Nicht mehr ganz dicht

Sommer in der Stadt. Temperaturen an der Grenze, wo Straßenteer wieder weich wird. Nächte, in denen keine frische Brise aufkommt, sondern der nächste Tag genauso stickig anfängt wie der vorherige endete.

dom-07-2013

Gerade an Tagen wie heute merkt man in den Großstädten, wie sich die Hitze staut, zwischen den Häuserschluchten fängt. Breite Glasfronten wie Spielflächen eines riesigen Backofens, Beton überall wo man hinschaut. Klimatechnisch eine Katastrophe. Die Menschen selber macht das je nach Typ entweder träge und passive, oder aber aggressiv. Je höher die Temperaturen, desto lauter die Musik, desto rücksichtsloser wird vor allem auch geparkt. Zumindest wirkt das so auf Landeier wie mich. Gleichzeitig gehöre ich auch zu den Leuten, die angesichts neuer Bauvorschläge der Kölner CDU nur den Kopf schütteln können.

Statt neuer Stadtteile für neuen Wohnraum möchte die CDU hier in der Domstadt lieber in die Höhe bauen dürfen. Dabei hat die Partei auch dem Kölner Höhenkonzept (das sieht eine maximale Gebäudehöhe von Neu- bzw. Umbauten vor, gerade auch um das kulturelle Erbe der Stadt nicht zuzubauen) zugestimmt. Gleichzeitig denkt man aber auch an eine Verdichtung, bei der so genannte mindergenutzte Flächen verschwinden sollen. Mich erinnert das eine Diskussion, die vor einem Jahr schon mal aufkam, als um die Kleingärten in Köln ging.

Mein Standpunkt hat sich seit dem nicht geändert. Eine Stadt muss atmen können, braucht ungenutzt Freiflächen, Grünflächen. Andernfalls treibt es die Temperaturen in den sonnigen Sommermonaten noch weiter nach oben. Die Stadt erstickt an sich selber. Es stellt sich die Frage, wem man nützt wenn alles zugebaut ist. Sicher nicht den Menschen, die im Sommer in der Stadt leben müssen, weil sie sich keinen Urlaub leisten können. Verdichtung schafft auch keinen über das finanzielle hinausgehenden Mehrwert.

Neben einem stimmigen und nachhaltigen Gesamtkonzept, eine Art Agenda 2020 für Köln, fehlt es, aber vermutlich auch quer durch alle Parteien, an der Einsicht. An der Einsicht, dass Wachstum immer auch Grenzen hat. So schön es vielleicht für das patriotische Herz sein mag, dass viele Menschen in Köln (statt vielleicht in Düsseldorf) wohnen wollen, es geht schlicht und einfach nicht. Für das was sich ohne Rücksicht immer weiter ausbreitet,hat man in der Medizin einen Namen: Krebs. Und auch der kommt an Grenzen, wenn er den Körper zerstört hat.

Städte können nicht grenzenlos wachsen. Wachstum geht wenn überhaupt nur gleichzeitig als qualitatives Wachstum, was wiederum ein Gesamtkonzept voraussetzt. Das erfordert auch eine völliges Umdenken bei der bisherigen Infrastruktur. Statt irgendwo anders in die Sommerfrische zu fahren, sollte sich die Ratsmitglieder den Sommer in all seinen Facetten in Köln gönnen. Vielleicht verschafft es einen Eindruck von dem, was man statt deutlich besser einfach völlig anders gestalten könnte.

Verdichtung ist kein Konzept, sondern ein nahezu unumkehrbarer Ausverkauf von Fläche.

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