Nahrungskette

In der derzeitigen Diskussion um steigende Lebensmittelpreise wird ein entscheidendes Detail vergessen: dieser Planet kann nur eine begrenzte Menge an Menschen (gesund) ernähren. Den Gesetzen des Marktes folgend, werden bei steigender Nachfrage (Zunahme der Gesamtbevölkerung) und sinkendem Angebot die Preise entsprechend nach oben angepasst mit dem Effekt, dass Lebensmittel nun mal eben teuer werden.

Beschleunigt wird der Preisanstieg noch dadurch, dass ein zunehmender Teil der Nahrungsmittel anderweitig verwendet wird. Raps, Mais und andere Pflanzen landen als Biotreibstoff in Autotanks. Zwar ist es dann ökologisch korrekt, sich mit seinem Luxuswagen auf diese Weise fort zu bewegen, ethisch aber bedenklich, wenn dadurch Menschen hungern oder verhungern müssen. Ebenfalls kritisch zu betrachten ist die Tatsache, dass es extrem kostspielig ist, Fleisch„herzustellen”. Für ein Kilo Fleisch müssen ca. 17 Kilo pflanzliche Nahrungsmittel verfüttert werden.

Wen wir das Ganze mal zynisch betrachten, dann könnte bei anhaltender Entwicklung das Szenario wie folgt aussehen: Steigende Preise für Lebensmittel führen dazu, dass Gesunde Nahrung zum Luxusgut wird. Weite Teile der Bevölkerung können sich diese Form der Ernährung nicht mehr leisten und können nur noch dadurch überleben, dass sie so genannten Nahrungsersatz essen. Statt echter Erdbeeren Sägespäne mit Pilzkulturen, Fleisch wird mit Wasser und Geschmacksstoffen angereichert, statt natürlicher Lebensmittel künstliche Nahrungsmittel. Skandale um Ekelfleisch und ähnliches werden zunehmen. Schließlich wird aus Abfall Essen gewonnen, aber selbst dass wird nicht ausreichen, alle Menschen zu ernähren.

Teile der Weltbevölkerung werden einfach verhungern. Ein anderer Teil, der die künstliche Nahrung zu sich nimmt, wird mit einer deutlichen geringeren Lebenserwartung rechnen müssen, bei gleichzeitig gesunkener Lebensqualität. Ein kürzeres Leben wird von ernährungsbedingten Krankheiten begleitet. Auf Grund der katastrophalen Lage im Gesundheitswesen werden diese selbstverständlich nicht mehr von den Krankenkassen bezahlt. Die sich auflösende Solidaritätsgemeinschaft hat sich längst aus der medizinischen Versorgung für alle zurück gezogen.

Die Armen werden zuerst sterben. Dummerweise fehlen damit günstige Arbeitskräfte, die selbst in einer weitgehend automatisierten Produktion von Nahrungsmitteln benötigt werden. Für die Bedienung der Maschinen müssen Arbeitskräfte ausgebildete werden. Diese Ausbildung kostet, rentiert sich aber nicht mehr, wenn die Arbeitskraft auf Grund schlechter Ernährung vorzeitig stirbt.

Was dann folgt, ist der Kollaps der industriellen Nahrungsverarbeitung und der Tod weiter Teile der Weltbevölkerung. Nur die Wohlhabenden werden überleben, sich aber aber in einer ganz anderen Welt wiederfinden. Die Lebensmittel werden biologisch von Hand angebaut. Hochwertige Nahrung ernährt eine stark geschrumpfte Menschheit – natürliche Selektion. Diese ist aber zurück gekehrt in eine vorindustrielle Lebensweise, denn nur so kann die Balance gewahrt werden.

Zugegeben, eine Szenario wie aus einem Science-Fiction Roman. Was davon wahr wird, hängt nicht nur von jedem Einzelnen ab, sondern von einer Vielzahl von anderen Faktoren. Die Frage ist nur, ob wir abwarten wollen, wie sich die Welt verändert oder ob wir mitbestimmen wollen, wie dies passiert.

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