Nevsky Ersteindruck

Nevsky Ersteindruck

Mit dem Spiel Nevsky hat GMT Games möglicherweise wieder einen strategischen Leckerbissen im Programm. Der Ersteindruck ist in jedem Fall vielversprechend.

Historischer Hintergrund

Ein interessanter Nebeneffekt bei Spielen von GMT Games ist die Auseinandersetzung mit Geschichte. Ein überwiegenden Teil der Spiele des Herstellers hängt thematisch nicht in der Luft, sondern hat einen ziemlich korrekten Bezug. Der Spielmechanismus folgt dem Thema, nicht umgekehrt. Bei Nevsky ist es nicht anders. Aus gutem Grund liegt dem Spiel auch ein umfangreiches Heft mit dem historischen Hintergrund bei.

Im Kern dreht es sich um die Zeit zwischen 1240 und 1242. Russland bestand aus einer Reihe von Fürstentümern und sah sich mehrere Aggressoren gegenüber. Aus Süden drängten die Mongolen ins Reich, im Norden fielen Dänen und Schweden ins Land. Aus dem Westen kam der Deutschritterorden im Verbund mit dem Schwertbrüderorden. Sie schlossen sich zum Livländischen Orden zusammen.

In der Schlacht auf dem Peipussee (5. April 1242) gelangt einem russischen Heer, angeführt vom Nowgoroder Fürsten Alexander Newski, die Expansion des Livländischen Orden zu stoppen. Bei Licht betrachtet bietet das dunkle Mittelalter ziemlich fesselnden Stoff.

Das Spiel Newvsky ist für zwei Spieler konzipiert. Einer übernimmt die Deutschen und Dänen, während der andere die russischen Fürsten ins Feld führt. Der Autor Volko Ruhnke hat die Thematik in ein neues Spielkonzept überführt.

Belagerung bei Nevsky
Herman in Schwierigkeiten

Kalender bei Nevsky

Herzstück des Konzeptes bei Nevsky ist der Kalender. Er reicht vom Sommer 1240 bis zum Rasputiza 1942. Rasputiza? Das ist die berühmt-berüchtigte russische Schlammperiode im Frühjahr und Herbst, die schon einigen Kriegsführern ihr Geschäft erschwert hat. Jede Jahreszeit ist dabei unterteilt in zwei 40 Tage umfassende Abschnitte. Dazu gibt noch Anmerkungen zu den historischen Ereignissen, die interessierte Spielerinnen und Spieler im Detail im Begleitheft nachlesen können.

Die beide im Krieg liegenden Parteien sind auf die Dienste ihrer Gefolgsmänner und deren Truppen angewiesen. Allerdings stehen sie nicht dauerhaft zur Verfügung. Das wird entsprechend im Kalender festgehalten und lässt sich durch Ereigniskarten oder Bezahlung in Form von Silber oder Kriegsbeute beeinflussen. Hungernde Truppen führen dazu, dass ein Vasall früher als geplant seinen Dienst quittiert.

Theoretisch kann sich ein Vasall zu einem späteren Zeitpunkt wieder dem Feldzug anschließen. Aber es gibt Fälle, wo er dauerhaft aus dem Spiel ausscheidet. Die Spieler sollten daher den Kalender im Blick behalten, denn er ist einer der Schlüssel zu Sieg.

Der zweite wichtige Aspekt ist die Art und Weise, wie und wo man seine Gefolgsmänner einsetzt. Ihre Marschrouten werden genau so durch die Jahreszeit beeinflusst wie die Größe ihres Heeres. Die besten Truppen nützen nichts, wenn sie hungernd auf eine gut verteidigte feindliche Festung treffen.

Eine Handvoll Eindrücke

Hinter mir liegt bisher der erste Durchgang des Regelstudiums und die Durcharbeiten des Spielbeispiels. Dazu habe ich noch eine Solo-Partie absolviert, bei der ich noch ein paar Regelfragen für mich klären konnte. Wie bei vielen Spielen von GMT muss man die Anleitung wirklich genau lesen. Kein Detail ist einfach nur so im Regelheft enthalten.

Aber bereits die erste, etwas holperige Solo-Partie zeigt mir, was in Nevsky steckt. Wirklich kompliziert ist die Mechanik nicht. Dafür verlangt einem das Spiel spannende Entscheidungen ab. Nach zwei furiosen Eroberungen von Handelsrouten sind meine Dänen in Neva hängen geblieben. Trotz ihrer erfolgreichen Eroberungen waren sie nicht in der Lage, ihre Vorräte aufzustocken. Die Truppen meuterten. Die dänischen Prinzen Knut und Abel versicherte mir ihre erneute Unterstützung in 120 Tagen, bevor sie sich in ihrer Heimat zurückzogen. Ein zu langer Zeitraum für meine Kampagne.

Das brachte dann Hermann I. von Buxthoeven in Schwierigkeiten. Fest hatte er auf die beiden Prinzen zur Entlastung seiner linken Flanke gesetzt. Jetzt musste er die Belagerung von Isborsk abbrechen und sich in aller Eile vor den herannahenden Truppen von Domash Tverdislavich zurückziehen.

Nevsky spielt sich genau so, wie es hier in den Sätzen anklingt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren