Post aus Jordanien

Post aus Jordanien

Aus aller Welt eMails und SPAM-eMails zu bekommen, ist für den durchschnittlichen Netzmenschen nichts besonders – wobei bei den meisten der prozentuale Anteil der SPAM-eMails deutlich höher als der Rest liegen dürfte. Echte Postkarten gibt es nur in Ausnahmefällen. So zum Beispiel, wenn die lieben, aber leider lästigen, Verwandten im Urlaub sind und an die daheim gebliebenen die neusten Wetternachrichten durchgeben.

Auch gibt es eine Erwartungshaltung an einen, selber Karten mit wenig aussagekräftigen Motiven selbst noch aus der schlimmsten Urlaubshölle zu verschicken. In der Prosa der Postkarte wird selbst das letzte Kaff zum idyllischen Paradies.

Bevor ich jetzt weiter abschweife, kommen wir lieber zur im Titel angesprochenen Post aus Jordanien. Es war keine SPAM-eMail, sondern tatsächlich eine Postkarte zum anfassen, mit Briefmarke und Stempel drauf. Gemeinhin kennen weder Nadine noch ich jemanden aus Jordanien. Auch hält sich dort niemand aus der Verwandtschaft aus (obwohl, wächst da vielleicht auch Pfeffer…).

Unterschrieben war die Karte von Chris und Dagmar. Ganz ehrlich: wir kennen die nicht. Im auf die Karte geschrieben Text fanden sich aber zumindest ein paar Hinweise, die es einfacher machten, ein annähernd zusammenhängendes Bild zu konstruieren. Chris und Dagmar sind nämlich auf einer Weltreise per Fahrrad, wie sie uns auch auf ihrer Webseite, deren URL dankenswerter Weise auf der Karte zu finden war, www.worldwheeling.de mitteilen.

Gut, wird sich jetzt der Leser fragen, viele Leute sind auf Weltreise (und ein paar davon haben sicher auch eine Webseite) und trotzdem bekommt ihr nicht von all denen eine Postkarte. Das ist eine eine nicht unberechtigte Anmerkung.

Der Schlüsselbegriff zur Aufklärung war MISEREOR Spendenanktion, in deren Rahmen wir für den ausgiebigen Urlaub von Chris und Dagmar gespendet haben sollen. Auch wenn das jetzt keiner glauben wird, ich habe noch nie für MISEREOR gespendet. Mich hat es zwar gewundert, daß ich schon zweimal eine Spendenquittung bekommen habe, aber dabei gedacht (außer Ablage P und weg damit) hatte ich mir nie was. So langsam werde ich aber neugierig, ob es sich nur um eine Verwechselung handelt (schwierig, weil in Bielefeld und Umkreis der Name Boley genau einmal vorhanden ist) oder ob da jemand in unserem Namen spendet.

Wenn letzteres der Fall sein sollte, gibt es dann noch eine weitere Frage: Warum zum Henker bekommt MISEREOR das Geld und nicht wird? Nicht, das ich dringend ein neues Brot brauchen würde, aber nett wäre es trotzdem.

Ach, bevor ich jetzt vergesse, möchte ich mich natürlich noch ganz herzlich bei Chris und Dagmar für die Karte bedanken – trotz des wenig aussagekräftigen Motivs, daß ein wenig an „ London bei Nach zur Zeit eines Stromausfalls” erinnert.

4 Replies to “Post aus Jordanien”

  1. Hallo!

    Da melde ich mich doch gleich mal selbst zu Wort: Richtig sind derzeit auf Radweltreise. Und die Karte aus Jordanien hast Du bekommen, weil jeder, der 10 EUR oder mehr fuer unsere Spendenaktion (sudanesische Fluechtlingskinder in Aegypten) gibt, auf unsere Kosten eine Karte zugeschickt bekommt. Warum Du auf der Adressliste (haben die von Misereor bekommen) standst, obwohl Du keinen Heller gegeben hast, ist uns ein Raetsel. Spende doch einfach 10 EUR und alles ist wieder im Lot ;-) Details siehe unsere Homepage.

    Viele Gruesse,
    Chris

  2. 10 Euro für eine Postkarte! Mensch, das reicht doch für einen Wocheneinkauf bei Aldi. Als Arbeistloser sehe ich mich nicht dazu in der Lage, die Weltreise anderer zu finanzieren.

    Wobei der Trick ja gar nicht so übel ist: Postkarten verschicken und dann den Leuten ein schlechtes Gewissen machen – so wie die fußgemalten Weihnachtskarten, die es Anfang Dezember immer gibt.

    Mit ironischen Grüßen,

    tboley

  3. Hallo!

    Auch wenn Du Dich drüber lustig machst, ist uns die Spendenaktion durchaus ernst, denn die sudaneischen Flüchtlinge hilft keine Ironie sondern nur ernstgemeinte Hilfe weiter.

    Viele Grüße,
    Chris

  4. Mal abgesehen davon, dass ich mich in meinem Blog grundsätzlich über alles lustig mache (und machen darf): Ich halte solche Aktionen für völlig fehlgeleitet. Den Menschen dort helfen keine solchen Spendenaktionen. Was passiert denn, wenn die Gelder ausbleiben? Endet dann der Schulbesuch?

    Für mich sind Spenden nichts anderes als eine moderen Form des Ablasshandels. Wer wirklich helfen will, der macht das vor Ort, in dem er mit anpackt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren