zumal in jedem Booster mindestens eine seltene Karte steckt.

Fazit, nach den ersten Tagen mit Heartstone: Wer auch nur Ansatzweise Sammelkartenspielen etwas abgewinnen kann, sollte sich das Spiel sofort installieren — alle anderen sollten zumindest mal rein schnuppern, kostet außer Zeit erstmal nichts.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren