Hamburg gegen Olympia

Hamburg gegen Olympia

Es ist schon ein komisches Land, dieses Deutschland. Da schafft es eine Stadt wie Hamburg bei einer Abstimmung, mehr als 50 Prozent der Bürgerinnen und Bürger an die Urne zu bekommen und trotzdem wird wieder gemeckert. Diesmal weil man beim Referendum, ob Hamburg sich als Austragungsort für die Olympiade 2024 bewerben sollte, nicht einverstanden ist.

Vielleicht sollten sich die enttäuschten und sogar entrüsteten Befürworter der Bewerbung ja andere Bürgerinnen und Bürger suchen. Oder so lange abstimmen lassen, bis ihnen das Ergebnis gefällt.

PublicDomainPictures / Pixabay

Fakt ist, die Mehrheit der Hamburger ließ sich nicht für das Großereignis Olympia begeistern, sind also nicht „Feuer und Flamme“. Man kann das als Niederlage oder Rückschlag bezeichnen. Andere Folgerungen sind aber durchaus auch legitim. So kann es tatsächlich sein, dass die zeit für Großveranstaltungen à la Olympia einfach abgelaufen ist. Weniger aus Angst vor Terroranschlägen sondern eher aus einfachem Desinteresse. Ein Desinteresse, was sich auch auf die Skandale im Sport zurückführen lässt. Saubere Spiele, hat es die wirklich jemals gegeben?

Ein Referendum nach dem Zeitpunkt, wo sich das Sommermärchen der Fußball WM 2006 als Lügenmärchen herausstellte, ist mutig. Mutig, weil die Stimmung absehbar gekippt ist. Menschen lassen sich gerne unterhalten aber ungern für dumm verkaufen.

Wirklich ausschlaggebend für die Ablehnung der Hamburgerinnen und Hamburger, zumindest meiner Meinung nach, dürfte etwas ganz anderes gewesen sein. Dort oben im Norden kann man rechnen. Oder hat es zumindest mittlerweile wieder gelernt.

Man muss als Befürworter einer Olympia-Bewerbung schon ziemlich fremd sein in Hamburg oder aber glauben, das Desaster rund um den Bau der Elbphilharmonie wurde keine Rolle spielen, wenn man nächste Großprojekt zur Abstimmung frei gibt.

Machen wir uns nichts vor, wenn eine Stadt Austragungsort für die olympischen Spiele wird, zieht das eine Unmenge an Bauprojekten mit enormen Kosten nach sich. Zahlen darf dafür in der Regel der Steuerzahler.

Das Ergebnis des Referendums gestern kann daher auch folgendes zum Ausdruck bringen: die Mehrheit hat einfach die Schnauze voll von Großprojekten, die auch in Bezug auf die Kosten aus dem Rahmen laufen. Darüber kann man traurig sein. Oder man applaudiert den Bürgerinnen und Bürgern in Hamburg für ihre Weitsicht.

Wozu jedoch niemand das Recht hat: den Wählerinnen und Wählern die Fähigkeit abzusprechen, eine durchdachte Entscheidung getroffen zu haben, so wie das Hamburgs Sportbundchef Jürgen Mantell lauft Spiegel online getan hat:

Das war keine rationale Entscheidung, sondern eine aus dem Bauch heraus.
Quelle: Spiegel online

Herr Mantell hätte besser geschwiegen, denn so wird sein mangelhaftes Demokratieverständnis für alle sichtbar.

2 Replies to “Hamburg gegen Olympia”

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren