Das Hermann-Prinzip

Das Hermann-Prinzip

Gestern wurde von Eva Hermann in Berlin ihr neues Buch vorgestellt. Das erste, was den meisten wohl dazu einfällt, ist die alte Erkenntnis, das Papier wahrlich geduldig ist und sich fast alles, was auf mehren Seiten geschrieben und zwischen zwei Deckel gepresst wurde, als Buch bezeichnen darf – völlig unabhängig davon, was geschrieben wurde.

Nehmen wir aber mal Frau Hermann für einen Moment ernst und schauen uns ein paar ihrer Aussagen an, denken diese einfach konsequent weiter. So ist sie zum Beispiel der Meinung, und damit befindet sie sich im Gegensatz zu aktuellen politischen Diskussion, Krippenplätze für Kinder ganz und gar unnötig wären. Schließlich würde sich die überwältigende Mehrheit der Frauen wünschen, bis zum dritten Lebensjahr ihres Kindes zu Hause zu bleiben. Ferner geht Hermann davon aus, dass unsere Gesellschaft in 100 Jahren nicht mehr existieren wird, wenn Frauen weiterhin Karriere machen. Eine plausible Erklärung für die höhere Gewaltbereitschaft unserer ostdeutschen Mitbürgerinnen und (vor allem) Mitbürger hat sie auch: daran sei die Krippen schuld, in der die Kinder zu DDR-Zeiten mussten.

Bevor jetzt jemand laut losbrüllt (was er dann vermutlich auch nur deshalb machen wird, weil seine Mutter auch berufstätig war): Wir wollten Frau Hermann ja ernst nehmen.

Im Grunde, und das ist wohl auch die versteckte Kernaussage von Eva Hermann, ist es für den Fortbestand einer Gesellschaft ungesund, wenn Frauen überhaupt Karriere machen. Würden sie sich rückbesinnen auf ihre klassischen Kernkompetenzen (Kinder, Küche, Kirche), so würde viele in Deutschland viel besser sein. Während sich das schwache Geschlecht auf die für sie gottgewollte Rolle konzentriert, zieht der Mann aus, um zu jagen, bzw. seiner täglichen Arbeit nachzugehen. In vielen Familien würde dann vermutlich das Geld nicht mehr für den Lebensunterhalt reichen, aber da könnten Staat und Wirtschaft ja einspringen. Schließlich profitieren sie ja davon, wenn Frauen grundsätzlich nicht arbeiten gehen (klassischerweise zählen Tätigkeiten im Haushalt nicht als Arbeit).

Würde Frauen nicht arbeiten, so bräuchten Firmen auch nicht so überflüssige Regelen wie Mutterschutz. Die Geldverschwendung für das Freihalten eines Arbeitsplatzes während der ersten Aufzuchtjahre des Nachwuchses würde entfallen. Des weiteren sind Frauen im Laufe ihrer Berufstätigkeit häufiger krank und versuchen damit höhere Ausfallzeiten – Männer sind deutlich belastbarer und sterben zudem statistisch früher nach Eintritt in das Rentenalter.

Ohne berufstätige Frauen müsste daher auch nicht wie jetzt das Renteneintrittsalter erhöht werden, denn diese Anpassung ist schließlich auch nur eine Folge davon, dass immer mehr Frauen, die dann auch noch länger leben, auf den Arbeitsmarkt drängen. Der Staat könnte auch noch an anderer Stelle sparen. Wenn Frauen um ihre Kinder kümmern, benötigen sie im Grunde weder einen höheren Bildungsabschluss noch müssten sie studieren. Ohne weibliche Studierende wäre wohl die Einführung einer Studiengebühr überflüssig gewesen, den gerade durch den Massenansturm von Frauen an deutsche Universitäten platzen diese aus allen Nähten.

Es scheint so, als ob Frau Hermann das gefunden hat, wonach Politiker schon seit Jahrzehnten verzweifelt suchen: ein Patentrezept zur Lösung aller unsere gesellschaftlichen Probleme, dass so einfach ist, dass es jeder Mann versteht. Lästige Errungenschaften wie Gleichberechtigung und anderes Gedöns müssten wird einfach nur als unnötigen Ballast über Bord werfen.

6 Replies to “Das Hermann-Prinzip”

  1. Moin!

    Mir wird diese ganze Diskussion um die Kinder inzwischen zu polemisch. Leider läßt Du Dich auch davon anstecken. Alle sind hin- und hergerissen zwischen div. Allgemeinplätzen, gleich welcher Denk oder Glaubensrichtung auch immer.

    Wichtig sind doch eigentlich nur wenige Punkte.

    1. Das Wohl des Kindes und der Mutter/Vater sollte im Vordergrund stehen. Und zwar gleichberechtigt.
    Wo die Familie die Priorität setzt ist Ihre Sache. Extreme, und seltsamerweise wird hier immer wieder nur darüber gesprochen, sind allerdings keine Option.

    2. Die Väter gehören in die Diskussion mit hinein. Es ist immer noch so, das Männer mehr verdienen und bessere Aufstiegschancen haben. Und das liegt nicht daran, daß Männer keine Kinder kriegen können. DAS ist der größere Mißstand. Wäre dieser behoben, würden genauso viele Männer wie Frauen Kinderzeit in Anspruch nehmen und die Debatte würde überflüssig.

    3. Gibt es viele Mütter die keine Wahl haben. Sie müssen arbeiten. Es darf kein Luxus sein, einen Krippenplatz oder eine Tagesmutter zu haben. Entweder werden Familien in Deutschland endlich finanziell besser gestellt oder es geht eben nur über Krippenplätze, was für mich die deutlich schlechtere Alternative ist.

    4. Das es für die Entwicklung der Kinder das Optimum ist, wenn Mutter oder Vater in den ersten 3 Jahren zuhause bleiben, steht wohl außer Frage.

    Elterliche Liebe und Zuwendung kann keine drite Person ersetzen!

    5. Gibt es leider eine wachsende Anzahl Menschen, die nicht in der Lage sind, ein Kind aufzuziehen. Darüber diskutiert irgendwie keiner.

    Das wären mal so meine 5 Gedanken dazu.

    Ich bitte um kritische Prüfung!

    ;)

  2. In diesem Zusammenhang möchte ich ganz gerne ein paar Vorzüge im Bezug auf Krippenplätze aufzählen. Es ist für die Entwicklung des Kindes immer besser, wenn es mehr Zeit unter Gleichaltrigen verbringt als mit einigen wenigen Erwachsenen, Geschwistern oder Nachbarskindern. Ein Kind findet sich in einem neuen Kindergarten, einer Schule, Sportverein etc. leichter und schneller zurecht, wenn es schon früh die Erfahrung gemacht hat unter mehreren Gleichaltrigen zu sein. Der Schonraum Familie ist wichtig, keine Frage. Nur „zuviel“ ist in jeder Hinsicht schlecht. Doch zurück zu den Vorzügen, die ich aufzählen wollte. Wobei das Kind sich spielerisch und leichter entwickeln kann ist die kognitive und soziale Kompetenz. Außerdem wird die Selbstständigkeit fast wie nebenbei gefördert, eher als wenn es immer an Mamas Rockzipfel hängt. Ein weiterer Vorzug ist die Entwicklung des Immusystems eines Kindes, wenn es sich regelmäßig unter Kinder befindet. Es ist allgemein erwiesen, dass es gesünder ist, dass Kinder im Kindergartenalter die typischen Kinderkrankheiten bekommen, als später. Die Anhäufung der Allergiefälle unter Kindern lassen sich auf zu wolhbehütetes und übertriebenes Hygienisches Verhalten der Eltern zurückführen. Das Motto, lasst das Kind einfach mal spielen, am besten draußen mit anderen Kindern, trägt positiv zur Entwicklung des Kindes bei und verschafft den lieben Eltern auch mal ein wenig Luft, vom vielen besorgten Hinterhergerenne.

    Bei dieser Debatte wäre mir von Seiten derjenigen Mütter ein wenig mehr Ehrlichkeit lieber, die ganz gerne unter den Tisch fallen lassen, dass sie lieber Mutter sind als morgens in die Firma zu fahren. Wenn jemand das ehrlich und direkt ausspricht finde ich das völlig ok. Der scheinheilige Ausspruch, man mache das ja alles nur für das oder die Kinder finde ich daher sehr verlogen.

    Klar ist es jedem selbst überlassen wie er oder sie die Sprösslinge großzieht, nur kann ein Blick in die pädagogische Fachliteratur nie schaden, die neben zumeist Theorien auch ein paar Fakten vorzuweisen hat.

    Für den Fall das gleich jemand daher kommt und sagt, na bekomm erst mal selber Kinder, kann ich nur sagen, dass eigene Kinder niemanden automatisch zu einem Experten machen. Ja ich habe keine Kinder, aber ich habe vor meinem Studium eine pädagogische Ausbildung abgeschlossen.

  3. Wobei ich Deinen ersten Absatz fürs Kindergartenalter (sprich ab 3) gerne unterschreibe. Davor jedoch defintiv nicht.

    Die Geschichte, die Du Dir da mit dem keinen Bock auf Arbeit ausgedacht hast, ist einfach nur daneben.

    Nicole würde liebend gerne wieder arbeiten, aber wie willst Du das mit 2 Kindern machen? Julian war lange im Hort und sein Notenspiegel und sein Sozialverhalten haben da sehr drunter gelitten. Seit Nicole wieder zuhause ist, ist es mit beidem wieder aufwärts gegangen.

  4. Mit Verlaub, aber es gibt kein „zu früh“ für die Kinderbetreuung. Natürlich gibt es auch schlechte Erzieher und auch schlechte Kinderbetreuung. Es handelt sich bei allem um Menschen, die weil es eben Menschen sind auch Fehler machen können, wie Eltern auch. Aber das Prinzip Kinderbetreuung ist eine gute Sache.

    Und außerdem denke ich mir da nichts aus, wenn du dich da angegriffen fühlst tut es mir Leid. Wenn es auf Nicole nicht zutrifft, was ziehst du dir da auch den Schuh an. Ich habe lediglich diejenigen Frauen gemeint, und nicht alle oder viele sondern „diejenigen“, womit ein paar gemeint sind, die es auch gibt, die sich eine Freiheit herausnehmen, die ein Mann nie haben kann.

    Das es schwierig ist mit zwei Kindern nebenbei wieder arbeiten zu gehen, würde ich auch nie abstreiten, da ich weiß was es heißt in der heutigen Zeit Arbeit zu finden. Schließlich war Thomas fast zwei Jahre arbeitslos.

    Außerdem habe ich aufgrund meiner Ausbildung und meines Studium etwas ganz wichtiges gelernt, bei Argumenten nie von mir auf andere und auf alle zu schließen, sondern bei Argumenten auf Fakten zurückzugreifen. Man kann gerne eigene Erfahrungen einfließen lassen, aber ich vermeide es immer nur ausschließlich meine Erfahrungen zugrunde zulegen, da es für eine vernünftige Argumentation handwerklich einfach falsch ist. Und einfach ausdenken mache ich schon gar nicht.

  5. Wo ist der Kommentar, den ich grade schrube?

    Hier…

    Ich finde schon, es gibt ein zu früh. Wenn es denn um Fakten gehen soll, kannst Du gerne mal den Blick auf das Paradebeispiel Schweden lenken. Wie unter http://www.kindergartenpaedagogik.de/1203.html wird das dortige Betreuungssystem als das beste Europas in den Himmel gelobt.

    Und wo steht Schweden jetzt?

    http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E016ABA28EB64490EB738BC6120263E81~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Programme/a_Familienpolitik/s_263.html
    http://www.dji.de/bibs/229_3290_Doku_1_2004_fischer.pdf

    Viel Spaß beim lesen…

    In Schweden ist für eben jene früh betreute Generation besorniserregendes zu vermelden.

    Die Elterliche Fürsorge ist meines erachtens in den ersten 3 Jahren durch nichts zu ersetzen. Auch dazu gibt es genügend Studien. Danach gehört ein Kind allerdings in den Kindergarten, man merkt selber als Eltern, dass man dem Kind nicht mehr das geben kann, was es jetzt braucht. Nicht mehr Nestwärme, sondern Begegnung.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren