Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Abstraktes Lernen

Demonstrieren gegen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung ist wie für die Abschaffung von Feuerwehrautos zu sein.

Für eine Vielzahl von Menschen ist abstraktes Lernen ein Problem. Sie benötigten korrekte Beispiele oder Situationen für ihr Verständnis.

Unbegreifliches begreifen

Den heute erneut stattfindenden Corona-Demonstrationen kann man sich auf unterschiedliche Weise nähern. Mir fällt es nicht leicht, das Unbegreifliche zu begreifen. Es ist mir ein Rätsel, wie es bei einer ganzen Reihen von Menschen zu einem geistigen Totalausfall kommen konnte. Selbstverständlich gibt es auch unter den Demonstrieren notorische Nörgler, aber auch sehr dubiose selbst ernannte Anführer wie den Reichsbürger mit Kochlöffel, Attila der Hungerkönig.

Die Frage, wem die Corona-Krise nützt, kann man auch in die andere Richtung zurückgeben. Urheber von Verschwörungen profitieren nämlich selber. Aber das wäre ein anderes Thema. Mich beschäftigen diejenigen, die noch zu retten sind. Die Mitläufer, die versehentlich von Weg abgekommen sind. Weil sie die Einsamkeit in den eigenen vier Wänden nicht mehr ertragen, weil sie 15 Jahre Merkel für genug halten — oder was auch immer.

Meiner Theorie nach, siehe Einleitung, gibt es Menschen, die mit Abstraktion ihrer Schwierigkeiten haben. Covid-19 sieht man. Zumindest nicht, wenn man selber nicht betroffen ist oder jemanden nahesteht, der infiziert wurde. Der Virus bleibt etwas Abstraktes, unbegreifliches. Wer demonstriert, demonstriert daher aufgrund des eigenen nicht verstehen Könnens. Das trennt diese Gruppe der Demonstrierenden von denen, die nicht verstehen wollen. Bei Letzteren ist ehedem Hopfen und Malz verloren.

Vorsicht vor der 19

Vorsicht vor der 19

Wie wird Abstraktes sichtbar?

An dieser Stelle möchte auf die Art und Weise eingehen, wie ich selber lerne. Auch ich habe Probleme, Abstraktes zu begreifen. Ich sehe das an diesem Wochenende wieder ganz gut am Beispiel von Spielregeln bei Brettspielen. Allein das Lesen des Regelhefts funktioniert bei mir nicht. Ich brauche das aufgebaute Spielbrett, das Material vor mir, was ich anfassen kann. Begreifen als haptisches Erlebnis führt zum Verständnis. Bei Sekigahara löst sich das Brett vorm Kopf hinsichtlich der Regeln durch den Aufbau des Spiels.

Das hört sich nachvollziehbar und logisch an, muss aber ergänzt werden. Zum einen lässt sich nicht alles im Leben durch korrekte Beispiele lernen. Einiges von dem, mit dem wir konfrontiert werden, sollte uns erspart bleiben. Daher lernen wir recht früh, auf die Aussagen anderer zu vertrauen. Belegbares Wissen ist eine wichtige Option.

Dass ein Sprung aus 100 Meter Höhe tödlich ist, muss ich nicht selber ausprobieren. Ein Kind lernt Vorsicht vor einer heißen Herdplatte auf die eine oder andere Art. Durch schmerzhafte Selbsterfahrung oder aber durch Vertrauen dadurch, dass die Eltern mit der Warnung recht haben. Oder aber durch Abstraktion und Rückschlüsse. Das Wasser im Topf auf der angeschalteten Herdplatte fängt an zu kochen, also muss die Herdplatte heiß sein.

Defizit im Lernen

Auch wenn ich immer wieder das Konkrete benötig, um Dinge zu begreifen, gibt es genügend andere Situationen, wo ich auf das vertraue, was andere fundiert von sich geben. Alles grundsätzlich infrage zu stellen ist meiner Meinung nach kein tragbares Modell für eine Gesellschaft. Hier kommen wir dann zum springenden Punkt.

Wer gegen sinnvolle Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung demonstriert, demonstriert meiner Meinung nach gegen den gesellschaftlichen Zusammenhalt an sich. Die Mitläufer haben offensichtlich Defizite im Denken. Würden sie nämlich ihre Position zu Ende führen, kämen sie vermutlich selber darauf, was nicht stimmt. Vielleicht reichte es sogar aus, zu sehen, wer rechts und links von ihnen mit marschiert auf der Demo. Es profitieren diejenigen, die gemeinhin als Feinde unsere Demokratie bezeichnet werden können.

Abschließend noch mal zurück zum abstrakten Lernen und den Problemen damit. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein nicht unbedeutender Teil der Demonstranten zu Hause bleiben würde, wenn sich die ersten Leichensäcke mit an Covid-19 Verstorbenen auf den Bürgersteigen stapeln. Bei manchen fehlt einfach die Fähigkeit, abstrakt zu lernen oder alternativ auf die Erfahrung das Wissen anderer zu vertrauen.

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