Jahrestag im Schnelldurchlauf

Jahrestag im Schnelldurchlauf

Ein Jahrestag ist immer ein Anlass zum Rückblick. Man begehet ihn in Gedenken, darf aber auch den Anlass kritisch hinterfragen.

Staufenbergs Erbe

Heute vor 75 Jahren, am 20. Juli 1944, platzierte Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Führerhauptquartier Wolfsschanze eine Bombe. Ziel war es, Adolf Hitler zu töten, um Deutschland zu retten. Das Attentat misslang, Hitler überlebte mit leichten Blessuren. Die Verschwörer ließ er im Schnelldurchgang aburteilen und hinrichten. Als Nachgeborener ist es unsere Pflicht, den Widerstandskämpfer Respekt zu zollen. Legitim ist es aber auch, ihre Motive zu hinterfragen.

Für mich ist das Datum etwas, was aufmerken lassen sollte. Der 20. Juli ist, ehrlich gesagt, ein verdammt später Zeitpunkt für ein Attentatsversuch. Es liegt schon fast etwas Opportunistisches darin, denn zu dem Zeitpunkt lief es für Deutschland längst nicht mehr gut. Dass es mit dem Land kein gutes Ende nehmen würde, konnte man ohne hellseherische Fähigkeiten absehen.

„Es lebe das heilige Deutschland!“, soll Stauffenberg bei seiner Exekution gesagt haben. Seinen Einsatz möchte ich nicht schmäler, aber zu bedenken geben, was drei Jahre zuvor ebenfalls im Juli beschlossen wurde. Die Endlösung der Judenfrage wurde nicht zum Anlass eines Attentats von einer aristokratischen Oberschicht, wohl aber die drohende militärische Niederlage.

Mit allen Ehren wird den Widerstandskämpfern diese Tage gedacht. Vergessen wird dabei ein Mann, der 1939 ganz alleine versuchte, dem Nationalsozialismus den Kopf abzuschlagen. Johann Georg Elser erkannte frühzeitig, welche Gefahr von Hitler drohte. Auch eher hätte einen offiziellen Jahrestag verdient.

Jahrestag zur Erinnerung
Jahrestage zur Erinnerung

Jahrestag der Mondlandung

Der Jahrestag des Attentats ist dennoch definitiv wichtig und richtig. Ein ganz anderes Kaliber ist der Jahrestag der Mondlandung, die am 21. Juli 1969 stattfand. Das sind jetzt 50 Jahre her. Es gibt durchaus Menschen, für die die Mondlandung ein riesiger Schwindel ist. Inszeniert in einem Hollywoodstudio.

Teilweise sind sie deckungsgleich mit jenen, die auch Konzentrationslager für einen Mythos halten und mit Abscheu auf Männer wie Leser und Stauffenberg blicken. Aber das nur am Rande.

Mich persönlich erfüllt dieser 50. Jahrestag mit Schwermut und Trauer. Viel weiter als zum Mond sind wir Menschen nämlich bisher nicht gekommen. Vor 50 Jahren wurde ein Versprechen abgegeben, was bis heute nicht erfüllt wurde. Der Erdtrabant und andere Planeten sind heute ferner als noch in den 1960er Jahren. Die bemannte Raumfahrt nur noch ein Schatten von damals. Wir Menschen bleiben auf uns selbst zurückgeworfen, verbannt auf diesen Planeten Erde, den wir so trefflich verstehen zugrunde zu richten.

Der Weltraum, unendliche Weiten — heißt es in einer bekannten Science-Fiction Serie. Viel gesehen haben wir von der Weite noch nicht und wir sind als Menschheit auch nicht herumgekommen. Dabei böte die Raumfahrt eine enorme Chance auch zur internationalen Zusammenarbeit. Dran sollten wir morgen denken, wenn wir uns an den kleinen Schritt für einen Menschen und den großen für die Menschheit erinnern.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren