Disziplin oder alles

Disziplin oder alles

Auch heute wieder das Thermometer wieder über 30 Grad Außentemperatur anzeigen. Für uns damals als Schüler gab es bei solchem Wetter schon vor 12 Uhr Hitzefrei. Zumindest bis zu einschließlich der 10. Klasse kann ich mich dran erinnern. Was die Oberstufe angeht, weiß ich es ehrlich gesagt nicht mehr so genau. Entweder, weil es für die Oberstufe kein Hitzefrei gab oder weil die Sommer zu der Zeit nicht so heiß waren.

Heutzutage ist das mit dem Hitzefrei etwas anders, wie ich von meiner Frau erfuhr. Bis zur fünften Stunde wird auch dann noch unterrichtet, wenn es eigentlich zu warm ist. Auch in der fünften Klasse. Irgendwie kann ich das auch verstehen, denn Ganztagsunterricht muss für die Eltern in gewisser Weise auch verlässlich sein. Wenn die Schülerinnen und Schüler kur nach 12 wieder zu Hause auf der Matte stehen würden und die Eltern beide berufstätig sind, bringt das Probleme mit sich. Spaß macht Schule bei dem Wetter trotzdem nicht.

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Schule und Wetter haben aber darüber hinaus noch eine Gemeinsamkeit. Bei beiden Themen fühlt sich wirklich jeder berufen mitzureden. Jeder hat irgendwie eigene Erfahrungen und ganz bestimmt eine Meinung. Wobei eine Meinung nicht immer Hand in Hand geht mit fundiertem Wissen.

Wie dem auch sei, während ich das Wetter mehr oder weniger hinnehmen, nehme ich mir bei Thema Schule raus, mitreden zu können. Zu irgendwas muss das Studium gut gewesen sein.

Mit der Disziplin in der Schule ist es so eine Sache. Bei meinen Praktika in der Grundschule war es eher ein Randthema, was aber mit zwei Faktoren zusammenhängt. Zum einen ist das schon etwas länger her und zum anderen, so mein Eindruck damals, gab es in der Grundschule noch Respekt. Respekt der Schülerinnen und Schüler gegenüber dem Lehrer. Vielleicht ist das heute noch so, in den weiterführenden Schulen sieht es definitiv anders aus — wie ich aus zweiter Hand weiß.

Disziplin, Respekt und Autorität hängen für mich miteinander zusammen. Autorität als Lehrer kommt durch Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit auch im Lernstoff. Unsicherheiten spüren Schüler und nutzen sie aus — schon immer.

Respekt ist dabei meiner Meinung nach etwas, was man sich verdienen muss. Als Schüler hätte ich große Probleme, eine Lusche als Lehrer zu respektieren. Schwierig wird es auch, wenn ein Lehrer wie eine Gemüsesorte heisst und entsprechend körperliche Merkmale aufweist, zudem dann auch noch seine Emotionen kaum unter Kontrolle hat.

Wer als Lehrer über Autorität verfügt und auch noch respektiert wird, sollte es weniger schwer haben mit der Disziplin im Unterricht. Wobei „weniger schwer“ nicht bedeutet, einem würde alles in den Schoß fallen.

Fakt ist, solange der Unterricht läuft, ist alles in Ordnung. Probleme entstehen dann, wenn die Schülerinnen und Schüler außer Kontrolle geraten. Bedingt durch das Wetter, strenge Kollegen in der Stunde davon oder andere Faktoren. Dann muss man als Lehrkraft durchgreifen oder man geht hoffnungslos unter. Und wer als Lehrer im eigenen Unterricht untergeht, wiederholt untergeht, für den wird die Schule als Arbeitsplatz zur persönlichen Hölle.

All das ging mir durch den Kopf, als ich den Artikel über einen Lehrer las, der seinen Schüler nachsitzen ließ und dann wegen Freiheitsberaubung verurteilt wurde. Wirklich beurteilen kann man das nicht, denn es fehlt eine objektive Sicht auf den Vorfall selber. Es gibt die Darstellung der Schülerinnen und Schüler und die Aussage des Lehrers. Gesichert ist lediglich, dass er niemand absichtlich körperlich gezüchtigt hat. Es soll lediglich einen Vorfall gegeben haben, der mehr oder minder ein Versehen war (was aber trotzdem nicht passieren sollte). Was den Rest angeht, enthält das für meinen Geschmack zu viel Interpretationsspielraum. Beide Seite kann ich verstehen.

Wieder für Disziplin im Unterricht zu sorgen, ist keine leichte Aufgabe. Viel Spielraum hat man als Lehrkraft nicht und es wird besonders problematisch, wenn die verbleibenden Sanktionsmaßnahmen bei den Schülern nur zu einem Schulterzucken führen. Und ja, das ist kein Exklusivthema lediglich für Hauptschulen oder Gesamtschulen, nein auch Gymnasien können „Problemschule“ sein.

Notwendig ist ein abgestimmter Katalog von Sanktionsmöglichkeiten für den Fall der Fälle. Dazu muss meiner Ansicht nach ebenso Nachsitzen gehören wie Müll vom Pausenhof aufsammeln oder stumpfes abschreiben eines Textes. Mir gefällt auch der Begriff „Strafarbeit“. Strafe als Erziehungsmaßnahme? Darüber lässt sich diskutieren — solange es keine körperliche Züchtigung ist.

Das Schüler und Eltern in zunehmender Weise Lehrer verklagen, die lediglich ihren Job machen, ist ein gesellschaftliches Problem. Auf Dauer wird das dazu führen, dass niemand mehr so blöd sein wird, sich für die Schule als Arbeitsplatz zu begeistern. Lange Sommerferien hin oder her.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren