40 Jahre YPS

40 Jahre YPS

YPS-Hefe wecken bei mir eine Vielzahl von Erinnerungen. In der Familie waren sie immer heftig umstritten. Wobei das eher die halbe Wahrheit ist. Mein Vater hielt die Hefte für Schund und es gab daher nie Geld für ein YPS mit Gimmick. Mich dagegen sogen die Gimmicks immer wieder in den Bann, auch wenn längst nicht jede Beilage so funktionierte, wie sie sollte.

Pif Gadget, die französische Vorlage von YPS, entsprang aus einem kommunistischen Jugendmagazin. Wäre meinem Vater das bekannt gewesen, hätte er mir YPS vermutlich freiwillig gekauft. So musste ich es mir selber kaufen, aber genau dafür gab es kein Taschengeld. Das war nämlich an gewisse Auflagen gebunden. Zum meinem Glück hatte ich einen Großvater, der mich mochte und mir immer wieder Geld zusteckt. Zufälligerweise an n von YPS. So kaufte ich mir das Heft mehr oder weniger heimlich, nur manchmal fiel ich mit ein paar zu auffälligen Gadgets auf. Ein Solarzeppelin lässt sich aufgeblasen schwer verstecken.

Die Comics im Heft fand ich eher mäßig bin langweilig, mir ging es wirklich nur um die Gimmicks. Sie versprachen tolle Erfindungen, wichtige Ausrüstung für Privatdetektive, Außergewöhnliches oder Überlebenskits, die ich als 10-Jähriger natürlich unbedingt brauchte. Die Sonderausgaben mit einem noch tolleren Gimmick, wie der Edelsteinschleiftrommel, waren ein Pflichtkauf für mich.

An einige der Gimmicks kann ich mich noch ziemlich gut erinnern.
Die mexikanischen Springbohnen (Laspeyresia saltitans) habe ich bis zu ihrem viel zu frühen Ableben geliebt — und abends in eine mit Watte gefütterte Schachtel zum schlafen gelegt. Der Eierbaum, ein regelmäßig um Ostern herum erscheinendes Gimmick, hat dagegen bei mir nie geblüht und Früchte getragen. Dafür waren das Fotopapier super, aber viel zu schnell aufgebraucht.

Dann gab es da noch ein Barometer, für das man als wichtiges Teil ein Frauenhaar benötigte. Meine Mutter spielte da nicht mit, so dass ich mir selber ein paar Haare abschnitt. Ein paar Woche sah man noch die Lücke. Funktioniert hat das Barometer leider nicht. Kristalle auf einem kleinen Stein züchten dagegen schon. Genau so wie Gasdruckrakete.

Aus meiner Karriere als Geheimagent oder Privatdetektiv wurde trotz zahlreicher Gimmicks aus dem YPS-Heften merkwürdigerweise nie etwas.

Mittlerweile gibt es eine Neuauflage von YPS, die sich an Erwachsene (Männer) richtet. Für mich kommt diese jedoch nicht an den Charme der alten Hefte heran. Lieber behalte ich YPS genau so, wie ich es noch in Erinnerung habe — und wünsche „Herzlichen Glückwunsch“ mit viel Wehmut.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren