Briefe aus der Vergangenheit

Briefe aus der Vergangenheit

E-Mails sind schnell gelöscht und gehören von Natur aus eher zur Wegwerfkommunikation. Briefe dagegen haben eine ganz andere Bedeutung.

Vorsätze im Hochsommer

Normalerweise nimmt man sich Vorsätze am Anfang eines Jahres vor. Aber was ist schon bei mir normal? An einem der heissesten Tage des Jahres beschloss ich, mein Leben umzukrempeln. Beziehungsweise, nach vielen Jahren aufzuräumen und mich von Sachen zu trennen. Wenn wir ehrlich zu uns selber sind, sind viele Dinge eher Ballast denn Bereicherung. Mir fällt dazu immer Marley aus „A Christmas Carol“ von Chales Dickens ein. Der schleppt als Geist eine Kette hinter sich her, an der sein Leben lang geschmiedet hat.

Jedes Ding, was wir kaufen, was wir aufbewahren, wäre demnach ein Teil dieser Kette. Je mehr man hat, desto stärker schnürt es schon zu Lebzeiten. Es nimmt einem die Luft zum atmen.

Mein Vorsatz passt eigentlich ganz gut in den Hochsommer. Eine Zeit, wo man Luft in die Wohnung lässt, die Fenster aufhat und alles leichter wirkt. Leichter ist es dann auch, sich von Dingen zu trenne. Im kalten Winter kuschelt man sich in die warme Wohnung und glaubt dran, dass all die vielen Dinge in der Wohnung sie erst so richtig behaglich machen.

Eine Schachtel voller Briefe
Einer der Schachteln mit Erinnerungen

Handgeschrieben Briefe

Kommen wir aber zum Kern. Bei mir haben sich eine Menge handgeschriebene Briefe angesammelt. Nicht aus den letzten Jahren, so viel sei gesagt. Abgesehen von Weihnachtspostkarten stammen sie alle aus einer Zeit, als ich noch deutlich jünger war. Zum Teil hängt das mit der technischen Entwicklung ab, zu einem anderen Teil aber auch mit dem Inhalt der Briefe. Sie waren und sind etwas sehr persönliches.

Diese Briefe habe ich über all die Jahre aufbewahrt, ihn sie jemals wieder zu lesen. Vielleicht auch, weil ich mich ganz bewusst nicht erinnern wollte. Nach über 25 Jahren wurde es Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Das hat zu einem Teil mit dem Aufräumen zu tun, zu einem anderen Teil aber damit, dass es wirklich sehr persönliche Briefe sind. Außer mir und der jeweiligen Absenderin sollte die niemand lesen. Da ich nicht ewig lebe, kann ich das nur auf eine Weise verhindern.

Neben den Briefen, Postkarten habe ich auch meine alten Taschenkalender durch den Reißwolf gejagt. Jetzt fehlt nur noch ein Karton mit den Briefen einer Absenderin. Auch dazu werde ich mich durchringen müssen.
Was dann noch an Erinnerungen bleibt, trage ich im Herzen — oder so ähnlich. Die Briefe brauch ich nicht mehr. Und vielen von ihnen ist es sogar erleichternd, sich von ihnen zu trennen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren