Auf der Suche nach Zeit, Teil 5

Dem bisher vorgestellten neuen Workflow von mir fehlt noch eine wichtige Komponente. Mal eben etwas notieren, dafür gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten. Auch wenn es hervorragend analog geht, steht im folgenden die digitale Erfassung im Vordergrund.

Auch wenn es heute mitunter schwer fällt, sich die Zeit vor dem iPhone vorzustellen, so gab es sie doch. Seit dem ich ein iPhone habe, ist mir jedoch ein Bedürfnis, Notizen damit bei Bedarf nicht nur unterwegs machen zu können, sondern diese auch bequem mit dem Rechner zu synchronisieren. Ganz am Anfang habe ich mit der Notizen-Applikation von Apple geschrieben und mir wichtige Texte per E-Mail zugeschickt. An dem Verfahren gefiel mir allerdings nicht, dass ich das manuell anstoßen musste und vor allem, dass es keine Synchronisierung war. Erst viel später, nach ausprobieren zahlreicher Applikationen, bin ich dann bei Notebooks gelandet. Eine Applikation für das iPhone, die neben der Möglichkeit, unterschiedliche Notizbücher auch ein Datenabgleich mit der Dropbox durchführen kann. Bis vor zwei Wochen war das die Applikation für meine Notizen auf dem Homescreen.

Mittlerweile bin ich wieder zu „Notizen“ von Apple zurück gekehrt. Der Synchronisierung über die Cloud funktioniert hervorragend im Hintergrund. Aber das ist der einzige Grund. Für mich entscheidend war, dass ich nicht die Möglichkeiten von Notebooks brauche. Vor allem finde ich es praktisch, die Notizen jetzt direkt in Mail zu haben, dort auch ändern zu können und zu wisse, dass das alles auch sofort auf dem iPhone ist.

Es hängt aber auch eben stark damit zusammen, wie ich Notizen sehe. Für mich sind es Informationen mit Verfallsdatum. Ich schreibe etwas auf, um in einem überschaubaren Zeitrahmen das Aufgeschriebene zu verwenden. Die Idee in einer Geschichte, die Urlaubsplanung im Kalender und so weiter. Für alles andere sind Notizen die falsche Ablage – das gilt insbesondere für Recherche-Material.

Informationen, die ich dauerhaft zur Verfügung haben will, gehören nicht in die Notizen. Wenn es Ergebnisse aus einer Recherche für ein aktuelles Schreibprojekt sind, sortiere ich sie in den entsprechenden Bereich des Scrivener-Projekts ein. Alles andere, sei es zum Thema Kriminalistik Literatur oder auch empfehlenswerte Restaurant in Köln, landen bei mir in DEVONthink (empfehlenswert ist auf jeden Fall die Pro Version, da man damit mehr als eine Datenbank anlegen kann).

Mittels der iPhone App kann ich dann ausgewählte Bereich einer oder mehrerer Datenbank auch unterwegs verfügbar haben. Schön wäre hier natürlich ein Datenabgleich über die Wolke, ist aber im Prinzip nicht notwendig. Natürlich gibt es auch Dienste wie Evernote. Dem stehe ich allerdings skeptisch gegenüber. Um entsprechende Datenmenge abgleichen zu können, benötigt man einen kostenpflichtigen Account. Hinzu kommt bei mir ein grundsätzliche Skepsis. Notizen, Kalendereinträge, selbst Texte in der Dropbox sind für sich gesehen nicht wertvoll. Anders sieht es mit dem aus, was ich an Wissen zusammen getragen habe, teilweise über Monate und Jahre. Da möchte ich keinem Dienstleister glauben müssen, dass meine Daten vor Fremdzugriffen geschützt sind. Von meinen DEVON-Datenbanken kann ich ein Backup machen. Mich hat die Software nur den einmaligen Anschaffungspreis gekostet. Sollte ich an einen Punkt kommen, wo ich DEVON nicht mehr nutze oder die Daten außerhalb der Applikation benötige, ist das kein Problem. Nicht nur jede Dokument, sondern auch jeder angelegte Ordner samt Inhalt und Unterordner lässt sich einfach per auf den Desktop schieben. DEVON legt dann dort eine Kopie der Daten als Dateistruktur an, mit RTF, PDF und weiteren Dateiformaten, so wie sie auch in der Datenbank abgelegt wurden.

Der Umgang mit DEVONthink – das wäre eine Artikelserie für sich. Eventuell werde ich dazu in den nächsten Monaten etwas schrieben. Die Suche nach Zeit ist für mich erstmal beendet. Gerade das Schreiben darüber hat geholfen, mir den künftigen Workflow noch mal zu verdeutlichen. Insgesamt benötige ich weniger Applikationen als vorher. Was aber viel wichtiger ist: mir ist klar geworden, dass mir pro Tag nur 24 Stunden zur Verfügung stehen. Selbst die besten Programme können daran nichts ändern.

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