Empathie

Ein todkranker Mann fragt seinen Arzt, wie lange er noch zu leben hat. Darauf der Arzt:

Es wäre unnötig, wenn sie jetzt noch einen neuen Handyvertrag abschließen würden.

Das hat mit Empathie wenig zu tun, vermittelt aber in etwa das Gefühl, dass einige der Siemens/BenQ-Mitarbeiter am Donnerstag gehabt haben werden. Von der Insolvenz ihrer Firma erfuhren sie aus dem Radio.

Der Untergang der Handysparte eines der größten deutschen Traditionskonzerne ist ein sehr trauriges Kapitel Wirtschaftsgeschichte. Vor gut einem Jahr verkaufte Siemens seine defizitäre Handysparte an den taiwanesischen Konzern BenQ. Wobei „verkaufte” eigentlich unzutreffend ist, denn in Wahrheit zahlte BenQ nichts, sondern bekam noch 250 Millionen Euro für die Übernahme.

Den Mitarbeitern wurde zugesagt, dass die Standorte in Deutschland erhalten würden. Zur Sicherung ihrer Arbeitsplätze hatten die Mitarbeiter zudem auf 28 Prozent ihres Lohnes verzichtet und weitere Zugeständnisse gemacht. So wie es zur Zeit aussieht, war das alles vergeblich – 3.000 Arbeitsplätze werden damit auf einen Schlag wegfallen.

Ob dafür jetzt Siemens oder BenQ die (moralische) Verantwortung tragen, ist für die betroffenen Familien zweitrangig. Das sich das Siemens-Management trotz schlecht laufender Geschäfte erst vor kurzem eine Gehaltserhöhung von 30 Prozent genehmigt hat, wird auch wohl kaum noch jemanden überraschen, so sehr haben wir uns schon an die Selbstbedienungsmentalität gewöhnt.

Schade, dass vielen Managern nicht klar ist, dass Führen bedeutet, Vorbild zu sein. Oder um es mit dem Alten Fritz zu sagen: Ein Manager ist der erste Diener eines Unternehmens.

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