Gartenzwerge statt Kunden

Gartenzwerge statt Kunden

Wenn man aus Kunden Gartenzwerge beziehungsweise berechtigte Kritik in Frage stellt, dann ist das schon mal eine Gegenrede wert.

Erfahrungshorizont eines Kunden

Das ich als Pendler nicht immer trotz einer bahn.card 100 zu Hundertprozent zufrieden bin, kann man recht gut hier im Blog nachlesen. Zudem reichen bei mir einfach die letzten 24 Stunden aus, um schlechte Laune zu bekommen. Gestern Abend hatte mein ICE nach Köln 10 Minuten Verspätung. Gründe dafür wurden nicht genannt. In Köln-Deutz erreichte ich gerade noch so die S-Bahn nach Nippes — die mir dann vor der Nase weg fuhr. Ich war 10 Sekunden zu spät. Die nachfolgenden Bahnen Richtung Nippes hatten dann mindestens 15 Minuten Verspätungen, so das ich über Umwege mit S-Bahn und Stadtbahn nach Hause gefahren bin. Insgesamt war ich dann 30 Minuten später als „normal“ zu Hause. Heute morgen gab es dann auf dem Weg nach Essen 20 Minuten Verspätung mit dem ICE.
Und wie erwähnt, das ist nur ein kleiner, wirklich sehr kleiner Ausschnitt meiner Erfahrungen. Es gibt meiner Meinung nach für mich durchaus berechtigte Gründe, nicht zu frieden zu sein mit der Performance der Bahn. In der Regel beschwere ich mich jedoch nicht lauthals und auch gegenüber dem Personal der Bahn bin ich stets höflich. Zwar sind Kunden auch nur Menschen, aber gleiches gilt auch für die Mitarbeiter der Bahn. Zudem kenne ich einen ehemaligen Mitarbeiter der Bahn recht gut — meinen Vater.

Gartenzwerge sind auch Kunden
stux / Pixabay

Gartenzwergigste Beschimpfungen

Bei allem Verständnis für die Bahn sehe ich es doch als Recht der Kunden an, sich über Verspätungen zu beschweren und von Unternehmen Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit einzufordern. Anders als für das Wetter haben die Kunden nämlich für die Bahn bezahlt. Wie ich ausgerechnet auf das Wetter kommen? Nun, das liegt an einem Kommentar von Josef Wirnshofer auf jetzt.de. Provokant formuliert er nicht nur die Überschrift, „Warum das Gemecker über die Bahn nervt“, sondern überspitzt das noch mal in der Sublime:

Es ist das Gartenzwergigste überhaupt, auf Zugverspätungen zu schimpfen!

Ehrlich, durch so was fühle ich mich angegriffen. Es hat rein gar nichts mit schadenfreudiger Wolllust zu tun, über die Bahn „zu meckern“. Der Tiefpunkt ist dann folgendes:

Mit der Bahn verhält es sich schließlich wie mit dem Wetter, dem Finanzamt oder Herpes. Jeder hat eine Meinung dazu, fast jeden berührt es irgendwie, und es ist denkbar niederschwellig, sich darüber aufzuregen. Das Gemecker, das dabei dann rauskommt, gehört zu den gartenzwergigsten und currywurstigsten Seiten der deutschen Seele.

Es ist denkbar billig, berechtigte Kritik auf diese Weise zu bashen. In dem ganzen Text von Josef Wirnshofer geht es auf diese Weise weiter. Null Verständnis für Kunden.

Wenn Nerven blank liegen

Auf Facebook konnte ich es mir dann nicht verkneifen, zum Beitrag der Süddeutsche Zeitung mit dem Link zum Text von Josef Wirnshofer einen Kommentar abzugeben:

Das Gartenzwergigste ist eher, kein Verständnis für die Menschen zu haben, die täglich mit der Bahn unterwegs sind. Wenn man mal mit der Bahn fährt, tut eine Verspätung vielleicht nicht so weh. Pendelt man beruflich unter der Woche (rund 100 km pro einfache Strecke), dann zehrt jede größere Verspätung an den Nerven.

Für meine Sichtweise habe ich dann einiges an Verständnis bekommen. Bei meinem Kommentar hab ich mich im Übrigen ziemlich zurückgehalten. Andere (mit Sicherheit ebenfalls) Kunden der Bahn waren da etwas härter und sprachen Herrn Wirnshofer ab, nicht regelmäßig mit der Bahn zu Fahren.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren