Öl ins Feuer

Auf den ersten Blick ist es wohl schwer zu verstehen, was einen so intelligenten Menschen wie Joseph Ratzinger, immerhin Oberhaupt der katholischen Kirche, dazu getrieben hat in seiner Rolle als Papst Benedikt XVI. ein solches Zitat von sich zu geben:

Zeig’ mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du, so sagt er, nur Schlechtes und Inhumanes finden. Wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten. Der Kaiser begründet, nachdem er so zugeschlagen hat, dann eingehend, warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist.

Papst Benedikt XVI. verwendete diese aus dem 14. Jahrhundert stammende Zitat im Rahmen eines Vortrags an der Universität Regensburg

Es gibt nun mehr einige Stimme, die anmerken, dass ein Zitat nicht zwangsläufig bedeutet, dass der, der es verwendet, der Aussage des Zitates zustimmt. Unbestritten ist das in erster Linie natürlich richtig. Wer zum Beispiel über die menschenverachtende Politik der Nationalsozialisten referiert und darin ein Zitat von Adolf Hitler unterbringt, wird je nach Kontext, nicht in den Verdacht geraten, mir der Politik des Dritten Reiches zu sympathisieren.

Der entscheidende Punkt hierbei ist jedoch der Kontext des Vortrages und die Vita des Vortragenden. So betrachtet wäre das Einzige, was Ratzinger vorzuwerfen ist, eine gewisse Blauäugigkeit. Er hat nicht bedacht, wie empfindlich Muslime, besonders derzeit, auf jegliche Äußerungen gegen ihren Glauben reagieren.

Kritik am islamischen Glauben ist momentan wie Öl, dass ins Feuer gegossen wird und führt zur Verschärfung der bestehenden Konflikte. Insofern, und dass ist die Ironie an dem Zitat, trifft es, ob bewusst oder unbewusst beabsichtigt, einen wahren Kern.

Dieser allerdings liegt nicht im islamischen Glauben selber, sondern an dem Verhalten der westlichen Welt, welches dazu geführt hat, dass sich die Menschen mit islamischen Glauben mit dem Rücken zur Wand stehend fühlen.

Aus ihrer Sicht stehen sie unter ständigen Verdacht. Dabei ist das keine Einbildung, sondern Tatsache, wie die um sich greifende Islamphobie in den USA aber auch in Europa zeigt. Hier ist der Papst als Diplomat und Politiker gefragt, der es schafft zwischen den unterschiedlichen Religionen als Vermittler aufzutreten. Die Autorität dafür hätte er.

Der Besuch des Papstes in der Türkei dürfte auf jeden Fall sehr spannend werden. Eins jedoch sollte er jedoch nicht machen: Sich für sein Zitat pauschal zu entschuldigen, denn das wäre ein Kniefall, für den er in der westlichen Welt an Autorität verlieren würde. Was er tun kann, ist für Verständnis zu werben und dafür einzutreten, dass Kritik an einer Religion und ihren Institutionen erlaubt sein muss – mitunter wird ihm das sogar noch schwerer fallen, denn im Umkehrschluss trifft dies auch für die Kritik an der katholischen Kirche zu.

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