Lissabon – Teil XX

Lissabon – Teil XX

Er schaute auf das Schild, das neben den Schließfächern hing. Solange konnte er unmöglich warten, ohne Verdacht zu erregen. Wahrscheinlich wurde er jetzt schon vom Bundesgrenzschutz beobachtet, die ihn für einen Erpresser oder Drogenkurier hielten. Er schlenderte in die Bahnhofshalle, vorbei an den Stehcafes. Vor einem Zeitschriftenladen blieb er stehen. Unschlüssig betrat er ihn. In der Ecke mit den Herrenmagazinen machte ein Trenchcoat Träger eigenartige Handbewegungen. Die Kassiererin lass gelangweilt im Express und schwängerte die Luft mit dem Rauch ihrer Zigarette. Überall hingen neben der Videoüberwachung Schilder, die dazu aufforderten, erst zu kaufen und dann zu lesen. Ignorant griff er sich eine Kochzeitschrift und blätterte darin. Ausgerechnet eine Kochzeitschrift.

Ich war ein Weihnachtsbaum

Ich war ein Weihnachtsbaum

Immer wenn ich in den letzten Tagen am kleinen Park in der Nähe unserer Wohnung vorbei gekommen bin, sind es wieder mehr gewesen, die dort schutzlos und nackt auf der Wiese lagen. Tannen, die sich vor wenigen Tagen noch Weihnachtsbäume nennen durften. Festlich geschmückt haben waren sie der Mittelpunkt in den Familien. Unter ihnen lagen die Geschenke, sie vernahmen jedes Lied, das gesungen wurde und jedes böse Wort und jeden Streit, der trotz des Festes der Liebe ausgetragen wurde. Wenn man ganz nah an die gefallen Bäume geht, fest die Augen schließt und sanft ihre toten Zweige streichelt, hört man sie ihre Erlebnisse leise flüstern.

Lissabon – Teil XIX

Lissabon – Teil XIX

Reisser zögerte den Moment der Antwort noch etwas hinaus. Die Verlogenheit seines Sekretärs widerte ihn an. Er wusste ganz genau, was Dondrus hinter seine Rücken plante. Natürlich war es auch Reisser nicht entgangen, das die Bibel fehlte, und er wusste ganz genau, was für ihn auf dem Spiel stand. Die anstehenden Termine liessen ihm aber Erstmal keine Zeit, sich eine Strategie zu überlegen. Einer der wichtigsten Termin war heute Nachmittag der Besuch der Bahnhofmission. Er wusste nicht mehr genau, wie lange sie sich schon in Köln um den Bodensatz der Gesellschaft kümmerte. War auch eigentlich egal, denn nach dem offiziellen Teil gab es ein Buffet, ausnahmsweise mal ohne Obdachlose.

Unverschämt und dreist

Unverschämt und dreist

Tage, da gehen einem die Flüche aus fangen so an wie der heutige. Da sitzt man unschuldig im Zug, während beim nächsten Halt plötzlich die Barbarei zusteigt. Während der Herzschlag langsam wieder normale Formen annimmt und die erste Wut kalt geworden ist, kann ich versuchen, meine Gedanken in Form zu gießen als Ersatz dafür, das sich mein gerechter Zorn nicht entfalten konnte.

Wenn ich ein gutes Buch lese, versinke ich fast vollständig darin, meine Umgebung nehme ich nur noch schemenhaft war. Um diese Versenkung während der täglichen Zugfahrt auch bei steigendem Lärmpegel zu erhalten, schirme ich meine Ohren durch die Berieselung mit leichter Hintergrundmusik von der Außenwelt ab. Zum Lesen ist das einfach fantastisch. Das ganze hat aber einen Nachteil, einen, der mir bisher in der Form nicht bewusst war. Mein sonst erhöhte Aufmerksamkeit auf die Umgebung ist nicht mehr vorhanden. Die einzigen Menschen, die in mein Bewusstsein dringen und auf die ich vorbereitet bin, sind die Zugbegleiter, die meine Fahrkarte sehen wollen. Alle anderen sind egal geht man doch von keiner zu erwartenden Bedrohung aus wie zum Beispiel im Straßenverkehr oder in der Fußgänger “ eh hast du mal nen Euro“ zone.

Vertieft in das Buch, welches ich heute angefangen habe zu lesen „Scipios Traum“ war ich dann auch nicht auf das gefasst, was sich nach dem Halt in Kamen abspielt. Das erste was ich bemerkte, war, dass jemand meine Tasche von dem sonst leeren Sitz links neben mir nahm, und sie auf den leeren Sitz gegenüber befördert, nur um sich dann selber auf den Platz zu meiner linken nieder zu lassen. Angemerkt sei dabei, das rings umher noch viele frei Plätze vorhanden waren. Mein Einwand, dass eine Frage vorher angebracht gewesen wäre, wurde damit abgebügelt, dass ich doch Kopfhörer aufhaben würde. Völlig aus meinem Buch herausgerissen wie aus einem schönen Traum fühlte ich mich völlig wehrlos und ausgeliefert, so dass mir auch kein passender Spruch mehr einfiel. Da von dem Barbaren zu meiner Linken auch widerliche Alkoholausdünstungen ausgingen, suchte ich mir einen anderen Platz – allerdings brachte ich noch den Hinweis auf den unerträglichen Gestank über die Lippen, was dem Mann wohl völlig egal war.

Was bleibt, ist einleeres Gefühl im Kopf und die Verzweifelung darüber, nicht zu wissen, wie man in solchen Situationen am besten reagieren sollte. Sicher, man sagt, der Klügere gibt nach. Das kann aber nicht auf Dauer gut gehen, weil die Welt dann wirklich Bald von der Unverschämtheit und Dreistigkeit solcher Barbaren bestimmt wird und im Chaos versinkt, wenn nicht rechtzeitig Grenzen gesetzt und Regelverstöße geahndet werden.

Lissabon – Teil XVIII

Lissabon – Teil XVIII

Entweder Köln oder Lissabon. Aber was sollte er in Lissabon ohne sein Gepäck, fragte er sich. Das gefundene Geld wäre kein Ausgleich. Die Bahnhofsuhr drängte sich in sein Blickfeld. Gnadenlos verstrich die Zeit, er konnte seine Blick nicht abwenden und fühlte sich gelähmt, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen oder eine Entscheidung zu treffen. Aus seiner Starre riss ihn eine scheppernde Dose und eine dazu passende Stimme, die um eine kleine Spende für die Bahnhofsmission bat. Ohne weiter darüber nachzudenken, stopfte er einen Schein in die Dose. Ein warmes Lächeln bedankte sich für die großzügige Spende. Das beste wäre wahrscheinlich, vor dem Schließfach bis zum Ablauf der maximalen Belegungszeit zu warten.

Winterpause

Winterpause

Die von mir eingelegte Winterpause geht zu Ende, der Seiten werden wieder mit täglichen neuen Texten gefüllt. Wobei es in es in der Winterpause trotzdem jeden Tag mindestens ein neuen Text zu lesen gab. Allerdings ist mir aufgefallen, dass die Reihenfolge der einzelnen Teile von Lissabon teilweise etwas durcheinander geraten waren. Das ist aber jetzt korrigiert. Da es insgesamt 21 Teile gibt, werden noch weitere folgen, auch wenn ich wieder ganz normal bloggen werde.

Für mich endet auch gleichzeitig mein Urlaub, was leider bedeutet, dass ich im Büro sitze und nicht Everquest spielen kann. Ein Trost ist es zu wissen, dass es auch anderen Spielern so geht.

Zwischen den Jahren sind mir ein paar Fehler in der aktuellen Version von bitEvolution aufgefallen. Diese werden in der neuen Version nicht mehr vorhanden sein (hoffentlich). Zusätzlich gibt es künftig auch die Möglichkeit, Unterseiten anzulegen und diese mit statischen von statischen Seiten aus zu verlinken. Mit der neuen Version gibt es auch eine kurze Anleitung, wie die bisherige Version gepacht werden kann. Das ist für diejenigen, die bereits mit bitEvolution arbeiten und nicht alles neu installieren wollen hoffentlich hilfreich. Die neue Version findet sich über den entsprechenden Link (bitEvolution) auf der rechten Seite.

Ein paar Links auf der rechten Seite habe ich verändert oder gelöscht. So ist zum Beispiel der Link zum SOCOM-Wiki verschwunden, da die Seiten nicht mehr aktualisiert sind. Neu hinzu gekommen ist der Link auf die deutschen EQOA -Seiten.

Lissabon – Teil XVII

Lissabon – Teil XVII

Aus den Augenwinkeln heraus betrachtete Dondrus seinen Dienstherren. Seine Augenränder und seine unreine Gesichtshaut verrieten ihn. Schon länger wusste Dondrus, womit sich Reisser nachts beschäftigte. Allerdings hatte er es noch nie zur Sprache gebracht, auch nicht gemeldet. Nur geschwiegen und sich überlegt, wie er sich Reissers Schwäche zu Nutze machen könnte. Schließlich wollte er nicht ewig nur Sekretär bleiben. Ohne es zu wissen, hatte Reisser neben seiner Triebhaftigkeit noch ein weiteres Problem, das ihn ernsthaft gefährden könnte. Seit drei Tagen fehlte aus dem Domschatz eine kostbare Bibel aus dem 17. Jahrhundert. Obwohl Dondrus sich nicht vorstellen konnte, dass Reisser etwas damit zu tun hatte, etwa um sein Nachtleben zu finanzieren, wollte er das Verschwinden des Kircheneigentums für seine Zwecke nutzbar machen. Er räusperte sich noch mal, um Reissers Aufmerksamkeit zu bekommen.

Lissabon – Teil XVI

Lissabon – Teil XVI

Anscheinend schien keiner der anwesenden Gäste sich an den Vorfall zu erinnern, was wahrscheinlich auch an der verbrauchten Menge an Bier zu liegen mochte. Möglichst unauffällig schlich er sich durch das dichte Gewühl. Draußen angekommen, holte er Erstmal tief Luft, als ihn etwas am Ärmel zog. Die Einladung auf ein Bier schlug er dankend aus. In den Taschen seiner Jacke fühlte er das frisch erworbene Geld, die Bibel und den Reiseführer. Ein Blick auf die Uhr erinnerten ihn daran, dass er nicht mehr viel Zeit hatte. Hastig ging er zum Bahnhof. Bei den Schließfächern angekommen, kramte er nach dem Schlüssel. Aber so oft er auch suchte, seine Hände fanden nichts. Wo war der Schlüssel? Auf dem Klo? Irgendwo unterwegs verloren? Fieberhaft dachte er nach. Noch zehn Minuten, bis sein Zug Köln verlassen würde – mit oder ohne ihn, der Fahrplan würde keine Rücksicht nehmen.

Lissabon – Teil XV

Lissabon – Teil XV

Nach dem er die Zeitungen überflogen hatte, rief er seine Sekretär zu sich. Dondrus war ein früh ergrauter Mitvierziger. Seine spitzen Lippen, sein feminin-herbes Gesicht und sein Stimme erinnerten Reisser immer an eine Gouvernante. Zu Reisser Bedauern verhielt sich Dondrus auch genau so. Seine Neigungen muste er deshalb vor den skeptischen Blicken seines Sekretärs verbergen. Schon oft hatte Reisser überlegt, ob er hl. Vater ihm bewusst diesen Sekretär zugewiesen hatte. Dondrus räusperte sich und unterbrach Reisser in seinen Gedanken. Wie immer ein Tagesablauf voll mit Terminen.

Lissabon – Teil XIV

Lissabon – Teil XIV

Den beiden Stimmen nach zu urteilen, war er nicht Thema des Tages. Eine der beiden Stimmen schien nicht ganz zielsicher zu sein. Wahrscheinlich zuviel getrunken. Er vernahm ein Fluchen. Anscheinend hatte die Stimme sich auf die Schuhe gepinkelt. Die andere Stimme schien amüsiert, plötzlich knallte etwas zu Boden und die Stimme war nicht mehr amüsiert sondern schrie die andere Stimme wütend an. Ausgerutscht! Beide Stimmen beruhtigen sich wieder. Nach dem die Männerstimmen gespült hatten und sich entfernten, schlich er sich aus der Kabine raus. Von jenseits der Klotür wimmerte ein Bass. In einer gelblichen Lache lag ein schwarzes Portemonnaie. Mit einem Einweghandtuch hob er es auf und wischte es ab. Der ehemaligen Besitzer schien keine Vorliebe für Kleingeld zu haben.

Lissabon – Teil XIII

Lissabon – Teil XIII

Etwas ausser Atem, schlich sich Reisser unerkannt durch die Hintertür rein. Er wollte sich erstmal ‚frisch machen‘, wie er es nannte, und dann mit seinem Sekretär den Tagesablauf durchsprechen. Hinter dem falschen Buch im Regal befand sich die Flasche mit dem Weinbrand. Nach einem kräftigen Schluck lies er sich in seine Sessel hinter dem Schreibtisch fallen und läutete. Auf dem Schreibtisch lagen wie üblich die Kölner Tageszeitungen und neben dem ‚Vatikan Observer‘ auch weitere überregionale Presse.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren