Am Ufer

Beschwerden über den heutigen Blogtitel sind vorstellbar, aber ich werde sie ignorieren. Mir sind Kommentare nicht egal, aber ich sitze derzeit schmollend in einer Ecke, starre die leer weiße Wand an und ärgere mich. Der heutige Titel hätte der Anfang eines Gedichtentwurfs sein können. Möglicherweise wäre der Text wirklich brauchbar gewesen, wenn ich mich denn noch an ihn erinnern könnte.

Fangen wir aber chronologisch an. Gestern Abend, 20 Uhr, Poetry Slam, genannt Reim in Flammen. Eine Veranstaltung im Rahmen des „Kölner Leseherbst„, der sich dieses Jahr über ein volles, aber unglücklich gestaltetes Programmheft freuen kann. Besonders die Karte mit den Veranstaltungsorten im Heft gefällt mir ganz gut. Woche Karte? Eben! Es sind die kleinen Dinge im Leben, die den Unterschied ausmachen. Wie auch beim Veranstaltungsort BAY (Biergarten am Yachthafen). Auf die Bestuhlung vom letzten Jahr hatte man diesmal zugunsten von Liegestühlen verzichten. Reicht ja auch, wenn weniger Besucher bequemer sitzen können, dafür haben die anderen schließlich den Luxus, im Sand zu kauern.

Direkt vor meiner Nase befand sich dann auch noch eine Liege, die den ganzen Abend über frei blieb. Wobei, nicht ganz, denn dort hatte ein junger Mann seine Jacke abgelegt. Die braucht ja auch ihren Platz und wer legt schon seine Jacke einfach in den Sand. Da könnte sie ja dreckig werden. Unhöflich gegenüber der Jacke wollte ich auch nicht werden, denn es war nur eine Liege, so dass meine Begleitungen weiterhin im Sand hätten sitzen müssen. Obwohl, der wahre Gentleman sitzt für sich selbst zu erst. Hab ich mal gehört, aber das war mit Sicherheit nicht in Köln.

Die komische Musik erklärte sich vor Beginn des Salm ebenso wie die miese Aussteuerung der Mikrofone, als der Betreiber vom BAY Kevin aufforderte, „da doch mal was zu machen„. Die Bahn sollte sich daran an Beispiel nehmen: „Für sie heute am Steuer: Kevin aus Kalk.“ Dann weiss man direkt, woran man ist und ärgert sich bei Verspätungen zielgerichteter.

Nur Haarspalter wäre eventuell bereit, über den Poetry Slam selber zu meckern. Dafür waren Jule Weber und Sebastian 23 sowie ein Moderator, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnern kann, was aber wohl Schicksal der meisten Moderatoren ist, obwohl dieser sogar Kästner zitierte, einfach zu gut. Und inspirierend. Mich jedenfalls verfolgte der Slam noch in den Schlaf und holte mich im Reich der Träume ein. Ich träumte ein Gedicht, wachte auf, trank ein etwas Wasser, war aber zu müde, das Gedicht aufzuschreiben, obwohl es mir bei jedem Schluck besser vorkam. Es begann mit dem Satz „Am Ufer.“

Beim zweiten wach werden erhielt ich von der Muse eine zusätzlich Chance, die ich auch wieder an mir vorbei ziehen ließ. Über blieb am nächsten morgen das, was sich jetzt oben als Titel befindet. Die Muse musste das geahnt haben, denn sie sorgt noch für einen weiteren Traum, der mich zutiefst verstörte. In ihm befand ich mich auf der Bühne vom BAY und gab eine Hitler Parodie, die wohl gut gewesen sein muss, denn ich glaube im Schlaf geschmunzelt zu haben. Ich als Hitler trug eine rote Armbinde mit einem weißen Kreis drin und einem schwarzen Like-Daumen. Ganz klar die Auswirkungen eines Beitrags von Sebastian 23 über „online sein“.

Die Szene wechselte nach dem Applaus. Das Publikum, längst zu Hause, aber alles musste aufgeräumt werden. Hitler, also ich, wieder ohne Uniform und mit meiner normalen Frisur, saugte mit einem Staubsauger den ganzen Sand vom Boden, während mir die Jogginghose die ganze Zeit über den Po rutschte. Daher dauerte das Saugen länger als man von mir erwartet hatte. Peinlich berührt wachte ich auf und konnte mich an diesen Mist auch noch erinnern.

Bevor wir den Mantel des Schweigens über die Szene ausbreiten und ich mich weiter auf das Schmollen in der Ecke konzentriere, noch ein paar Worte zu Sion-Kölsch. Eigentlich wusste ich ja, warum ich der Fassbrause aus der gleichen Brauerei den Vorzug gab. Diese hat zwar eine feine Limetten-Note, ist mir aber deutlich zu süß. Kein Vergleich zu Gaffel. In der zweiten Runde griff ich daher zum Kölsch. Das nennt sich so, obwohl Sion für mich persönlich so schmeckt, als habe man von ein paar Brauereien lediglich die leeren Tanks ausgespült. Immerhin, Sion hat ein schöne Relief-Flasche. Und die sehen voll besser aus als leer, was auch ein Grund wäre, sie so zu belassen. Jetzt aber wirklich wieder zurück in die Ecke.

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