Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Ostfriesland ist auch ohne Urlaub Balsam für die Seele. Platt kann an der Küste aber nicht nur die Sprache sein.

Plötzlich Platt

Räumen wir zu Beginn mit zwei Missverständnissen auf. Die Zeitangabe „plötzlich“ muss relativieren. Wenn ein Gebrauchs- und eigentlich Verbrauchsgegenstand 30 Jahre alt ist, kann man bei seinem Ableben nicht von plötzlich sprechen. So etwas ist absehbar.

Wie man aus den vorherigen Worten bereits vermuten kann, geht es bei Platt nicht um den Dialekt hier oben in Ostfriesland, sondern um einen Zustand. Fangen wir aber ordentlich und der Reihe nach an.

Mein schwarz-blaues Trekkingrad ist mittlerweile 30 Jahre alt. Bisher hatte ich damit nie einen platten Reifen. Allerdings muss man dazu sagen, dass das Fahrrad eine ganze Zeit lang ungenutzt im Fahrradkeller gestanden hat. Der tatsächlich springende Punkt an der Stelle ist jedoch: Mantel und Schlauch sind auch 30 Jahre alt. Selbst bei geringem Verschleiß hätte ich beides eigentlich spätestens nach meinem Umzug nach Emden und der absehbaren intensiveren Nutzung des Fahrrads austauschen lassen sollen. Habe ich aber nicht. So kam es dann gestern so, wie es kommen musste. Ein Ausflug zum Großen Meer endete an der Uphuser-Klappe. Der Hinterreifen war platt. Ich hab nicht mal mitbekommen, irgendwo reingefahren zu sein. Möglicherweise ist das Loch auch sehr klein und es dauerte etwas, bis die Luft komplett raus war.

Zu Fuß mit dem Fahrrad

Normalerweise in so einem Fall wäre das kein Problem gewesen. Wenn es wirklich so lange dauert, bis der Reife platt ist, kann man ihn wieder aufpumpen und den kürzesten Weg nach Hause einschlagen. Dummerweise nahm ich gestern meine kleine Luftpumpe ausnahmsweise mal nicht mit — ich hatte ja extra die Halterung für die Lenkertasche montiert und wollte nur die Kamera mitnehmen.

So ging es dann zu Fuß wieder nach Hause. Zahlreiche Fahrradfahrer kamen mir dabei entgegen, aber niemand fragte, ob er helfen können. Gut, ich hab auch niemanden angesprochen, weil ich nicht wusste, ob einmal aufpumpe für den Rückweg überhaupt gereicht hätte. Wie dem auch sei, zu Hause dauert es dann über drei Stunden, bis die Luft nach dem Aufpumpen wieder voll raus war — allerdings ohne Belastung durch mein Körpergewicht.

Früher reparierte ich meine Fahrräder bei einem Plätten selber. Allerdings ist das bereits Jahrzehnte her und ich habe zudem Respekt vor der Kettenschaltung. Also muss das Rad zum Profi. Das führte bei gestern zum wilden Kopfkino. Bereits meine Frau konnte für das Nachstellen ihre Schaltung beim keinem Emder Fahrradhändler einen kurzfristigen Termin bekommen.

Albträume von der Reparatur

Morgen werde ich dann zuerst bei dem Laden anrufen, wo wir schon eine beträchtliche Summe Geld gelassen haben. Für Wartungen, Zubehör und insgesamt drei neue Räder. Hier befürchte ich allerdings, eine Absage zu bekommen. Mich beschäftigte das so sehr, dass es mich heute Nacht in meinen Träumen verfolgte. Eigentlich ist das für einen Profi nur eine Sache von maximal 10 Minuten. Auf jeden Fall wäre ich sehr angefressen, wenn man mich mit der Reparatur im Regen stehen lässt, aber gleichzeitig einen Sonderservice für Urlauber anbietet.

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