Schüler als mündige Menschen

Schüler als mündige Menschen

Wenn man die gesamte schulische Ausbildung, den sich möglicherweise daran anschließende Besuch einer Universität oder auch Berufsschule (um nur zwei Möglichkeiten zu nennen) anschaut, fällt etwas auf. Schülern, Studierenden und Auszubildenden gemein ist, dass sie sich in einem Abhängigkeitsverhältnis befinden. Sie agieren im Bildungssystem nicht auf Augenhöhe, sondern müssen sich unterordnen. In der Regel werden Widerspruch und abweichendes Verhalten sanktioniert.

Wie in einem schlechten Film wirkt es auch, wenn man in einer pädagogischen Veranstaltung etwas über die verschiedenen Formen der modernen Unterrichtsgestaltung in Form eines klassischen Frontalunterrichts erfährt. Die Abhängigkeit von den Personen, die unterrichten zeigt sich in Form der Benotung, aber auch in der fehlenden Entscheidungsmöglichkeit. Man kann, in gewissem Rahmen Fächer abwählen, Lehrer und Dozenten dagegen nicht. Selbst wenn im Bildungssystem eine ungeeignete Person unterrichtet hat man als Schüler Pech. Sofern die Lehrerin oder der Lehrer sich formal nichts zu Schulde kommen lässt, bleibt man dem Menschen ausgeliefert. Ein ganzes Schuljahr lang, vielleicht sogar noch darüber hinaus. An den Universitäten ist es genau so.

Wenn ich als Konsument ein Produkt erwerbe, welches mit deutlichen Mängel behaftet ist, habe Verbraucherrechte, die sich durchsetzen lassen. So kann ich das Produkt zurückgeben und mein Geld zurück verlangen. Wenn der Matheunterricht in der 11. Klasse ungeeignet ist, stehen die Chance ziemlich schlecht, dagegen etwas zu machen. Meistens besteht die einzige Möglichkeit darin, privat Nachhilfeunterricht zu nehmen oder sich anderweitig den Stoff anzueignen, den die Lehrkraft nicht adäquat vermitteln konnte.

Wenn wir unsere Kinder zu Freiheit und Verantwortung in einer mündigen Demokratie erziehen wollen, brauchen wir auch mündige Schulen, in denen der Geist der Freiheit und Verantwortung weht!
Dr. Hildegard Hamm-Brücher

Von den selben Menschen, die man im Bildungswesen mehr oder minder zu Unmündigkeit verdammt, erwartet man dann an bestimmten Punkten ihrer Biographie Entscheidungen. Ausbildung oder Universität, Mietvertrag oder zu Hause wohnen, Art der Ausbildung, Studienfach, freiwillige soziales Jahr, Auslandsaufenthalt und und und.

Der Erziehungsauftrag lautet, zu Selbständigkeit und Mündigkeit zu erziehen. Eine Demokratie bedarf mündiger Bürger. Das derzeitige Schul- und Bildungssystem scheint aber nicht oder nicht mehr darauf ausgelegt zu sein, genau das zu erreichen. Wer im System G8 bestehen will, muss in erster Linie funktionieren

2 Replies to “Schüler als mündige Menschen”

  1. Da gebe ich Dir Recht. Schlimmer sogar ist, wenn der Lehrer eine Abneigung gegen bestimmte Schüler zeigt und nicht objektiv benotet, sondern auf Grund seiner Gefühle. Ich habe zum Glück in meiner Berufsausbildung eine Privatschule kennen gelernt, in der nach jedem Halbjahr die Lehrer von den Schülern anonym bewertet wurden und die Schulleitung dies ausgewertet hat. Viel ein Lehrer schlecht in einem Fach oder in sozialen Punkten auf, wurde mit ihm gesprochen oder aber sogar Ersatz für das Fach besorgt. Der Vorteil der Privatschule: Sie stellen die Lehrer auf Honorarbasis ein und können kurzfristig kündigen. Das kann eine staatliche Schule mal eben so leider nicht und da muss sich etwas ändern.

    1. Das Problem an den freien Schulen bzw. Privatschulungen ist allerdings, dass sie nicht ganz frei von bestimmten Ideologien sind. Ich denke, allerdings schon etwas länger, dass man das ganze Bildungssystem komplett neu denken muss.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren