Sinnfreie Sommerzeit

Sinnfreie Sommerzeit

Es ist fast ein Ritual, ähnlich wie zu Sylvester „Dinner for one“ zu sehen. jedes Jahr aufs Neue rege ich mich — wohlwissend in guter Gesellschaft zu sein, über die Sommerzeit und die damit verbundene Umstellung der Uhren auf.

Die Folgen der Zeitumstellung spüre ich noch wochenlang, es geht eigentlich gegen meinen Biorhythmus. Das ist keine Einbildung, sondern so wie in der Süddeutsche Zeitung von diesem Wochenende zu lesen ist, eine gefestigte Tatsache. Der Mensch ist keine Maschine, die man einfach mit einem Fingerschnippen umstellen kann. Es gibt bestimmte Phasen am Tag, die seine Leistungsfähigkeit beeinflussen. Interessant fand ich auch die Statistik in der SZ, die einen mit Uhrenumstellung verbundenen signifikanten Anstieg von Herzinfarkten belegte. Sommerzeit kann also auch tödlich sein.

jarmoluk / Pixabay

Die Sommerzeit beschäftigt jedoch nicht nur den einfachen Bürger, sondern auch den Bundestag. Mitte diesen Monats wurde im Bundestag wurde vom Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag ein 200-seitiges Dokument vorgelegt, welches sind mit der Sommerzeit auseinander setzt. Die Bilanz der Sommerzeit, so der Titel des Berichts, lässt wenig gutes an der Zeitumstellung.

Die Umstellung führe zu Schlafstörungen und lasse damit die Unfallhäufigkeit ansteigen. Langschläfer würden besonders zu kämpfen haben.

Die Ursprüngliche Idee, mit der Sommerzeit Energie zu sparen, erweist sich laut Bericht als Märchen. Nicht belegbar ist zudem eine positive wirtschaftliche Bilanz. Auswirkungen auf den Tourismus durch den Umstand, dass es abends länger hell ist, lassen sich ebenfalls nicht nachweisen. Dem gegenüber stehen die bereits skizzierten negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen. Wobei hier unbedingt angemerkt werden muss, dass diese nicht dauerhaft sind. Ein paar Wochen nach der Umstellung hat sich der menschliche Körper tatsächlich angepasst. Verzögert eben und nicht magisch über Nacht.

Als Fazit kann man in den Raum werfen, dass die Sommerzeit nichts bringt, dagegen aber die negativen Folgen der Umstellung an sich überwiegen. Was zu meiner eigenen Überlegung passt. Entweder den Blödsinn komplett lassen oder aber dauerhaft die Sommerzeit belassen. Letzteres hätte für mich ganz persönlich sogar einen Mehrwert. Im Urlaub bin ich eher der Typ Langschläfer (für meine Verhältnisse ist 8 Uhr bereits ausschlafen), wandere aber gerne. Wander hängt neben dem Wetter auch von den Lichtverhältnissen ab. Und wenn es entsprechend abends eine Stunde länger hell ist, gewinne ich damit für eine Etappe eine komplette Stunde. Also rund 6 zusätzliche Kilometer.

Ganz so sinnfrei wie vermute ich die Sommerzeit also nicht. Beließe man sie dauerhaft, würde diese eine Stunde mehr Helligkeit auf das Jahr gerechnet einige Kilometer mehr ausmachen. Leider darf ich wie jeder andere Bürger auch nicht über die Abschaffung der Zeitumstellung entscheiden.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren