Der Internetschlumpf

Der Internetschlumpf

Es ist schon fast eine Art Tradition seit dem ich Köln wohne, im Herbst auf die dmexco zu gehen. Eine Messe für digitales Marketing, E-Commerce und Gedöns. Genau so gehört es zu dieser Tradition, dort ohne Anzug aufzuschlagen, also im Gegensatz zu 95 Prozent der restlichen Besucher nicht in die „Seht her ich bin wichtig“-Uniform zu schlüpfen. Einer der großen Vorteile ist es, so unverkleidet deutlich weniger angesprochen zu werden. Wobei nicht ernstgenommen zu werden als Nachteil verbucht werden sollte.

Das Internet kenne ich, wie ich gerne betone, schon seit Mitte der 90er Jahre, als zu einer Zeit, als viele der Mr. und Mrs. Wichtig auf der demexco noch eine elektronische Schreibmaschine für das höchste der Gefühle hielten. Die Welt des Marketings kenne ich auch schon ein paar Jährchen, was mit einem meine früheren Arbeitgeber zusammen hängt. Wenn man Schulungen für Call-Center Technologie anbietet, komm man mit dem Thema Marketing zwangsläufig in Berührung.

Andrang, fast werbefrei
Andrang, fast werbefrei

Was ich aber eigentlich zum Ausdruck bringen wollte, findet sich im Refrain von „Englishman in New York“:

I’m an alien Im a legal alien

Zumindest fühlte sich das auch heute über weite Strecken für mich auf der dmexco so an. Ich kenne die Themenfelder, könnte mich auch vermutlich in das eine oder andere Gespräch verwickeln, aber so ganz geheuer ist mir das alles dann doch nicht. Vielleicht weil ich im tiefsten Inneren gar kein Internetschlumpf bin, sondern eigentlich Lehrer. Das Leuchten in den Augen von Kindern einer Grundschulklasse toppt jede Direct Marketing Strategie. Es geht einfach mitten ins Herz. Und mir stellt sich einmal mehr die Frage, ob ich nicht doch mal schauen sollte — oder ist es nur falsche Romantik?

Es gibt jedoch Messen, die mich ganz anders zurücklassen. Die im Oktober stattfindende Frankfurter Buchmesse ist so eine. Ich fühle mich nach jedem Besuch mit positiver Energie aufgeladen, auch wenn der Besuch der Buchmesse ziemlich anstrengend ist. Bücher sind einfach ein wichtiger Bestandteil meins Lebens. Aber ähnlich wie sich der Marketing-Sektor in den letzten Jahren rasant verändert hat, bewegt sich einiges in der Buchbranche.

Nicht leugnen muss ich meine Faible für eBook-Reader. Es ist auch kein Geheimnis, dass ich amazon und seine Strategien ablehne. Daher habe ich als Lesegerät einen Tolino. Die Meldung von heute, dass zwei weitere große Buchhändler der Tolino-Allianz angeschlossen haben, finde ich begrüßenswert. Mit der Mayerschen und Osiander gewinnt das Gegengewicht zu Amazon mit seinem kindle in Deutschland noch mehr an Bedeutung. Für mich fehlen jetzt nur noch die kleinen Buchhändler vor Ort, die ich gerne unterstütze. Es wäre eine grandiose Marketing-Aktion, wenn sich diese auch noch der Tolino-Allianz anschließen würden.

Aber um so was ging es auf der demxco leider nicht.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren