Witwer für einen Augenblick

Witwer für einen Augenblick

Manchmal passieren einem tagsüber furchtbare Dinge, die man wieder schnell verdrängt. Mir geht es so, meiner Frau ebenfalls. Lange nach dem Abendessen, öfter sogar erst am nächsten Tag kommt dann dieser typisch einleitende Satz „Habe ich dir eigentlich schon erzählt…“

Heute Morgen wurde er von meiner fortgesetzt mit den Worten „das ich gestern fast überfahren wurde?“

Die Geschichte dahinter ist schnell erzählt. Eine bedrückend alltägliche Situation. Als Fußgänger wartet man an einer Ampel auf Grün, schaut nach rechts und links, denn sicher ist sicher. Schließlich überquert man die Straße. Bei meiner Frau kam jedoch in diesem Moment ein Wagen von links mit hoher Geschwindigkeit angeschossen, obwohl er rot hatte. Knapp hinter meiner Frau fuhr er vorbei, sie spürte den Luftzug im Rücken.

WikimediaImages / Pixabay

Morgens, irgendwo in Köln-Buchheim auf dem Weg zur Schule. Keine Zeugen. Wäre sie einen Augenblick später über die Straße gelaufen, wäre ich jetzt Witwer. Meine Frau, überfahren von jemanden, der es besonders eilig hatte. Oder dem Regeln aus Prinzip egal sind.

Nicht mal gebremst oder gar angehalten hatte der Fahrer, nach dem es fast zum Unfall gekommen wäre. Meine Frau hat sich ziemlich erschreckt. Und mir geht es auch immer noch nicht besonders gut bei dem Gedanken, was da fast passiert wäre.

Vermutlich wäre das Auto auch bei einem Zusammenstoß einfach weitergefahren. Fahrerflucht. Zeugen gab es ja nicht. Entsprechend auch niemanden, der meiner Frau hätte helfen können. Selbst wenn sie den direkten Zusammenstoß überlebt hätte, die Chance hätten sehr schlecht gestanden.

Als Fußgänger steht man immer am Ende der Nahrungskette im Straßenverkehr. Trotz Bürgersteige, Zebrastreifen (deren Streifen eigentlich um 90 Grad gedreht sein müssten) und Ampeln — man übersieht uns gerne. Nicht nur Autofahrer machen uns das Leben schwer, sondern auch Radfahrer. Gerade hier in Köln, wo der Bürgersteig in beiden Richtungen nichts anderes ist als ein Radweg.

Meiner persönlichen Meinung nach müsste es ein generelles Tempolimit von 30 km/h in geschlossenen Ortschaften geben. Zudem Kontrolle und rigorose Strafen — für alle, versteht sich. Also auch für Fußgänger, die meinen, eine Rote Ampel sei lediglich eine Handlungsempfehlung.

One Reply to “Witwer für einen Augenblick”

  1. Die Strafen gibt es ja und die sind auch hoch, nur wo soll das Personal her kommen, um all das zu kontrollieren. Es geht nur Stichproben artig, aber wenn es passiert, bin ich der erste, der Lacht.

    Ich hatte das mal. Ich bin ja auch ein Radfahrer und bin, damals habe ich in der Abendschule noch mein Abi nachgeholt, nachts nach Hause gefahren. Im Prenzlauer Berg halten sich die Radfahrer an keine Ampel, könnte ja zwei Sekunden länger dauern. An dem Abend stand dann aber die Polizei versteckt in einem Park an einer dunklen Stelle und haben an die Kollegen die Radfahrer durchgegeben, die bei Rot über die Ampel sind. Ich habe das mitbekommen, weil ich an Ampeln stehen bleibe ;) – und eine Minute später habe ich die alle überholt und innerlich nur darüber gelacht ;)

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren