WordPress hinterm Horizont

WordPress hinterm Horizont

Von Udo Lindenberg stammt die Zeile „Hinterm Horizont geht’s weiter“ — der Kontext dürfte wohl ein anderer sein, aber die Aussage trifft auch auf WordPress zu. Zumindest in Bezug auf die Session am vergangenen Sonntag, „How to run a WordPress business while traveling the world“. Eigentlich dachte ich, mit zwei Beiträgen hier im Blog hätte ich das WordCamp 2015 in Köln bereits abgehandelt. Da lag ich wohl falsch, denn mir ging eine Aussage aus der Session nicht mehr aus dem Kopf. Und wenn ich dann selbst im Halbschlaf noch darüber grüble, wird es höchstes Zeit, darüber zu schreiben.

Fangen wir aber mit einer anderen Sache an. Warum auf einer WordPress Konferenz unbedingt immer auch Sessions in Englisch gehalten werden müssen, verstehen wohl nur die Veranstalter und die WordPress-Foundation. Wenn über 80 Prozent der Teilnehmer an einer Session Deutsch als Muttersprache haben genau so wie die Referentin selber, erschließt sich mir nicht der tiefere Sinn, wenn in Englisch vorgetragen wird. Wirkt irgendwie internationaler, klar. Und auf einer internationalen Konferenz wäre das nachvollziehbar. Bei einem WordCamp in Köln, nun ja. Vielleicht sollte es unterstreichen, dass Karin Christen tatsächlich den Globus bereist hat. Dafür hätten die, im Übrigen tollen, Slides ihrer Präsentation wohl auch gereicht.

kolibri5 / Pixabay

Spannend war es sicherlich zu hören, wie man ohne vor Ort zu sein trotzdem noch mit Kunden kommunizieren und Projekte abwickeln kann. Auf welche Fallstricke (wie Zeitzone) man achten muss und welche Tools das Team von Karin in der Cloud für die Arbeit nutzt. Der einem Nomaden ähnliche Lebensstil liegt sicher nicht jedem — aber man muss gar nicht so weit hinter den Horizont schauen. Mobilität ist in vielen (Lebens-)bereichen schon fast Standard. Meine Wenigkeit reisst zwar nicht nach Peru zu surfen, fährt aber drei mal die Woche mit dem ICE von Köln nach Essen. Dabei kann ich auch durchaus (siehe Bahnstreik) längere Zeit in Köln (oder meinetwegen an einem beliebigen anderen Ort mit stabiler und schneller Internetverbindung) arbeiten, ohne dass meine Tätigkeit darunter leiden würde. Der Vorteil einer Internetagentur, und da hat Karin recht, ist eben folgender:

We are a remote business by design and choice.

Wbeseiten sind ein virtuelles Produkt, was man an fast jedem Ort der Welt erstellen kann. Das Produkt liegt nicht auf der eigenen Festplatte, sondern auf einem Server und ist von außen erreichbar.

Mobilität hat auch ihren Preis und auch wenn ich kein Weltreisender bin, weiss ich, wo von ich spreche. Das jahrelange Pendeln führt dazu, dass man sich weder in der Stadt, in der man arbeitet noch in der Stadt, in der man eigentlich wohnt, wirklich zu Hause fühlt. Man lebt eigentlich unterwegs. Ob man das persönlich mag, entscheidet jeder für sich.

Was mich dann über die Session hinaus beschäftigte, war dieser eine Satz:

Work life balance ist bullshit, life and work belong together.

Genau das sehe ich komplett anders. Es mag am Altersunterschied oder den anderen Lebenserfahrungen liegen, aber ich halte mittlerweile die Trennung von Arbeit und dem Rest des Lebens für überlebensnotwendig. Mit aktuellen Studien ließe sich meine Ansicht untermauern. Wer nicht trennen kann oder will, steuert früher oder später auf ein Burn-Out zu. Das kann man leugnen, dir Wirklichkeit holt einen aber irgendwann ein — garantiert, ist mir nämlich auch passiert.

Historisch betrachtet ist die Trennung von Arbeit und dem, was wir Freizeit nennen, oder neumodisch eben „work life balance“ ein noch recht junges Ding. Früher gab es die Trennung nicht. Das wir das ebenso wie die Leibeigenschaft überwunden haben, ist einer der großen Verdienste unserer Zivilisation.

Mit WordPress hat das weniger zu tun, aber man sollte schließlich auch über den Tellerrand schauen. Und manchmal sich auch den Luxus leisten, Positionen zu hinterfragen. Ängste kann man hinter sich lassen — in jungen Jahren einfacher als später, wenn man an Altersvorsorge und Pflegeversicherung denkt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren