Zufällig mit der Bahn

Zufällig mit der Bahn

So, die Bahn ist also beleidigt, weil Stiftung Warentest ermittelt hat, dass Fernzüge oft zu spät kommen. Natürlich waren die Messung falsch, sind selbstverständlich unseriös und außerdem tragen die Tester ihre Socken auf links.

Mal ganz ehrlich, liebe Bahn. Wer mit solchen Vorwürfen ankommt, ist nah dran, sich in eine Verschwörungstheorie reinzusteigern. Überhaupt sind die Kunden schuld. Würden die nicht mit dem Zug fahren – aber lassen wir das, Ironie versteht man bei der Bahn genauso gut, wie man Englisch spricht. Bei den ICE’s sollen die Verspätung (alles was über sechs Minuten hinaus geht) laut Stiftung Warentest 34 Prozent betragen. Empirisch kann ich da nicht mithalten, aber laut meinen Erfahrungswerten nach über 10 Jahren Pendeln mit der Bahn ist das kein unrealistischer Wert. Ich persönlich hätte ihn sogar noch für höher geschätzt.

Gut, Themawechsel, sonst rege ich mich wieder über eher unwichtige Dinge auf. Dabei gibt es Sachen, die viel schlimmer sind als Zugverspätungen. Vor fast zwei Jahren hatte ich hier im Blog schon mal über das Carbon Capture and Storage (CCS) Verfahren geschrieben. Meine Meinung zum Thema hat sich nicht geändert, ganz im Gegenteil. Da lese ich doch heute bei einem wirklich sehr leckern Abendessen (Spargel, der überings auch im Boden wächst…), dass die CCS-Endlager immer noch nicht vom Tisch sind. Wenn man das mal rational betrachtet, ist die Idee völliger Unfug. Zwar ist CO2 nicht so gefährlich wie Atommüll, aber der hört (auch wenn es verdammt lange dauert) irgendwann mal auf zu strahlen. CO2 bleibt auf ewig im Boden.
Klar, man könnte sich jetzt auf den Standpunkt stellen, dass da schon nichts passieren wird, die Firmen schließlich verantwortungsvoll mit der Technik umgehen und morgen der Weihnachtsmann kommt. Mal die Tatsache, so wie sie in der Süddeutschen Zeitung standen:

Wie lange die Lager dicht halten, weiß niemand. Laut Gesetz sind die Konzerne dreißig Jahre lang für die Speicher verantwortlich – was danach geschieht, muss die Allgemeinheit finanzieren.

Ich musste das drei Mal lesen, weil ich es erst für einen Scherz hielt. Dreißig Jahre ist ein absoluter Witz. So was ist unverantwortlich. Wer immer für das Gesetz verantwortlich ist, sollte umgehend zur Rechenschaft gezogen werden. Es ist ein Freibrief, der einzig und allein nur der Profitmaximierung von Konzerne und nicht im Geringsten der Allgemeinheit dient.

Genug aufgeregt. Sonst brauch ich gleich wieder meine Pillen. Kommen wir zu etwas ganz Anderem (nein, nicht die königliche Hochzeit).
Seit ein paar Tagen geistern mir wieder „Zufall“ und „Schicksal“ durch den Kopf. Dazu hatte ich mal eine Definition gelesen, die ich leider verlegt habe. Laut dem Text gibt es kein Schicksal. Schicksal ist nur eine spätere Interpretation von Zufall.
Wenn ich meine Brille im Büro liegen lasse, noch mal zurück gehe und dadurch den Bus verpasse. Wäre das Schicksal? Wohl kaum, eher Zufall (oder Schusseligkeit).
Was aber, wenn der Bus einen Verkehrsunfall hat, den keiner der Insassen überlebt? Ist dann das mit der Brille immer noch Zufall? Natürlich. Ich interpretiere es nur als Schicksal.
Wie bin ich jetzt eigentlich auf das Thema gekommen? Vermutlich rein zufällig. Moment nein, die Bahn ist Schuld. Die hat CO2 in mein Zimmer geleitet und die Unterversorgung mit Sauerstoff hat zu diesem merkwürdigen Blogeintrag geführt.

2 Replies to “Zufällig mit der Bahn”

  1. Aha, da hast Du Schicksal und Zufall doch noch in einem Blogeintrag untergebracht! Ich kann das Beispiel schon verstehen. Es ist aber weniger das, was ich unter Schicksal verstehe – aber ich glaube, das ist Dir nach unserem Twitter-Dialog schon klar. Und ich denke, es gibt bei Dir auch noch eine weitere Ebene, auf der Du über Schicksal und Zufall nachdenkst. Vielleicht kommen wir noch dazu, uns darüber genauer auszutauschen?

    Gruß
    Solveig

  2. Die Zahlen von Stiftung Warentest stellen lediglich den Monat Dezember dar. Wenn die wirklich seriös ermitteln würden, sollten sie ein ganzes Jahr erfassen, dann würden sich diese Zahlen relativieren.

    Züge mit geringen Verspätungsminuten sind i.d.R. häufiger als Züge mit hohen Verspätungsminutenanteil.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren