Es trailert das Buch

Aus dem Wohnzimmer höre ich angenehm temperierte Jazz-Musik rüber schallen, während ich hier am Schreibtisch sitze und mir Gedanken zu einem Blogeintrag mache. Vor mir liegt ein Zettel mit dem Hinweis „Blogparade“, Es gibt wieder eine drüben bei Ann-Bettina — ausgerechnet zu einem Thema, bei dem ich normalerweise aus dem Fenster springen würde. Allein schon der Begriff Buchtrailer löst bei mir ein Zittern. Zum Glück geht es aber bei der Blogparade nicht darum, sich Buchtrailer anzusehen, sondern lediglich um die Frage, was man von ihnen hält. Entschärfend für mich kommt hinzu, dass es vor meinem Fenster ein Sicherheitsgitter gibt, der spontanes aus dem Fenster springen verhindern soll.

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Buch-Trailer — Sicherheit geht vor

Der Fragenkatalog kommt ganz harmlos daher:

  • Schaust du dir regelmäßig Buch-Trailer an?
  • Wenn du von einem neuen Buch hörst, schaust du dann, ob es einen Trailer dazu gibt?
  • Beeinflussen Buch-Trailer deine Kaufentscheidung?
  • Was erwartest du von einem guten Buch-Trailer?
  • Hast du einen Favoriten unter den Buch-Trailern?

Fünf Fragen, von denen sich vier mit einem deutlichen Nein schnell beantworten ließen. Bei einer Frage müsste ich dann lediglich begründen, warum ich sie für einen Widerspruch halte — es kann meiner Meinung nach gar keine guten Buchtrailer geben.

Fangen wir aber einfach von vorne an. Als Jugendliche haben wir uns darüber lustig gemacht, wenn wir Autofahrer mit Dachgepäckträgern sahen, auf denen Fahrräder befestigt waren. Wir, die wir uns für ernsthafte Fahrradfahrer hielten, standen auf der Seite des „Ganz oder gar nicht“. Entweder fährt man mit dem Rad oder lässt es sein. Mit dem Auto in den Urlaub zu fahren und dort ein bisschen auf dem Rad zu chillen — no way! Ähnliches ist es mit Trainingsanzugshosen, die ausschließlich dazu benutzt werden, auf dem heimischen Sofa zu verfetten, ohne das die Nähte spannen. Deutlicher gesagt gibt es einfach Dinge, die überhaupt nicht zusammen passen.

Ich stamme aus einer Generation und Schicht, in der Bücher einen hohen Stellenwert haben. Ganz deutlich werden sie abgegrenzt zu anderen Formen der Unterhaltung, besonders aber von Film und Fernsehen. Hätte in 90er Jahren einer von uns Schülern im Deutsch Leistungskurs vorgeschlagen, einen Film-Trailer zu einem Buch zu machen, wäre er von zwei Regalmetern Brockhaus erschlagen worden. Zurecht, wie ich finde. Jemanden über das Fernsehen zu lesen zu motivieren ist für mich, als ob man mit einer Einladung in ein Schnellrestaurant einen Übergewichtigen eine Diät verkaufen will.

Sicher, es gibt Einwände. Es ist übliche Kinofilme im Feuilleton von Zeitung zu besprechen. Werbung für den letzten Teil der Hobbit-Verfilmung gibt es auch in Print-Form (sparen wir uns an der Stelle die Diskussion um die Verfilmung eines Buches an dieser Stelle). Und schließlich gab es auch Sendung wie das „Literarische Quartett“. Stop! Letzteres kann man nicht mit Buch-Trailern vergleichen, denn beim LQ stand nicht die Inszenierung eines Buches im Vordergrund. Selbst bei einem Formaten wie „Druckfrisch“ mit Denis Scheck geht es nicht darum, Bücher in einer Art und Weise zu präsentieren, die ihnen wesensfremd sind (beziehungsweise sein sollten).

Bevor ich ganz den Faden verliere, wieder zurück auf den ursprünglichen Kurs. Buch-Trailer halte ich, um es mal in aller Deutlichkeit zu sagen, für Unfug. Man kann meine Haltung als elitär und voreingenommen bezeichnen oder auch noch mit ganz anderen negativen Attributen belegen. Mir ist das durchaus bewusst. Der Fairness halber sollte sich jeder, wirklich jeder Leser und auch Liebhaber von Büchern die Frage stellen, wozu Buch-Trailer eigentlich dienen und ob sie dem Buch an sich als Kulturgut einen Gefallen tun oder eher einen Bärendienst erweisen.

Buch-Trailer sollen Bücher verkaufen helfen. Als Zielgruppe haben sie überwiegend die Sorte Mensch im Visier, die ich persönlich als Nicht-Leser bezeichnen würde. — Menschen, denen Titel wie „Hummeldumm“ gefallen. Ja, ich bin hier äußerst selbstgerecht. Aber hey, das Fenster hat ein Sicherheitsgitter. In Bezug auf die Blogparade würde als Klassenarbeit unter meinem Artikel jetzt stehen: „Thomas hat leider das Thema verfehlt“. Sei`s drum.

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