Standardabweichung

Standardabweichung

Nach über einem Jahr Pause war ich gestern wieder bei einem Zahnarzt. Den Termin hat meine Frau für mich besorgt, nach dem sie als erste die neue Praxis ausgetestet hat — die Zahnärztin ist eine Empfehlung einer Kollegin von ihr.

Selber bin ich mit dem Ausprobieren von neuen Ärzten immer sehr vorsichtig, eigentlich setze ich drauf, dass jemand anders vorher für mich testet, auf was ich mich da selber dann einlassen würde. Könnte man auch anders, ich weiss.

Wie dem auch sei, die Zahnärztin davor hatte ich mir selber ausgesucht. Anfänglich war das auch gefühlt in Ordnung, bis immer mehr Füllungen gemacht wurden. Wenn man wie ich einen nicht unwesentlichen Teil der Füllung selber bezahlt, weil die gesetzliche Krankenkasse nur Beton oder Amalgam übernimmt, kommt da schon was zusammen. Was aber medizinisch notwendig ist, sollte gemacht werden. Ausgestiegen bin ich dann beim Thema „Weisheitszähne“. Alle vier auf einmal ziehen lassen hielte ich nicht wirklich für notwendig. Zumal alle sich seit über zehn Jahren im selbe Zustand des „Durchbruchs“ befinden.

Abweichung Ahr-Venn-Weg
Abweichung Ahr-Venn-Weg

Bei der Kontrolluntersuchung gestern zeigten sich auf dem Röntgenbild vier kritische Stelle, wo sich Karies jeweils unter der Füllung gebildet hat. Erklärt wurde mir das mit der Tendenz von Kunstoff-Keramik-Füllung, zu schrumpfen. Nun, nach 17 Monaten würde ich so was allerdings noch nicht erwarten. Fakt jetzt ist leider, dass ich vier neue Füllung benötige. Füllungen, die nicht mal zwei Jahre alt sind.

Ob das wirklich dran liegt, dass ich an den Stellen nicht mit Zahnseide ran kam (weil die Zähne dort zu dicht aneinander stehen) oder aber weil nicht ordentlich gearbeitet wurde — schwierig zu beweisen.

Es fügt sich aber in das noch vom Wochenende im Kopf vorhanden Bild von der Nachlässigkeit andere Menschen, oder wie ich es beim Wandern gerne nenne: Standardabweichung. Diese ergibt sich nämlich immer dann zuverlässig, wenn an kritischen Stellen die Wegzeichen fehlen. Oder aber, mein neuer Favorit, wenn bei gemähten Wiesen rechts und links das Heu so verteilt wurde, dass man den Weg dazwischen nicht mehr sieht.

Im letzten Drittel sah ich in der Ferne eine rote Bank, machte davon auch ein Foto. Den Weg aber fanden wir nicht. Das Navi selber hatte sich schon eine andere Route ausgesucht und in diesem Fall hatte ich vorher vergessen, den eigentlichen Track zu hinterlegen. Als wir dann durchs Unterholz sollten, streikten wir und folgten dem gesunden Menschenverstand. Es wurde ein größerer Umweg daraus.

Es wäre wirklich zu begrüßen, wenn sich Wandervereine die für die Wege zuständig sind, auch um deren Erhalt kümmern. Ich weiss, das geschieht in der Mehrzahl wohl ehrenamtlich, aber es ist echt ziemlich nervend, wenn Schilder fehlen oder aber ein Weg so zugewachsen ist, dass man nicht wirklich durchkommt.

Nebenbei erwähnt: In der neuen Zahnarztpraxis hängen Fotos, die so aussehen als ob der Praxisinhaber sie selber beim wandern in der Eifel gemacht hätte — so was gefällt mir.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren