Auch du, ein Zylon

Auch du, ein Zylon

Die Geschichte der Menschheit könnte auch als eine Geschichte des Verrates gelesen werden — sie ist voll davon. Selbst in der Bibel findet Verrat statt. Der wohl wichtigste Verrat ist der von dem Jünger Judas an Jesus. Für 30 Silberlinge ermöglichte er die Festnahme von Jesus durch Tempelpolizei was letztendlich zur Verurteilung und Hinrichtung am Kreuz durch die Römer führte.

Theologisch spannend an diese Stelle ist die Frage, ob der Verrat von Judas von Gott gewollt war. Ohne da Werk von Judas wäre Jesus nichtamtlich Kreuz gestorben und hätte die Sünden der Menschheit auf sich genommen. Judas wäre demnach nur ein Werkzeug gewesen.

geralt / Pixabay

Wie dem auch sei, auch für Atheisten stellte sich die Frage, ob Verrat in unserer DNA liegt. Obwohl wirklich nicht anders können und Gelegenheiten, die sich bieten nutzen und anderem verraten um für uns einen Vorteil herauszuschlagen.

Der Verrat wurde in der Literatur, in Theaterstücken und auch in Filmen unzählige Male thematisiert. Deutlich seltener findet man Verrat in Brettspielen. Natürlich gibt es Spiele, wo der Verrat (bei Bündnissen) möglich und sogar Teil des Spiels ist. Als Klassiker wäre hier „Diplomacy“ zu nennen. Dabei handelt sich um ein Kriegsspiel mit starker Verhandlungskomponente. Auch die sogenannten 4X-Spiele schließen Bündnisse und Verrat andere Spiele bei eben solchen Bündnissen mit ein.

Eine recht junge Gattung bei den Brettspielen sind die sogenannten Semi-Kooperativen Spiele. Im Kernstück versuchen alle Spieler gemeinsam, das Spielziel zu erreichen um gemeinsam zu gewinnen. Allerdings gibt es unter den Spielern auch Verräter, die mehr oder weniger geschickt versuchen, durch Sabotage und Verrat genau das zu verhindern – weil sie in ihrer Rolle, die ihnen durch das Spiel zugewiesen wurde, nur gewinnen, wenn andere verlieren.

Gestern hatte ich die Gelegenheit, an einem solchen Spiel teilnehmen zu dürfen. Es ist die Adaption einer Fernsehserie namens „Battlestar Galactica“. Die Serie wiederum ist ein Remake der Fernsehserie Kampfstern Galactica Ende der 70er Jahren — dazu gab es dann als Auskopplung drei Filme. Im Original waren die Rolle recht deutlich verteilt. Auf der einen Seite die Roboter (Zylonen), auf der andere Seite die Menschen. Beim im Krieg gegeneinander verstrickt.

Diesen Krieg gibt es auch in der Neuverfilmung, allerdings mit einem Twist. Den Zylonen ist es gelungen Modelle zu erschaffen, die wie Menschen aussehen. Einige davon wissen nicht mal selber, das sie eigentlich Zylonen sind.

Beim Brettspiel Battlestar Galactica erhält jeder der bis zu sechs Spieler (am besten spielt es sich das meiner Meinung nach auf Grund des erheblichen Anteils sozialer Interaktion in dieser Anzahl) erhält verdeckt eine Loyalitätskarte, die nur er kennt. Entweder ist er ein Zylon oder ein Mensch. Bei sechs Spielern gibt es zwei potentielle Pylonen. Da zur Hälfte der Strecke zum Sieg noch mal Loyalitätskarten ausgeteilt werden (so das jeder jetzt zwei hat), kann sogar aus einem Menschen ein Zylon werden — das eigene Spielziel ändert sich dann plötzlich und man wird zum Verräter.

Raten, wer am Tisch ein Zylon ist genau so spannend wie sich die daraus ergebenen Paranoid. Man beobachte die Aktion und Reaktion der Mitspieler, um daraus Rückschlüsse zu ziehen. Wer sich verdächtig macht, löst in jeden Fall hitzigen Diskussion aus. Und manchmal beschuldigen sich zwei Menschen gegenseitig, Zylon zu sein während einer dritter — ob er der Zylon ist oder nur ein zusätzliches Spielziel hat, was er erfüllen muss?

Mir hat das Spiel enormen Spaß gemacht. Ich halte es auch für eine verdammt gute Umsetzung der Serie. Die Atmosphäre kommt perfekt rüber. „Battlestar Galactica“ steht damit meiner Meinung nach im deutlichen Kontrast zu ähnlichen Spielen wie beispielsweise „Secret Hitler“. Das Thema wirkt hier nur (vielleicht wurde es nur gewählt, um die Provokation Aufmerksamkeit zu erregen) angesetzt. Die Aktion der Spieler, die weder Reichskanzler noch Präsident sind, sind extrem eingeschränkt. Außer abstimmen ist man ziemlich passiv. Mit anderen Worte, das Spiel ist eher langweilig. Währen Battlestar Galactica zwar lang dauert aber extrem kurzweilig ist. Es sei denn, die eigene Spielfigur sitzt fast die gesamte Spielzeit in der Brick, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Ach ja und Verrat scheint sich auch bei Battlestar Galactica auszuzahlen. Die Zylonen haben gestern erneut den Sieg errungen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren