Rheinischer Kartoffelsalat

Rheinischer Kartoffelsalat

Es gibt in Köln nicht nur die berühmt-berüchtigte fünfte Jahreszeit, sondern auch eine Abfolge im Jahr in Bezug auf weitere Veranstaltungen. Während im Winter, nach dem Weihnachtsmärkten, eine kleinere bis längere Pause eingehalten wird, brummt es spätestens im Mai wieder richtig. An einem Tag wie heute finden dann mal wieder locker so viele Events parallel statt, dass man ernsthaft über klonen nachdenkt. Über die Sommerferien ließe sich so was in Ruhe ausprobieren, denn dann fließt in Köln die Zeit wieder wie ein zähflüssiger warmer Strom, ohne nennenswerte Überraschungen.

18.05.2014

Wie dem auch sei, als Normalsterblicher muss man sich entscheiden. Wenn man zudem auch noch SPD-Mitglied ist, wird einem diese Entscheidung quasi schon abgenommen, denn heute fand der Frühjahrsempfang des Stadtbezirks Innenstadt statt. Geladen wurde ins Bel Etage im Schokoladenmuseum und das bei schönstem Wetter – gut dafür kann die SPD nichts.

Neben Reden und der Verabschiedung eines langjährigen Mitglieds der Bezirksvertretung Innenstadt in den selbst gewählten politischen Ruhestand gab es ein kleines Buffet. Angekündigt wurde dies mit „rheinischem Kartoffelsalat“. Das wiederum gab Anlass für Spekulationen darüber, was denn genau ein rheinischer Kartoffelsalat sei. Ehrlich gesagt, mir war bisher nur der rheinische Sauerbraten bekannt, aber das es hier eine spezielle Form des Kartoffelsalats geben sollte, wusste ich nicht.

Möglicherweise kannte derjenige, der verantwortlich für die Zubereitung des Salats war, auch nicht das besondere Geheimnis, sofern es denn überhaupt eins gibt. Ein kleinen Schälchen gab es eine Teelöffel große Portion davon mit einer Mini-Frikadelle. Bestandteil des Kartoffelsalats waren, soweit ich das rausschmeckte, die namens gebenden Kartoffeln, Mayonnaise, Salatgurken und Gewürzgurken. Zudem ein Hauch von Zwiebeln. Besonders wirkte das auch mich genau so wie auf andere Personen am Stehtisch, eher weniger.

Schlägt man im Internet nach, stößt man auf sehr unterschiedliche Rezepte, die unter der Bezeichnung „Rheinischer Kartoffelsalat“ firmieren. Bestandteil immer wieder: Gewürzgurken. Für mich ist das keine besonders typisch rheinländische Zutat. Der rheinische Kartoffelsalat, so wie ich das sehe, ist eher ein Phantasieprodukt. Bei Tage betrachtet muss ich auch ehrlich gestehen, dass ich wesentlich lieber Kartoffelsalate mit Essig und Öl Dressing statt Mayonnaise mag. Am liebsten lauwarm als Beilage zu einem original Wiener Schnitzel. Wobei man die Zubereitung wirklich können muss.

Die SPD dagegen kann Köln, zumindest laut Werbeplakat und wählt für den nächsten Frühjahrsempfang vielleicht eine andere Location. Vielleicht auch eine mit richtigem Kölsch oder zumindest eine, wo das Kölsch ordentlich fließt. Wenn man lieb fragt, gibt der WDR bestimmt gerne Tipps dazu, denn bei Empfängen dort ist auf Grund der Aufmerksamkeit des Personals noch niemand an Kölsch-Armut gestorben.

Politisch, um abschließend wie bei einem Salat alles durcheinander zu mischen, war die Zusammenfassung des kommunalpolitischen Programms für die nächsten sechs Jahre durch Martin Börschel auf der Höhe der Zeit. Martin streifte genau die Punkte, auf die es ankommen wird, wenn Köln nicht den Anschluss verlieren will.

2 Replies to “Rheinischer Kartoffelsalat”

  1. Als Rheinischer Kartoffelsalat wird klassisch ein Kartoffelsalat auf Mayonnaisenbasis statt Essig und Öl bezeichnet. Ausser Kartoffeln und Mayo gehören noch Gewürzgurken und Zwiebeln rein, gerne auch noch Fleischwurst und gekochte Eier.

    1. Ja, aber genau so macht man auch am Niederrhein Kartoffelsalat. Und in Bielefeld ebenfalls. Eben daher würde ich das Rezept jetzt nicht als typisch rheinländisch bezeichnen – nur dann, wenn da unbedingt auch eine Flönz drin wäre…

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren