Früherkennung

Früherkennung

Zum Arzt gehe nur ungern. Eine Ausnahme bildet der Zahnarzt, solange er nicht vorhat, mir die Weisheitszähne zu ziehen. Ansonsten warte ich meistens so lange, bis ich mich mit dem Kopf unterm Arm in die Praxis schleppe.

Auch wenn es heisst, Männer seien wehleidig (was tatsächlich stimmt) werde ich das Gefühl nicht los, dass viele ähnlich wie ich Ärzte eher meiden. Zumindest ich versuche auch das Thema „Früherkennung“ möglichst in die hinterste Ecke meines Verstands zu verbannen. Möglichst verdrängen, auch die Vernunft eigentlich zu etwas ganz anderem rät. Insbesondere im Hinblick auf die eigene Familiengeschichte. Krebs ist ein Risiko, mit dem man nicht spielen sollte.

DarkoStojanovic / Pixabay

Der Tod meines Patenonkels liegt noch nicht lange zurück, er erlag einem Krebsleiden. Was er mir raten würde? Seine Stimme höre ich klar und deutlich. Und trotzdem liegt hier der Brief des Universitätsklinikum Düsseldorf neben mir, unbeantwortet.

Es handelt sich um eine Einladung zur Teilnahme an der PROBASE-Studie. Ziel ist „die optimale Anwendung des sogenannten PSA-Wertes für die Früherkennung von bösartigen Tumoren in der Prostata“.

Ausgewählt zur Teilnahme wurde ich zufällig über die Daten des Einwohnermeldeamtes, wobei ich das mit dem Zufall nicht so ganz glaube. Mein Onkel hat in Düsseldorf gearbeitet und ist auch dort zu den Ärzten gegangen.

Die Teilnahme, so heisst es, sei freiwillig und kostenlos. Ja, man bekomme sogar eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 20 Euro. Als ob es mir drauf ankommen würde.

Damit ich eine Entscheidung treffen kann, die nicht aus dem Bauch heraus kommt, muss ich mich vorher informieren. Informieren, obwohl mir wie gesagt die Auseinandersetzung mit dem Thema schwer fällt.

Ein Hinweis ist auf jeden Fall interessant. Normalerweise bekomme ich als gesetzlich Versicherter die Bestimmung des PSA-Wertes nur dann von der Krankenkasse bezahlt, wenn tatsächlich Beschwerden vorliegen. Ansonsten bleibt diese Methode zur Früherkennung eine individuelle Gesundheitsleistung. Als Teilnehmer an der Studie könnte ich ein kleines Stück dazu beitragen, das PSA-Screening zu einem Bestandteil der generellen ärztlichen Untersuchung zu machen — zumindest liest sich das so auf der Webseite.

Bisher üblich und von der Krankenkasse bezahlt ist lediglich die Tastuntersuchung. Nun ja, auch etwas, was ich mir ungern vorstelle.

Was mit frühzeitiger Bestätigung des vorgeschlagenen Termins genau gemeint ist weiß ich nicht — aber ein paar Tage benötige ich in jedem Fall noch für eine endgültige Entscheidung.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren