Kampf mit Wörtern

Wenn ich Texte schreibe, versuche ich den Schreibfluss möglichst aufrecht zu halten. Dazu gehört es, in Phase, wo die Ideen nur zu sprudeln, niemals innezuhalten, den vorherigen Satz zu lesen und ihn noch mal umzuschreiben. So etwas zu machen ist wie Steine auf eine Wasserquelle zu rollen. Irgendwann wird sie versiegen und nicht mehr sprudeln.

Einen Satz kann umgeschrieben werden, es gibt auch immer Formulierungen, die besser passen als das, was einem zuerst durch den Kopf gegangen und seinen Weg in den Text gefunden hat. Da das so ist, empfiehlt es sich aus meiner Sicht, erstmal weiter zu schreiben und jegliche Einwände auszublenden. Ansonsten macht einem gerade der innere Kritiker das Schreibleben sehr schwer. Entweder wenn man mit einer Passage (Kapitel / Szene ) durch ist oder in einer Phase sich entwickelnden Schreibblockaden kann man dann zurück springen und den Text überarbeiten.

Soweit liesst man das auch in Ratgebern oder Texten andere Autoren, die sich über das Schreiben auslassen. Bisher bin ich aber bei keinem Autor über ein Geständnis gestolpert, dass sein Text in der ersten Fassung Fehler enthält. Und mit Fehlern meine ich hier Rechtschreib- und Grammatikfehler. Das Thema scheint etwas zu sein, worüber nicht gerne gesprochen wird. Dabei unterlaufen jedem Fehler. Schwierig wird es, alle Fehler in einem Text aufzuspüren. Für „Altmetall am Altrhein“ hatte zwischen Fertigstellung des Manuskriptes und hochladen der Druckdatei etwa eine Woche Zeit. Mehr ging nicht, denn sonst hätte ich das Buch nicht rechtzeitig fertig bekommen und so nicht zu Weihnachten verschenken können. Eigentlich braucht man wesentlich mehr Zeit, um seinen eigenen Text noch mal zu bearbeiten.

Zwei grundlegende Tipps gibt es, die ich selber auch in Zukunft beherzigen sollte. Zunächst ist es sehr gut, wenn man sich selbst und seinem Manuskript eine Auszeit gönnt. Mit etwas Abstand vom eigene Text stolpert man besser über die Fehler. Besonders gut gelingt das, wenn man seinen Text jemand anderem vorliest. Ganz nebenbei lernt man dabei auch noch, mit mehr Betonung und vor allem langsamer zu lesen.

Momentan lese ich meiner Frau meinen Roman „Altmetall am Altrhein“ vor. Teilweise fallen mir dabei Dinge ins Auge, wo sich mir die Nackenhaar sträuben. Neben Wortdoppelungen, Rechtschreibfehlern und völlig verdrehten Sätzen gab es eine Stelle, wo ich mich besonders über meine Unachtsamkeit geärgert habe. In einem Kapitel im Roman taucht eine Nebenfigur auf, deren Namen dann auch häufiger genannt wird. Zum Schluss des Kapitels verwende ich dann eine anderen Namen für die Person. Beim vorlesen hat mich das ziemlich aus dem Konzept gebracht. Bei der ersten Korrekturphase ist mir das deshalb nicht aufgefallen, weil die Geschichte noch viel zu präsent in meinem Kopf war. Das führt automatisch dazu, das Fehlern im Kopf korrigiert und über Schwachstellen hinweggleitet.

Da man es nicht oft genug wiederholen kann: Zeitlichen Abstand zum Text schaffen und diesen Laut vorlesen!

Auch wenn gerade niemand verfügbar ist, dem man den Text vorlesen kann, sollte man ihn trotzdem laut lesen (nur die Lippen dabei bewegen reicht nicht aus). Der Sprechvorgang bremst den Leseprozess, so dass man den Text viel bewusster wahrnimmt.

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