Home-Office — Segen statt Fluch

Am Blog-Strand von Ann-Bettina stranden immer mal wieder Blogstöckchen, bei denen ich gerne zugreife. Gerade beim Thema „Home-Office“ kann ich einfach nicht widerstehe. Das Thema beschäftigt mich selber schon eine Zeit lang, aus gutem Grund.

Seit über 15 Jahren pendle ich beruflich ins Ruhrgebiet. Erst von Bielefeld nach Dortmund, dann von Bielefeld nach Essen und mittlerweile, bedingt durch berufliche Veränderungen bei meiner Frau, von Köln nach Essen. Nimmt man allein die letzte Strecke, sind das einfach Fahrt etwa 80 Kilometer. Die lege ich mit der Bahn zurück. Im Idealfall gehe ich morgens um 7:40 Uhr aus dem Haus und bin dann gegen 9:10 Uhr im Büro. Vergnüglich ist was anderes, zumal ich die Strecke auch noch umgekehrt zurück muss, und Züge selten wirklich pünktlich sind. Im Winter kommen dann noch kalte Bahnsteige dazu.

Aber es geht ja eigentlich nicht um das Bahnfahren, sondern um Home-Office. Seit ein paar Jahren pendle ich nur vier Tage Woche, ab nächste Woche sind es nur noch drei. Die anderen beiden Tage arbeite ich im Home-Office und das ist auch gut so. Zu Hause kann ich konzentrierter arbeiten, in der Umgebung fühle ich mich einfach wohler. Andere mögen in ihrer eigenen vier Wänden eingehen, weil ihnen das soziale Büroumfeld fehlt. Mir geht das nicht so, ich komme auch ganz gut damit klar, wenn es mal um mich herum einfach still ist.

Zu Hause habe ich die freie Wahl was Tassen und Getränke angeht, Selbstdisziplin ist bei mir auch nie ein Problem. Durch die fehlende Fahrtzeit bin ich zudem wacher und klarer im Kopf, wenn ich am Schreibtisch sitze. Was wohl dran liegt das man unterwegs im Zug eine Menge Nerven lässt. Leicht autistische Züge sind vermutlich ein großes Plus, wenn man über Home-Office spricht.

Im Gegensatz zu anderen gelingt es mir auch ganz gut, meine Zeit abzugrenzen und meinem Umfeld deutlich zu machen, das und wann ich zu Hause arbeite.

Ein paar Fragen, urspünglich von Claudia, gibt es noch zu beantworten.

Fühlst du dich alleine?

Überhaupt nicht. Sowohl beim schreiben als auch beim programmieren stören mich andere. Ich denke, dass ist aber auch Typ-abhängig. Manche Menschen können gar nicht mit sich alleine sein, sie brauchen die Welt um sich herum. Wenn man wie ich einsame Strände und entlegene Bergwanderwege mag, fühlt man sich auch im Home-Office nicht allein. Und falls doch, gibt es Telefon, Twitter und die ganze Welt draußen.

Wenn du von einem Angestelltenverhältnis in die Selbständigkeit gewechselt bist: wie hast du diese Umstellung “verkraftet”?

Trifft auf mich nicht zu, da ich in einer Agentur angestellt bin. Würde sich das ändern, wäre es für mich kein Problem, das Home-Office zu verkraften.

Welche Strategien verfolgst du, um nicht immer “im eigenen Sud” zu schwimmen?

Abgesehen davon, dass ich den eigene Sud ganz gerne mag? Es gibt das Internet, eine besser Hälfte und Köln bietet so viel Abwechslung in meiner Freizeit, dass noch genügen Impulse von außen an mich dringen. Irgendwo in der Eifel, ohne städtisches Umfeld, müsste ich mir allerdings wirklich etwas überlegen, um nicht zu versauern.

Liebst oder hasst du es, so alleine vor dich hinzuarbeiten?

Eindeutig eine Liebesbeziehung :-) Begünstigt auch durch meine Liebe zur Ordnung und Planung. Home-Office ist, so habe ich für mich persönlich festgestellt, die beste Möglichkeit, effizient und produktiv zu arbeiten. Wenn ich am Ende eines Arbeitstages auf das blicke, was ich geschafft habe, mach mich das sehr zufrieden.

Wenn du etwas ändern könntest, was würdest du gerne tun/lassen?

Mit zwei Tagen Home-Office sollte man vielleicht nicht übermütig werden, aber wenn ich was ändern könnte, würde ich die zwei Tage noch weiter ausbauen. Schließlich profitiere ich davon nicht alleine, sondern auch mein Arbeitgeber.

Eine Anmerkung meinerseits gibt es allerdings noch. Das Home-Office und die fehlende Zeit im Zug führt nämlich dazu, dass ich weniger Bücher und Zeitung lese — weil ich mehr arbeite. Entspanntes lesen zu Hause muss ich mir regelrecht vornehmen.

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