Ausgespielt

Ausgespielt

Während Deutschland mal wieder auf die Computerspieleszene schaut, geifernde Politiker Gesetzesänderungen und einen Verbot von Killerspielen fordern, dabei aber nicht merken, wie dumm ihre Argumentation eigentlich ist, heißt es an andere Stelle bald Game Over.

Nach 20 Jahren schließt in Bielefeld Der Spieleladen zum 13.01.2007. Der Laden war für mich schon seit Beginn meiner Bielfelder Zeit die Bezugsquelle für Brett- und Kartenspiele. Das das Geschäft jetzt vor dem Aus steht, hat zwei Ursachen. Für mich erkennbar ist das Überangebot in Bielefeld. Einer Einwohnerzahl von rund 360.000 stehen seit fast zwei Jahren sechs Fachgeschäfte für Spiele gegenüber. Zwei Läden für Brett- und Kartenspiele, zwei weitere Läden, die sich auf Rollenspiele, Sammelkarten und Importspiele konzentriert haben sowie eine Verkaufstelle von Games Workshop. Dazu kommt noch ein größer Spielwarenfachhandel.

Wenn also jetzt ein Geschäft aufgibt, könnte dies in Bielefeld der Beginn einer Marktkonsolidierung sein – oder aber das Ende eines vielfältigen Angebots. Das es trotz allem nicht an Nachfrage mangeln würde, hat die Veranstaltung „Spielewelt in Bielefeld” Anfang November gezeigt. Diese war in diesem Jahr besonders gut besucht. Die Veranstalter sprechen sogar vom besten Jahr bisher. Warum dann also der Niedergang?

Der Inhaber des Spieleladens klärte mich mit einer Handbewegung am vergangene Samstag auf. Außer Nadine und mir waren keine Kunden im Geschäft, obwohl eigentlich schon das vorweihnachtliche Einkaufen, der Run auf die Geschenke hätte beginnen müssen. Wenn aber die Kunden nicht im Laden sind, gleichzeitig aber das Interesse an Brettspielen wieder zunimmt, wo sind sie dann?

Da wo sie immer mehr Käufer tummeln: im Internet. Der Spieleladen wird daher sein Geschäft künftig auf den Onlinehandel beschränken. Auch wenn ich das sehr bedauere, so kann ich die Kunden doch verstehen. Bei gängigen Spielen geht es nicht um ein bis drei Euro, die sich bei einer Internetbestellung einsparen lassen, sondern um wesentlich mehr.

Aktuelles Beispiel dafür ist das Spiel des Jahres 2006: Thurn und Taxis. Im Laden lag der Super-Sonderangebotspreis bei 25 Euro. Das gleiche Spiel lässt sich bei amazon.de für 14,99 bestellen. Ein Preisunterschied von 10 Euro! So locker kann das Geld nicht sitzen, als das einem die Differenz egal wäre. Bei aller Solidarität mit dem Einzelhandel erscheint doch das Einkaufsverhalten der Menschen nachvollziehbar.

Niemand sollte jetzt aber die Schuld beim Einzelhändler selber suchen, denn der stet auch unter einem enormen Kostendruck. Die Ladenmiete will verdient sein, die Gehälter für Aushilfen müssen bezahlt werden – eine lange Liste von Posten, die den Preis eines offline verkauften Spiels in die Höhe treiben.

Abschließend noch zwei Randbemerkungen. Der Preis für das Spiel des Jahres mag sicherlich ein Lockangebot sein – aber nicht nur. Eine Stichprobe bei bei amazon und anderen Onlinehändlern ergab, dass sich auch bei anderen Spielen erheblich sparen lässt, wenn diese online gekauft werden. Selbst dann, wenn die Versandkosten berücksichtigt werden. Im Bereich Zubehör für Sammelkartenspiele gibt es bei Produkten im einstelligen Preisbereich Unterschiede von bis zu 1,50 Euro.

Letztendlich sind am Niedergang des Fach- und Einzelhandel auch die Mietpreise schuld. Überzogene Staffelmieten sorgen dafür, dass vielen Händlern das Wasser bis zum Hals steht. Gerade in diesem Jahr ließ sich in vielen deutschen Innenstädten ein „Massensterben”, eine deutlich Zunahmen von Geschäftsaufgaben beobachten – erwischt hat es auch eingesessen Unternehmen. Für die freigewordenen Ladenflächen wird nur in den seltensten Fällen ein längerfristig bleibenden Nachmieter gefunden.

10 Replies to “Ausgespielt”

  1. … wie sagte der alte Henry Ford mal – „ich muss die Auto´s so bauen und meine Leute so bezahlen, dass sie ihr eigenes Produkt kaufen können“ (o.Ä.)

    Das letztere ist den Bach runtergegangen und bei dem geistigen Niveau a la „Geiz ist Geil“ wird es auch in unserem Ländle nicht besser werden.

    Ich hab mir letztlich eine Digitalkamera gekauft und vor einigen Jahren noch eine Analoge. Locker 50,- – 100,- € über dem Onlinepreis (hab mich natürlich vorher umgeguckt), aber das war mir (zugegebenermassen nicht ganz) egal. Denn
    a. hab ich bei Problemen und Beratung einen direkten Ansprechpartner und
    b. hasse ich Ramschläden in unserer Stadt, den die haben wir anstatt der Fachgeschäfte nun reichlich …

  2. Nebenkosten für Personal und Miete müssen in den Preis einkalkuliert werden. Onlineshops arbeiten da weitaus effektiver. Ich kann nur jedem kleinen Spieleladen empfehlen, seine Ware zusätzlich über das Internet anzubieten.

  3. „Ich kann nur jedem kleinen Spieleladen empfehlen, seine Ware zusätzlich über das Internet anzubieten.“ Da bin ich mir recht sicher, dass die genauso wie in der realen Welt von den „Großen“ geschluckt werden. Das zusätzliche Angebot im Internet (neben dem im Laden) steigert vielleicht die Kundenanzahl, vermindert aber nicht die entstehenden Kosten. Von daher wird der Händler seine Preise im Internet auch nicht konkurrenzfähig machen können, ohne dabei Verlust zu machen. So seh ich das. Und jetzt kommt ihr…

  4. Durch eine größere Kundenzahl erhöht man auch seinen Umsatz. Mit ein wenig Verhandlungsgeschick kann man eventuell schon seine Einkaufskonditionen verbessern. Ebay ist sicher auch eine gute Plattform um seine Restposten loszuwerden.

  5. Da bin ich mir recht sicher, dass die genauso wie in der realen Welt von den “Großen” geschluckt werden.

    Gerade beim Spielzeug ist die Konkurrenz und der Preiskampf noch nicht so groß wie z.B. bei Heimelektronik.

  6. Aber seien wir doch mal ehrlich, wenn ich das gleiche Produkt bei einem anderen Händler günstiger bekommen kann, dann ist es mir doch egal, ob es ein kleiner Einzelhändler oder ein riesen Verkaufshaus ist. Und da die „Großen“ nunmal mehr Spielraum bei den Preisen haben, wird der „kleine Mann“ immer das Nachsehen haben.

  7. Solidartät mit kleinen Einzelhändler, die nicht unwichtig ist, hört, wie ich versucht habe in meinem Artikel zu skizziern, an einem ganz bestimmten Preis auf. Wer 50 Prozent mehr für das gleiche Produkt zahlt, handelt ökonomisch unvernümpftigt. Sich, auch darüber lässt sich debatieren. Fakt ist aber, dass die breite Käuferschicht es sich schlicht nicht leisten kann, so viel zu zahlen.

  8. Ich muß Thomas recht geben. Man muß immer einen kompromiß zwischen Vernunft und Überzeugung erreichen.

    Klar möchte ich den billigen Preis vom Onlinehändler bezahlen, aber ich will auch gut beraten werden.

    Fakt ist, daß die Berater in den großen Ketten oft überfordert und unterbezahlt sind. Online gibt es gar keine Berater. Beim kleinen Einzelhändler werde ich meist perfekt beraten.

    Beim Preis sieht es anders aus. Hier ist meistens der Online Händler am günstigsten. Durch die Versandkosten fallen allerdings auch 50% wieder raus. Der Einzelhändler kann oft problemlos mit den Preisen der Ketten mithalten, da sie in den meisten Fällen preislich deutlich über ihm liegen. Ausgenommen die Lockangebote aus den Prospekten, die aber ebensolche sind. Die teuersten sind meistens die Ketten wie MediaMarkt und Saturn.

    Für mich liegt zumindest im Elektrobereich der Einzelhändler somit an der Spitze. Er berät mich umfassend und weist mich darauf hin, wenn ich auf einem Irrweg unterwegs bin. Ich kann die Geräte begutachten und der Händler ziemlich gut abschätzen, ob der Kompromiß, den jedes Gerät darstellt für mich tragbar ist. Und ich kann in den meisten Fällen noch recht gut mit im verhandeln, denn er will natürlich auch den deal machen. Besonders im Hifi und Fotobereich habe ich da erstklassige Erfahrungen gemacht. Außerdem kommen die Händler gerne mal zu mir nach hause zum ausprobieren oder geben mir eine Teststellung, das kann sonst keiner.

  9. @cozmic
    Stimmt !! Die Kamera (Nikon D 70 s) hat beim Einzelhändler mit Objektiv 649,- € kosten sollen :-), der ortansässige „Ich bin doch blöd“-Markt wollte sage und schreibe 798,- € haben !! Noch Fragen ??

  10. Hm… Mag ja sein, dass dies in Großstädten der Fall ist (was für mich auf Grund des Konkurrenzdaseins eine Erklärung wäre) aber was unsere Gegend hier angeht, so kann ich mit 100%iger Sicherheit behaupten, dass jeder größere Discounter, Elektrohandel etc. günstiger ist, als ein kleines Fachgeschäft. Wie gesagt, kann an unserer Stadt liegen und muss nicht überall der Fall sein. Zumal ich diese Situation in der eigenen Familie erlebe (Vater Einzelhändler)

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren