Geschnitten oder am Stück

Geschnitten oder am Stück

Meinen Daumen mag ich eigentlich. Genau so, wie auch die Finger an meinen Händen mag. Es sind, wie meine Frau gerne betont, schmale Finger, schlanke Hände. Pianisten Hände. Mit dem einzigen Unterschied, dass ich absolut gar kein Instrument spiele. Unterlagen wir aber den Schwenker auf die Musik, schließlich geht es um meinen Daumen. Genauer gesagt um den rechten Daumen.

Zur Beruhigung, er ist noch dran. Obwohl ich mir am Montag ernsthaft Mühe gegeben habe, wenn auch alles andere als absichtlich. Normalerweise würde ich über solche Unfälle nicht schreiben. Wobei, ich bin ein Mann und gehöre damit zur Kategorie „Wehleidige Lebewesen“. Außerdem tut es gut, wenn der Schmerz nachlässt und das Schreiben darüber betrachtet ich als ein Stück Therapie. Dazu aber später mehr.

pixa_VS4 / Pixabay

Vorher die Warnung: Empfindliche Naturen sollten ab hier möglicherweise nicht weiterlesen — der Hinweis ist an dieser Stelle vor allem für mich in ein paar Monaten gedacht, wenn ich den Vorfall hoffentlich weder vergessen habe.

Was passiert ist, lässt sich schneiden kurz schildern. Am Montag im Home Office wollte ich nur mal eben die Spülmaschine ausräumen (funktioniert zu Hause besser als im Büro, aber da gibt es auch noch andere Gründe für). Alles, wo „mal eben“ drin vorkommt, endet, wie wir wissen, grundsätzlich immer in der Katastrophe. Mal eben WordPress updaten — ohne Backup versteht sich. Führen wir das nicht weiter aus, es tut schon genug weh. Oder tat es zumindest.

Spülmaschinenbesitzer wissen es, räumt man Töpfe, Geschirr, Besteck, kleine Kinder und ähnliches aus der Maschine nach Ablauf des Programms heraus, sind die Sachen mitunter noch etwas nass. Möglicherweise hängt das von Tagesform des Spülers ab, war früher ohne Maschine ähnlich. Wohl wissend, wie bescheuert das eigentlich ist, trocknete man dann noch mit ein Geschirrtuch nach. Aber gut, heisst ja Spülmaschinen und nicht Trockner. Und auf die Idee, das nasse Geschirr in selbigen zu geben, bin ich bisher noch nicht gekommen – zum Glück.

In unserer Maschine jedenfalls befand sich unter anderem ein sehr scharfes,langes Fleischmesser. Auch noch etwas nass. Bei Gabeln, Löffel und normalen Frühstücksmessern habe ich ein Standardverfahren. Tuch drum schlage, einklemmen des Teils zwischen Daumen und Zeigefinger, so dass man Druck auf das Tuch ausübt und dann beherzt von unten nach oben ziehen. Noch nie was passiert. War ja auch bisher auf der linken Seit noch nie so eine scharfe Klinge. Die fiel dam im Übrigen zu Boden, begleitet von einem lauten Fluch meinerseits.

Ich und Blut, das ist tatsächlich eine Geschichte voller Missverständnisse. Wobei, in der Regel bekomme ich davon wenig mit, denn ich neige dazu, einfach ohnmächtig zu werden. Zumindest bin ich häufig nahe dran. Es hat etwas gedauert, ein passendes Pflaster zu finden und es war auch noch ein zweites nötig, bis die Blutung einigermaßen gestoppt war. Angesehen habe ich mir die Wunde heute morgen zum ersten Mal, nach dem ich die anderen Pflaster immer blind gewechselt habe.

Es scheint ein gutes Schmerzgedächtnis zu sein, was ich habe. Den Moment am Montag kann ich mir mühelos wieder ins Bewusstsein rufen. Funktioniert leider auch ohne mein Zutun sehr gut.

Ein Trost habe ich zumindest. Die Verletzung ist eigentlich, wenn man die Wehleidigkeit abzieht, nicht wirklich groß (tat halt nur schweinisch weh). Andernfalls stände nämlich auch die Frage im Raum, ob das denn nun ein Arbeitsunfall gewesen wäre oder nicht. Ist im Übrigen auch eine gute Frage, wie das bei Menschen im Home Office betrachtet wird.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren