Spieler auf Beutefahrt

Spieler auf Beutefahrt

Gestern gab es ja so ein 25-jähriges Jubiläum, auch wenn nicht allen Bürgerinnen und Bürger angesichts des Datums zum jubeln war. Und als Protestant rege ich mich immer noch darüber auf, dass dafür einer der wenigen evangelischen Feiertage zum regulären Arbeitstag wurde. Schwamm drüber, es gibt andere Themen. Vor allem andere Chancen für einen kleinen Rückblick.

In diesem besonderen Fall sind es jedoch nicht 25 Jahren, sondern gute 28 Jahre. So lange sammle ich nämlich schon Brettspiele. Wobei „sammeln“ bei mir ein etwas dehnbarer Begriff ist. Systematisch bin ich dabei noch nie vorgegangen. Gekauft wird, was verlockend aussieht und einen guten Ersteindruck hinterlässt. Manchmal kommen dabei richtigen Möhren bei raus, gut erinnere ich mich an den einen oder anderen Fehlkauf auf der Essener Spielemesse.

geralt / Pixabay

Es gab auch Jahre, in denen ich weder neue Spiele gekauft noch auf der Spielemesse gewesen bin. Ergebnis einer gewissen Sättigung und fehlenden Gelegenheiten. In anderen Jahren konzentrieren sich meine Frau und ich auf Magic the Gathering oder Warhammer 40k.

Wie dem auch sei, ein nicht unerheblich Teil des Grundstocks unserer nunmehr gemeinsamen Sammlung (ich habe die quasi als Aussteuer mit in die Ehe gebracht) basiert auf Trödel- und Flohmärkten — bei Gelegenheit kann mir mal jemand den Unterschied erklären.

Spiele werden gerne zu Weihnachten oder Geburtstagen verschenkt, aber nicht immer kann der Beschenkte damit etwas anfangen. Nicht selten landen die Spiele dann ungespielt unter Wert auf dem Flohmarkt. Scotland Yard, mit zwei fehlenden Teilen für damals eine Deutsche Mark. Klar habe ich das fies runtergehandelt auf diesen Preis, wohl wissend, dass man bei Ravensburger kostenlos Ersatzteile bekam.

Andere Schnäppchen waren Hase und Igel, oder aber bereits in Köln für fünf Euro Dominion. Heute, beim Flohmarkt im Bürgerzentrum Ehrenfeld interessierte mich eigentlich nur eine Erweiterung für das Herr der Ringe Brettspiel von Kosmos. „Die Feinde“ hatten wir noch nicht, lediglich die ältere Ausgabe des Basisspiels und die Sauron-Erweiterung.

Die freundliche Damen am Stand teilte mir dann leider mit, sie würde die Erweiterung nur zusammen mit dem Basisspiel verkaufen. Nun ja, ich fragte nach dem Preis. Unverschämte fünf Euro wurden genannt, für beides zusammen. Zehn Sekunden später wechselten die Spiele und Geld den Besitzer. Bei so einem Schnäppchen fühlt man sich wie auf einer Beutefahrt, besser noch auf einer Butterfahrt, wo man steuerbefreit einkaufen kann.

Vier Ständen weiter gab es dann noch „Black Stories Köln“ für gerade einmal zwei Euro, bei denen meine Frau dann zuschlug. Das Spiel ist ideal für den Vertretungsunterricht und hat sich dort (ausgeliehen von Kollegen) bereits mehrfach bewährt.

Auf den Rückweg von Ehrenfeld nach Nippes schlug meine Frau dann vor, dass ausgegebene Geld von unsere Kasse für die Spielemesse in Essen zu entnehmen. Abgelehnt, denn das Kartenspiel zählt für mich als Unterrichtsmaterial und „Herr der Ringe“ entspricht dem Eis, was wir gestern beim wandern dann doch nicht gegessen haben.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren