IS-Kämpfer zurück nach Deutschland

IS-Kämpfer zurück nach Deutschland

US-Präsident Trump droht mit Europa mit der Freilassung ehemaliger IS-Kämpfer. Was zunächst verrückt klingt, hat gute Gründe.

Schwierige Sachlage

In Kriegs- und Heldenfilme fällt häufig der Satz „Wir lassen niemanden zurück“. Die Wirklichkeit sieht häufiger etwas anders aus. Da wird in erster Linie an das eigene Wohl gedacht. Verständlich, besonders dann, wenn das eigene Wohl das Wohl eines ganzen Staates ist. Es gibt sogar Situation, wo man Kombattanten zurücklässt, weil sie gar nicht für die eigene Sache gekämpft haben. Ja, vielleicht sogar gegen den Staat, der sie jetzt wieder aufnehmen soll, auf die eine oder andere Weise gekämpft haben. Aber der Reihe nach.
Es ist eine unverhohlene Drohung von US-Präsident, gerichtet vor allem an Großbritannien, Deutschland und Frankreich. Sie sollen die ehemaligen IS-Kämpfer, welche sich zur Zeit in kurdischer Gefangenschaft befinden, umgehend wieder aufnehmen. Andernfalls sähe man sich gezwungen, sie einfach frei zulassen.

Es brauchte nur einen kurzen Moment des Nachdenkens bei mir, bis ich wohl auch zum ersten Mal Donald Trump zustimmte. Meiner Meinung nach hat er nämlich in der Sache recht, wenn auch der Tonfall wie üblich zu wünschen über lässt.
Die IS-Kämpfer sind nicht einfach vom Himmel gefallen oder entspringen einer jungfräulichen Geburt, sondern sie hatten in den meisten Fällen mal eine andere Heimat, bevor sie sich der Terrororganisation Islamischer Staat anschlossen.

Fingerzeig für IS-Kämpfer
Fingerzeig für IS-Kämpfer

Rücknahme der IS-Kämpfer

In der Süddeutsche Zeitung gab es heute einen wie ich finde sehr um die Sache herum lavierender Heribert Prantl. Für mich sah es so aus, als ob er sich hinter Gesetzesauslegungen versteckt hat, um nicht zu weit aus der Deckung zu kommen. Tatsächlich ist das Ganze auch ein wahres Minenfeld. Holt man einen ehemaligen IS-Kämpfer zurück nach Deutschland, der dann dort einen Anschlag verübt, wird das Geschrei zu Recht groß sein. Was aber tun mit denen, die laut ihrer Staatsangehörigkeit Deutsche sind?

Prantl stellte heraus, dass niemanden so einfach die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen werden kann — aus gutem Grund, denn im Nationalsozialismus wurde diese Option perfide genutzt. Der deutschen Staatsangehörigkeit kann man aber verlustig werden, wenn man als Kämpfer in den Dienst eines anderen Landes eintritt, so Prantl. Dazu müsste man die IS-Terroristen tatsächlich als Staat anerkennen.

Für mich sind es juristische Winkelzüge. Meiner Meinung nach muss man sich zu erst die Frage stellen, was mit den Menschen (und das sind IS-Kämpfer trotz ihrer Taten und Verbrechen) geschehen soll. Man kann sie nicht nirgendwo lassen. Es ist auch verständlich, dass die Kurden sich darüber beklagen, sie würden erneut im Stich gelassen, diesmal mit der Inhaftierung der ehemaligen IS-Kämpfer.

Tickende Zeitbomben

Ja, auch ich kann meine Augen nicht vor der Gefahr verschließen, die von den ehemaligen IS-Kämpfern ausgeht. Sie sind tickende Zeitbomben. Im Übrigen um so mehr, je deutlicher man sie sich selber überlässt.

Deutschland hat an dieser Stelle Verantwortung. Nicht nur für die Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit, die unserem Land einst den Rücken kehrten. Sondern auch für den Rest von Europa und der Welt. Auch jeder Terrorist hat einen anständigen Prozess verdient.

2 Replies to “IS-Kämpfer zurück nach Deutschland”

  1. BIn ganz bei dir und hab mich auch kurz erschrocken, dass ich bei einem wie auch immer von Trump ventilierten Gedanken nicht in Fundamentalopposition gehen konnte.
    Dein letzter Satz „Auch jeder Terrorist hat einen anständigen Prozess verdient.“ trifft es ganz gut, wenn man das nicht als Privileg liest, sondern als Pflicht und Konsequenz.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren