Wichteln für Anfänger

Wichteln für Anfänger

Die Einen hassen es, die Anderen können sich die Adventszeit nicht ohne vorstellen. Wichteln gehört zu den Bräuchen, die polarisieren.

Falsche Vorfreude

Als meine Frau vom geplanten Wichteln im Lehrerkollegium erzählte, habe ich mich zuerst ziemlich gefreut. Meine Vorstellung ging in die Richtung Schrottwichteln  — mir gab das die nicht unberechtigte Hoffnung, auf diese Weise ein paar der Brettspiele aus meiner Möhren-Kiste loszuwerden. Vielleicht hätte das den Empfänger sogar gefreut. Leider aber handelt es sich um ganz normales Wichteln. Ich muss dann wohl eine andere Lösung finden, um die Spiele aus der Wohnung zu bekommen — abgesehen vielleicht von wegwerfen.
Zurück aber zum eigentlichen Wichteln. Woher der Brauch tatsächlich kommt, ist mir im Prinzip egal. Wichtig beim Wichteln ist mir die persönliche Einstellung. Abgesehen vom Schrottwichteln finde ich das Ganze eigentlich eher verstörend als nett. Es sei denn, man mein „nett“.
Möglicherweise bin ich auch etwas traumatisierte aus der Schulzeit. Rollen wir das Mal auf. Die Grundidee ist ja im Prinzip, dass man nicht weiß, wer einen da beschenkt hat. Dazu gehört auch die fehlende Garantie in Bezug auf den Wert und den Sinn des Geschenks. Die Anonymität ist meiner Meinung nach eher eine Belastung als Hilfe.

Rote Ampel fürs Wichteln
Rote Ampel fürs Wichteln

Trauma durch Wichteln

Nur die ganzen Dummen bekommen nicht raus, wer sie bewickelt hat. Zumindest war das damals bei mir in der Klasse so. Leider verhielt es sich auch so, dass die beliebten Mitschüler natürlich die tollsten Geschenke bekamen. Dazu gehörte ich eindeutig nicht. Und natürlich geben die, die ein tolles Geschenk bekommen haben, damit an. Schwierig ist es auch, wenn man von den Eltern nicht genügend Taschengeld für ein angemessenes Geschenk bekommt.
Für mich ist Wichteln eher eine weihnachtliche Form des Spießrutenlauf. Darin wird sich vermutlich auch nichts mehr ändern. Anders sieht es mit der spaßigen Form, des bereits erwähnten Schrotwichteln aus. Aus der Sicht heraus Unbrauchbares zu verschenken, ist witzig. Vor allem dann, wenn der Empfänger sich darüber freut, weil er genau das Teil gebrauchen kann. Beim Schrottwichteln kann man auch niemanden böse sein — und Speermüll ist einfach zu groß, um in Geschenkpapier verpackt zu werden.
Im Übrigen ist das ankleben von Zetteln wie „Zu verschenken“ an Sperrmüll keine ganzjährige Form des Wichtelns, sondern einfach nur eine billige und bequeme Art der Abfallentsorgung auf Kosten anderer. In Köln und anderen Städte nimmt das gefühlt mittlerweile überhand. Selbst bei Büchern finde ich es nicht mehr großzügig, sondern einfach nur noch frech. Besonders dann, wenn eine ganze Kiste davon bei angekündigtem Regenwetter nach draußen gestellt wird. Da kann man das alles gleich direkt ins Altpapier werfen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren