Als Gast in den Niederlanden

Als Gast in den Niederlanden

Neue Sprachen lernen gehört zu den Dingen, die mir eigentlich nicht liegen — es sei denn, es handelt sich um Computersprachen. Französisch hatte ich lediglich zwei Jahren, davon ist nichts hängen geblieben. Spanisch in der Oberstufe war hauptsächlich bei mir davon geprägt, diese Sprache nicht zu lernen (ich musste den Kurs belegen, obwohl ich eigentlich eine andere Sprache lernen wollte). Tja, und Englisch hatte ich seit der 5. Klasse bis zu Abitur. Davon ist einiges hängen geblieben, wobei mein passiver Wortschatz erheblich größer ist. Mit der Aussprache geht es mal mehr, mal besser — am besten immer dann, wenn ich unvorbereitet ins kalte Wasser geworfen werden.

All das im Hinterkopf habend wundere ich mich über mich selber, dass ich vor ein paar Monate überlegte, ob ich nicht doch eine Fremdsprache lernen sollte. Welche, dürfte anhand des Titels dieses Beitrags wenig schwer zu erraten sein. Das Niederländische übt einen gewissen Reiz auf mich aus. Es hängt wenige an der vermutlich falschen Vorstellung, wenn man Deutsch und Englisch könne, wäre die Sprache leicht zu lernen, da sie lediglich eine Mischung aus den beiden anderen sei. Nein, der Reiz dieser Sprache rührt woanders her. Mir gefällt, das Land, die Menschen dort und eine gewisse, immer noch vorhanden liberale Lebenseinstellung. Auch würde ich dort gerne wieder Urlaub machen.

Sicher kommt man sowohl mit Englisch als auch Deutsch weiter in den Niederlanden — nur wer keine Ahnung hat, spricht hier von Holland und Holländisch. Holland ist nur eine Provinz und es wäre für uns so, als würde man Bayern und Bayrisch mit gesamt Deutschland gleichsetzen. Eine eher unangenehme Vorstellung. Auch wenn andere Sprache als Niederländisch zum Ziel führen könnten, würde ich mich doch schämen, in diesem Land Deutsch zu sprechen. Sicher, der 2. Weltkrieg ist lange her, trotzdem. Man mag es für eine falsche Einstellung halte, die ich habe, aber ich würde mich unwohl fühlen, gerade in den Niederlanden als Deutsch aufzutreten und nicht mal bereit sein, zumindest Sprachlich auf das Nachbarland zu zu gehen.

Ich weiß nicht, wie ein Niederländer es sehen würde und ob ich mir nicht vielleicht etwas einbilde, ein Ressentiment, welches längst nicht mehr gibt. Möglich, dass der Niederländer an sich mit ganz anderen Problemen beschäftigt ist. Genauso möglich ist aber auch, dass hinter meiner Absicht, Niederländisch zu lernen, noch etwas anders steckt. Überlegungen, in welchem Land man alternativ leben möchte. Wenn ich ehrlich zu mir bin, kann ich mir die Niederlande da deutlich besser vorstellen als irgendetwas in Süddeutschland.

Belgien, by the way, ist für mich ähnlich gelagert. Auch dort würde ich ungern Deutsch sprechend auf der Straße angetroffen werden.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren