Letzte Weihnachten, Szene V

Letzte Weihnachten, Szene V

Lars saß in geliehenen Wagen und beobachtete den Straßenabschnitt vor ihm. Seine in schwarzen Lederhandschuhen steckenden Hände umfassten das Lenkrad, während er leicht nach vorne gebeugt fast vor der Windschutzscheibe hing. Im neuen Jahr würde er definitiv zum Augenarzt gehen. Auch einer der Vorsätze, auf seiner langen Liste.

Das Warten zerrte an seine Nerven. Zudem roch es auf dem Beifahrersitz etwas unangenehm. Für sein Vorhaben jedoch war dies unvermeidlich gewesen. Endlich ging das Außenlicht an dem Haus an, auf das Lars die ganze Zeit gestarrt hatte. Eine hochgewachsene Frau erschien, mit etwas dunklem an ihrer Seite. Es war zum Glück für Lars nur eines der Kinder. Der Hund, welcher sich hinter dem Kind ins Freie drängelt, war ein weißer Labrador. So wie es sein sollte.

Die Fingerknöchel knackten, als Lars das Lenkrad noch mal fest umschloss, bevor er die rechte Hand löste um den Motor zu starten. Der Wagen heulte auf. Die Scheinwerfer blieben aus, als Lars den ersten Gang einlegte und beschleunigte, darauf hoffen, das Charles sein Frau eingeweiht hatte. Auf keinen Fall sollte sie unter das Auto geraten, den das würde erhebliche Komplikationen mit sich bringen.

Der nächste Gang, Lars trat kräftig aufs Gaspedal und schaltet die Scheinwerfer genau in dem Moment ein, als sich der Hund wie zufällig auf die Straße rannte. Aus dem rechten Augenwinkel hatte Lars gesehen, wie die Mutter mit einer Hand ihr Kind zurück hielt, während sie mit der anderen ein Leckerli auf die Straße geworfen hatte. Es kam jetzt nur noch darauf an, im richtigen Moment zu bremsen. Und das möglichst geräuschvoll.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren