Mal wieder ein Blogstöckchen

Mal wieder ein Blogstöckchen


über Bücher, Lieblingsautoren und die Frage nach dem Sinn von Schutzumschlägen

Aus den ganzen Blog-Stöckchen der letzten Zeit ließe sich sicher ein wunderbares Feuer machen. Auf der anderen Seite mag ich es ab und zu, über so ein Stöckchen zu stolpern. Insbesondere dann, wenn sich die Fragen um eines meiner Lieblingsthemen drehen. Daher konnte ich beim Buch-Blogstöckchen der Winterkatze nicht einfach weiter gehen. Gefunden habe ich das Stöckchen allerdings nicht dort, sondern im Blog von Ann-Bettina.

Stammleser und zufällig vorbeischauende können sich gern das Stöckchen schnappen. Wer keinen Blog hat, druckt sich die Fragen einfach aus und beantwortet sie für sich im stillen Kämmerchen.

Die Fragen

Gebunden oder Taschenbuch?

Als erstes fällt mir bei der Frage die fehlende dritte Option auf: als eBook. Das ist derzeit bei mir die häufigste Wahl. Wenn ich mir ein Buch wünsche, dann immer gebunden. Ansonsten gebunden dann, wenn ich das Buch in gedruckter Form lesen möchte und ich nicht warten will, bis es als Taschenbuch verfügbar ist. Taschenbuch eigentlich hauptsächlich bei Belletristik, beziehungsweise Krimis. Wobei, wenn ich noch mal über die gesamte Frage nachdenke, müsste sie noch mal umformulieren. Taschenbücher wurden bei mir verdrängt durch eBooks, während gebundene Bücher nach wie vor die selbe Wertigkeit haben wie früher, auch wenn ich sie nicht mehr ganz so häufig kaufe. Gebundenen Bücher in ansprechender Aufmachung kann ich kaum widerstehen. Das Platzproblem von Ann-Bettina löse ich für mich durch eBooks.

Amazon oder Buchhandel?

Viel einfach zu beantworten als Frage 1, denn Bücher kaufe ich ganz bewusst nicht mehr bei Amazon. Ich unterstütze gerne den lokalen Buchhandel, sofern ich ein gedrucktes Buch haben möchte. Gleichzeitig vermisse ich dort eine Option, auch bei meinem Lieblingsbuchhändler eBooks zu kaufen. Und eBooks kaufe ich garantiert nicht bei Amazon, da ich es ablehne, eine geschlossene Plattform zu unterstützen.
In Bezug auf die Bequemlichkeit ist kaum etwas schneller als eBooks.

Lesezeichen oder Eselsohr?

Ein Eselsohr bei eBooks scheitert bereits an der Technik. Darüber hinaus liebe ich für Gedrucktes Lesezeichen. Sie sind ein Teil der Leseerinnerung bei mir. Falls mir mal welche abhanden gekommen sind, finde ich sie in der Regel spätestens bei nächsten Umzug in irgendeinem Buch. Kein schlechter Platz zur Aufbewahrung.

Ordnen nach Autor, Titel oder ungeordnet?

Für alles, was bei mir im Regal steht, gilt das Prinzip des völligen Chaos. Auch jenseits diverser Umzüge habe ich mir nie die Mühe gemacht, irgendwas zu ordnen (liegt eigentlich im Widerspruch zu meiner sonstigen Mentalität). Die einzige Trennung im Regal ist die zwischen Fach- und Sachbüchern und dem ganzen Rest. Von John Irving (siehe weiter unten) stehen die Bücher sauber geordnet. Aber nur deshalb, weil eine Freundin sich mal die Mühe gemacht hat angesichts des Chaos.

Behalten, wegwerfen oder verkaufen?

Ausnahmslos behalten, da bin ich ganz Buch-Messie. Mit ein paar Ausnahmen. Beim letzten Umzug habe ich eine Menge Fachbücher wirklich entsorgt. Wer braucht zum Beispiel noch „Einstige in Windows 95“? Ein Buch („Der Name der Rose“)ist mir durch verleihen abhanden gekommen und ein anderes („Goethe ruft an“ von John von Düffel) habe ich verschenkt, weil ich mich maßlos, wirklich maßlos über das Buch geärgert habe. Das Platzproblem löse ich derzeit durch eBooks und den Glauben an eine größere Wohnung — irgendwann mal.
Behalten hat auch den Vorteil, noch mal etwas nachschlagen zu können, wenn ich etwas bestimmtes suche.

Schutzumschlag behalten oder wegwerfen?

Ist das eine ernsthafte Frage? Gibt es tatsächlich Menschen, die Schutzumschläge wegwerfen? Die sind für mich Teil des Buches und überwiegend liebevoll gestaltet. So was wirft man nicht weg — würde auch dazu führen, dass es im Regal deutlich einheitlicher aussieht. Und das liegt gar nicht in meiner Absicht.

Mit Schutzumschlag lesen oder ohne?

Mit natürlich, da sie für mich Bestandteil des Buchs sind. Die bleiben dran, auch wenn sie dann beim Lesen leiden — das ist schließlich ihre Bestimmung. Und den Schutzumschlag ab zu machen, damit er keinen Schaden nimmt, wäre ziemlich merkwürdig.

Kurzgeschichte oder Roman?

Eigentlich gerne beides, aber gute Kurzgeschichten sind selten. Weniger weil es an fähigen Autoren mangelt sondern an Verlagen, die den Mut haben, solche zu veröffentlichen.

Aufhören wenn man müde ist oder wenn das Kapitel zu Ende ist?

Meistens eigentlich, bis mir die Augen zu fallen, wobei ich mich dann entweder bis zum Ende des Kapitels doch noch durchhangel. Wenn das Buch verdammt gut ist, lese ich über den Punkt der eigenen Müdigkeit hinaus und lege die Lektüre erst dann aus der Hand, wenn der Wecker durch die Anzeige eine sehr vorgerückten Stunde an das Aufstehen am nächsten Tag erinnert.

Die Nacht war dunkel und stürmisch” oder “Es war einmal”?

Haut mich beides nicht vom Hocker. Mit „Alle glücklichen Familien gleichen einander. Jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Art unglücklich.“ kann man mich dagegen locken. Frei von jeder Einteilung in Genre, Belletristik oder so genannte „hohe Literatur“ muss mich ein Buch fesseln. Und am besten noch eine gute Geschichte erzählen.

Kaufen oder leihen?

Sowohl als auch. Den überwiegenden Teil der Bücher kaufe ich, dank einer exzellenten Stadtbibliothek hier in Köln leihe ich mir auch gerne Bücher elektronisch aus. Oft auch zum anlesen in aller Ruhe, um dann eine Kaufentscheidung zu treffen.

Neu oder gebraucht?

Beides reizvoll. Gebraucht aber nur dann, wenn es aus dem Antiquariat stammt oder vom Trödelmarkt und diesen typischen Geruch von gealtertem Papier hat. Bei eBooks stellt sich die Frage nicht, da es hier keine Wahlmöglichkeit gibt.

Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern?

Bestsellerlisten selten, da ich keinen Massengeschmack habe. Rezensionen gerne und auch häufig als Anregung, wobei es auf die Quelle ankommt. Empfehlungen so gut wie nie. Stöbern kommt vor, wenn ich in einer Buchhandlung bin oder sehe, was es neues in der Stadtbibliothek gibt.

Geschlossenes Ende oder Cliffhanger?

Cliffhanger ein Grund für mich, den Autor des Buches auf meine persönliche schwarze Liste zu setzen.

Morgens, mittags oder nachts lesen?

Morgens im Zug, ziemlich häufig. Mittags im Büro grundsätzlich nicht, daher kommt mittags nur im Urlaub in Frage. Nachts dann zum Ausklang des Tages.

Einzelband oder Serie?

Am liebsten abgeschlossen Romane. Serie nur dann, wenn die Handlung auch für sich alleine stehen kann (kommt bei Krimis ziemlich häufig vor).

Lieblingsserie?

Keine.

Lieblingsbuch von dem noch nie jemand gehört hat?

„Noch nie jemand“ ist ein ziemliches Ausschlusskriterium, da lehne ich mich lieber nicht zu weit aus dem Fenster.

Lieblingsbuch das du letztes Jahr gelesen hast?

Verdammt schwere Entscheidung, sich da festzulegen. Aber gut, man will ja einen kleinen Einblick in meine Vorlieben bekommen. Daher: „Silo“ von Hugh C. Howey.

Welches Buch liest du gegenwärtig?

„Kölner Kreuzigung“ von Stefan Keller. Bekommt von mir auch die persönliche Auszeichnung „unterschätztes Buch / Autor“ des Jahres. Dabei hatte ich mir sein letztes Buch eigentlich nur gekauft, um für eigene Schreibprojekte mal einen Krimi mit einem Privatdetektiv zu lesen.

Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten?

Uff. Bei der Menge guter Bücher im Regal ist jede Aussage eine Ungerechtigkeit gegen die Titel, die ich nicht nennen würde. Aber sei es drum: „Bis ich dich finde“ von John Irving.

Lieblingsautoren?

Eigentlich auch wieder ungerecht wie bei der letzten Frage. Es gibt wirklich viele gute Autoren und leider auch eine Menge, von denen man weder gehört noch was gelesen hat. So eine Art  „All Time Favourites“ währen: John Irving, Paul Auster, Haruki Murakami, Franz Kafka

4 Replies to “Mal wieder ein Blogstöckchen”

  1. Hallo Thomas,
    dass die eBooks so gar nicht in den Fragen berücksichtigt sind, hat mich auch ein bisschen gewundert. Sicher ist deren Marktanteil immer noch vergleichsweise gering, aber trotzdem gehören sie heute doch eigentlich zur „Lesekultur“ dazu.
    Interessant, dass du auch keine Bücher wegschmeißt. Was machst du es denn mit eBooks? Hebst du die auch auf?
    Viele Grüße
    Ann-Bettina

    1. Guten Morgen Ann-Bettina,

      also, eBooks muss ich nicht löschen, sie nehmen keine Raum ein, verbrauchen nur etwas Platz auf einem Speichermedium. Das wird dankenswerterweise dadurch nicht schwerer. Daher hebe ich eBooks auf, verschiebe sie in Ordner und machen mir Notizen dazu — evtl. für spätere Rezensionen.

      Einen schönen Sonntag,

      Thomas

  2. Ich glaube, die eBooks haben es nicht ins Stöckchen geschafft, weil die Fragen einfach aus einer Zeit stammen als eReader noch nicht ganz so verbreitet waren. Ich weiß leider nicht, wo das Stöckchen ursprünglich herkommt, aber ich hatte es vor Anfang 2011 – als es zeitgleich auf diversen Buchblogs auftauchte – von Tanja vom Lese-Leuchtturm zugeworfen bekommen. Viele dieser Stöckchen sind aber vorher schon einige Zeit durch die amerikanische Bloggerszene gewandert, bevor sie von jemanden ins Deutsche übersetzt wurden. :)

    Zum Thema eBooks und Buchhandel gab es gerade einen interessanten Beitrag bei der Büchernische – ich bin mal so frei und verlinke ihn: http://www.papiergefluester.com/buchhaendler-warum-verkauft-ihr-keine-ebooks/ . Vielleicht braucht der Lieblingsbuchhändler nur eine kleine Beratung, damit es auch mit den eBooks klappt? ;)

    Ich finde es übrigens schön mal auf „mit Umschlag“-Leser zu stoßen! :)

    1. Huch, die Fragen stammen wirklich aus einer anderen Zeit. Aktuell bleibt das Thema aber nach wie vor, wie ich finde. Mit Blogstöckchen ist es wie mit Flaschenpost oder Treibholz. Manchmal brachen sie etwas länger, bevor sie an einen Strand gespült werden — dafür freut sich dann der Finder.

      Bei den eBooks: Danke für den Link! Ich werde das Thema bei meinem Buchändler noch mal anstoßen, da will ich einfach auch nicht aufgeben.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren