Tauschkurz für Toleranz

Tauschkurz für Toleranz

Neonazis und ihre Mitläufer, sogenannte „besorgte Bürger“ als Pack zu bezeichnen, geht recht schnell. Viel zu leicht kommt es über unsere Lippen. Man schmunzelt über die Idee, Flüchtlinge gegen Rechtsradikale zu tauschen — es gab da wohl einen favorisierten Wechselkurs. Je länger ich darüber nachdenke, desto gruseliger finde ich die Vorstellung jedoch.

Weder weil ich Sympathie hege für das braune Gesocks (und auch diese Bezeichnung ist wieder ein unnötiger Ausrutscher) noch weil ich gegen eine Aufnahme von Flüchtlingen wäre. Was mich erschreckt, ist das Muster. Wer bereit ist, Andersdenkende aus dem Land zu werfen, der ist nicht wirklich einer besserer Mensch als jene, die er loswerden will. Null Toleranz gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit darf nicht bedeutet, dass wir selber zu den gleichen Mitteln greifen.

Ob es uns gefällt oder nicht, auch Rassismus gehört zu Deutschland — es ist unsere hässliche Schattenseite. Dem Rassismus und Fremdenhass müssen wir entgegentreten. Wir müssen uns bemühen, zu überzeugen. Erklären, warum wir Flüchtlinge aufnehmen und auch aufnehmen wollen. Dabei werden wir immer wieder vor die Wand laufen, so viel ist sicher. Trotzdem sind wir in der Pflicht, uns auch um jene zu bemühen, die am rechten Rand stehen. Niemals werden wir alle überzeugen, die Wahrscheinlichkeit aber, gerade die Mitläufer wieder ins Licht zu ziehen, dürfte höher liegen.

Es mag keine bequeme Aussage sein, aber wir dürften die Menschen, die anders denken, nicht von vornherein aufgeben.

Gleichzeitig müssen wir uns auf die Stärke unseres Staates verlassen können. Für alles gibt es Grenzen. Wer zu Gewalt aufruft oder aber gewalttätig wird, muss mit aller Härte des Gesetzes bestraft werden. Ein Menge Fingerspitzengefühl ist an dieser Stelle erforderlich. Bei ausgeübt Gewalt gibt es kein Pardon, bei rassistischen und fremdenfeindlichen Äußerungen muss in jedem Fall immer erst versucht werden, mit den Menschen zu diskutieren. Und zwar nicht in der Form, dass man sofort die argumentative Keule schwingt. Überzeugen durch Einsicht, vielleicht geht es ja.

Was auf gar keinen Fall funktioniert sind Methoden aus dem Mittelalter. Menschen, die mit unpassenden Äußerungen bei Facebook auffallen, öffentlich anzuschwärzen, auf ihren Arbeitgeber hinzuwirken so dass sie entlassen werden — ich halte das für keine besonders kluge Idee. Warum nicht? Weil es zu keiner Verhaltensänderung kommen wird, im Gegenteil. Die Betroffenen werden noch weiter radikalisiert. Mitunter erreicht man also da genau Gegenteil von dem, was man vermutlich erreichen wollte. So macht man aus einem Mitläufer einen überzeugten Neonazi. Jemand die Arbeit als Lebensgrundlage zu entziehen ist gefährlich, darüber sollten wir uns im Klaren sein.

Witze über Neonazis und Rassisten kann man machen. Sollte man auch. Bei allen anderem jedoch erst Gehirn einschalten und dann handeln.

2 Replies to “Tauschkurz für Toleranz”

  1. Vor ein paar Jahren hätte ich dir uneingeschränkt zugestimmt. Damals war ich auch der Meinung, dass nur diskutieren und argumentieren der richtige Weg sein kann. Wie du daraus aber schon ablesen kannst, inzwischen ist das nicht mehr der Fall. Ich zweifle daran, dass wir da wirklich argumentativ weiter kommen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren