Totale Demokratie

Bei manchen Träumen ist man am nächste Morgen etwas ratlos. Ratlos, weil man weder weis, was man mit ihnen anfangen soll, was sie einem eigentlich sagen sollten. Genau so ging es mir heute — nur das es nicht der nächste Morgen war, sondern ich mitten in der Nacht wach wurde. Mit nackten Füßen tappte ich in die Küche, um ein Glas Wasser zu trinken. Der Traum schlich mir hinterher.

Ein großer Schluck Wasser für einen Moment im Mund lassen, überlegte ich. Aufschreiben oder Gefahr laufen, die Idee zu vergessen. Beim runterschlucken war mir dann klar, dass ich weder eine Kurzgeschichte noch einen Roman daraus machen würde. Science Fiction ist nicht mein Genre. Zudem bin ich mir, auch jetzt noch, nicht sicher, ob die Idee eventuell einfach auch zu abgegriffen ist.

Sei es drum, zumindest für einen Blogbeitrag reicht es. Im Traum ging es um unsere Gesellschaft in naher Zukunft (vermutlich wirkte der Trailer von „The Philosophers“ noch etwas nach). Der deutsche Bundestag wurde aufgelöst, ebenso wie politische Parteien und Ministerien. Politiker gab es aber nach wie vor. Sie wurden aber nicht gewählt, sondern entschieden sich für diese Aufgabe.

Das Land selber war weitgehend sich selber überlassen. Eine gemeinsame Ausrichtung auf bestimmte Ziele gab es nicht, große Konzerne sorgen für die Grundversorgung der Bevölkerung — gegen Geld, versteht sich. Wer sich das Leben in diesem Land nicht mehr leisten konnte, wurde ausgebürgert.

Die Politiker in meinem Traum setzten sich im Rahmen der so genannten „Totalen Demokratie“ für das Allgemeinwohl ein. Unterschiedliche Ideen und Ansichten wurden jedoch nicht mit Worten, sondern mit Waffen durchgesetzt. Jeder Politiker musste sich in einer Art Gladiatorenkampf bewähren. Diese Kämpfe wurde live im Fernsehen übertragen und die Zuschauer konnte dabei abstimmen, wählen nannte man es (hier schlich sich wohl im Traum die Diskussion über das Dschungelcamp gestern ein). Ein politische Schlacht geschlagen bekommt auf diese Weise eine ganz neue Bedeutung.

Mit dem nunmehr leeren Glas stand ich im Dunklen in der Küche und versuchte mir vorzustellen, warum sich Menschen dann als Politiker betätigen sollten. Es würde doch ein hohes Risiko für Leib und Leben sein, was sie da auf sich nehmen würden. Erst jetzt, Stunden später, beim schrieben darüber bekomme ich langsam eine Ahnung davon, welcher Effekt mit dieser Arte der politischen Auseinandersetzung verbunden sein könnte.

Diese fiktive Gesellschaft hat keine Staatsform, benötigt auch keine. Es gäbe auch nichts, wogegen rebelliert werden könnte. Die Konzerne würden garantieren, dass alle Vorschläge und Ideen, die sich im Rahmen der „Totalen Demokratie“ durchsetzen, auch umgesetzt werden. Eine neuer Spielplatz in der Gegend wo du wohnst? Finde jemanden, der dafür kämpft!

Auf jeden Fall ist mir klar, warum ich Krimis und keine Science Fiction-Geschichten schreibe.

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