Radweg, dein Freund und Helfer

Radweg, dein Freund und Helfer

Im Alter von vier Jahren bekam ich mein erstes Fahrrad, mit Stützrädern. Das ist jetzt 40 Jahre her. Seit dem kann ich mich Fahrradfahrer nennen, auch wenn die aktive Tätigkeit deutlich abgenommen hat. Und dabei habe ich nicht mal ein Auto.

Ein Fahrrad, das wurde mir zum ersten Mal bewusst, als ich ohne Stützräder fahren konnte, bedeutet Freiheit. Man ist mobiler als zu Fuß, kommt schneller irgendwo hin. Gerade am Niederrhein, wo ich groß geworden bin, ein nicht unwesentlicher Faktor. Freiheit beim Radfahren bedingt auch, keine Angst zu haben. Mit Stützrädern ist man noch in einer Übergangsphase, da man gerade lernt, sich auf zwei Rädern zu bewegen. Später lernt man die Angst wieder kennen. Nämlich dann, wenn man auf andere, motorisierte Verkehrsteilnehmer trifft.

Hans / Pixabay

Die ganzen Jahren in Wesel bin ich fast unfallfrei gefahren. Es gab nur einen wirklich richtig hässlichen Sturz, allerdings ohne Fremdbeteiligung und zudem hervorgerufen durch eigene Dummheit. Wer bei Regenwetter mit einem Schirm in der Hand auf dem Fahrrad unterwegs ist und auch noch einen Plastiktüte am Lenkrad hat, dabei eine Brücke hochfährt, hat es nicht anders verdient. Erwischt hat es mich zum Glück auf dem Fahrradweg.

Fehlende Radwege und Radwege, die von Autofahrer dazu benutzt wurden, um im Straßenverkehr rechts zu überholen, waren es dann während meines Studiums in Bielefeld, die mir das Fahrradfahren ein großes Stück verleideten. Hätte ich in Münster studiert — aber da sind wir dann bei der Steinbrückschen Fahrradkette.

Mit dem Umzug nach Köln vor über fünf Jahren wurden die Karten neu gemischt. In der Anfangszeit nutze ich relativ intensiv Call-a-bike. Nach dem wir die Wohnung in der autofreien Siedlung bezogen, bekam man Fahrrad, welches noch in Bielefeld untergestellt war, einen Platz im Keller. Verbunden war das mit der Hoffnung, jetzt noch mehr auf zwei Rädern unterwegs zu sein.

Tatsächlich fahre ich jedoch, seit dem wir autofrei wohnen in Köln, wieder weniger Fahrrad. Nach einer Ursache dafür muss ich nicht lange suchen, es ist recht einfach. In Nippes sieht das mit den Fahrradwegen nämlich anders aus als im Agnesviertel. Dort musste ich nur ein kleines Stück auf Radwegen fahren, bevor ich völlig ohne Straßenverkehr durch den Grüngürtel hinter dem Mediapark radeln konnte. Gut, es gab immer mal wieder Stress-Situation auf dem Weg dorthin, abbiegende Autos, parkende Autos auf dem Radweg, Abschnitte, bei denen man vor lauter Schlaglöchern den Asphalt nur noch erahnen konnte. Im Großen und Ganzen fühlte ich mich jedoch auf Fahrradwegen aufgehoben. Man kann sie verbessern, sicher, aber sie sind aus meiner Sicht notwendig. Aus meinen Erfahrungen heraus glaube ich nicht daran, dass Auto- und Fahrradfahrer als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer agieren oder agieren werden. Auf dem Rad ist man immer der Unterlegene.

Die aktuelle Entwicklung in Köln sehe ich daher äußerst kritisch, auch wenn sie vom Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) nicht nur begrüßt, sondern explizit gewohnt ist. Die Benutzungspflicht für Radwege wird abgeschafft, man spricht sogar davon, dass das System der Radwege ausgedient habe (Süddeutsche Zeitung vom 05.11.2015). Die Alternative ist mir nicht geheuer. Keinen abgegrenzten Bereich mehr zu haben, den Autos schutzlos ausgeliefert zu sein — mich hält das vom Fahrrad fahren ab. Mit meiner Angst vor dem Autoverkehr stehe ich mit Sicherheit nicht allein auf weiter Flur. Eltern mit Kindern müssten eigentlich auch ein großes Interesse an Radweg haben. Stehen diese nicht zur Verfügung, wir auf den Bürgersteig ausgewichen, gerne auch entgegen der eigentlich Fahrtrichtung. Das wiederum gefährdet die Fußgänger, insbesondere dort, wo die Wege zu schmal sind.

Meiner Meinung nach führt an einem ausgebauten Radwegenetz auch in Großstädten wie Köln kein Weg vorbei. Alles anderen gefährdet die Sicherheit der Fahrradfahrer. Wenn man überhaupt über so was wie Shared Space nachdenket, lässt sich das nur über eine radikale Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit in Innenstädten verwirklichen. Maximal 30 Stundenkilometer. Aber so was ist eine Illusion. Zumal in Köln, wo gerne auch mal in Spielstraßen mit 50 Sachen durchgefahren wird.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren