Land der Würstchen

Wenn es um die Wurst geht, versteht der Deutsche an sich keinen Spaß. Hat es nur den Anschein, man würde sie ihm wegnehmen, klopft er sich empört auf seinen Wohlstandsbauch und kreischt wie ein Kind im Sandkasten, dem das Förmchen abhanden gekommen lässt. Dabei ist er sich zu keinem Zeitpunkt darüber bewusst, welches widersprüchliche Bild er dabei abgibt, der Deutsche. Genetisch immer noch im preußischen Obrigkeitsstaat verhaftet und niemals auf die Idee kommend, für fundamentale Bürgerrechte in Massen auf die Straße zu gehen, wird er laut sobald er das Gefühl hat bevormundet zu werden.

Datenschutz, Einschränkung der Bürgerrechte, Vorratsdatenspeicherung, lässt der Deutsche ohne zu murren mit sich machen. Wehe aber dem, der vorschlägt, einen vegetarischen Tag in der Woche einzuführen. Da hilft auch keine nachvollziehbare Begründe. Der Deutsche ist schließlich was er isst. Und das bestimmt immer noch er selber, glaubt er zumindest. Und fällt dabei auf den größten Selbstbetrug herein, insbesondere der deutsche Mann. Selbstverständlich isst der zeit seines Lebens nicht das, was er wirklich möchte, sondern das, was ihm vorgesetzt wird.

Zuerst von seiner Mama, dann von seiner Frau. Protestiert gegen den von den Grünen vorgeschlagenen „Veggie Day“ wird daher nur in der Öffentlichkeit, niemals aber zu Hause, den dort bestimmt über den Speiseplan jemand ganz anderes. Gegessen wird das, was auf den Tisch kommt. Das der Mann der größte Fleischfresser auch in Deutschland ist, ließe sich daher ohne das es auffallen würde korrigieren. Es müsste lediglich anders gekocht werden von den Frauen. Und die lassen sich mit Argumenten, die gegen übermäßigen Fleischkonsum sprechen, wesentlich besser erreichen als der im Steinzeit-Fleisch-Kraft-Denken verhaftete Mann. Für den Fall, dass Mann selber kocht, wird er vermutlich auch schon länger über eine bewusstere Form der Ernährung nachgedacht haben. Der Rest der Männer, die sich aus Bequemlichkeit bekochen lässt, sind ehedem nur arme Würstchen.

Lassen wir aber die Polemik beiseite und schauen uns rational das an, was die Grüne vorschlagen. Nebenbei bemerkt ist das nichts, was plötzlich neu ist, sondern bereits seit April bei ihnen im Parteiprogramm stand. Gefunden hat das die Zeitung mit den großen Buchstaben wohl erst jetzt, in der Sommerpause. Aufgegriffen wird es von all denen, sich auf billige Art und Weise profilieren wollen. Leider wird auf genau diese billige Art und Weise das Fleisch, welches wir in Massen verzehren, produziert. Fleisch ist kein Stück Lebensqualität, sondern ein in Massentierhaltung unter oftmals erbärmlichen Bedingungen „hergestelltes“ Produkt. Weniger wäre hier wirklich mehr, könnte vielleicht auch zur Verbesserung der Tierhaltung führen, denen man, wenn sie denn schon für uns sterben müssen, ein Leben in Würde bis zum Zeitpunkt der Schlachtung gönnen sollte.

Es geht, wie viele meinen, nicht um Bevormundung der Bürger, sondern nur um einen notwendigen Denkanstoß. Der ist beim Essen genau so wichtig, wie er beim Thema Atomkraft oder rauchen in der Öffentlichkeit notwendig war. Wer das nicht begreift, sollte einfach mal versuchen darüber nachzudenken, welche Folgen der weltweite Fleischkonsum eigentlich hat. Wir fressen den Regenwald auf, der für Weidefläche und Ackerland, auf dem Futtermittel angebaut wird, verschwindet. Fleisch ist in Deutschland in den letzten Jahrzehnten das Nahrungsmittel, welches immer billiger geworden und welches gleichzeitig mit den Meisten Skandalen im Lebensmittelbereich verbunden ist.

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