Einsteins Universum der Dummheit

Eines der Zitate, die Albert Einstein nachgesagt werden, handelt vom Universum und der Dummheit.

Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.
Albert Einstein

Als ich mir vor einigen Wochen, als es draußen noch so etwas wie Sommer gab, die Zeitschrift „test“ kaufte, geschah dies vor allem wegen des darin enthaltenen Berichts über Kaffeemaschinen. Und dem Test zu Salzsorten. Auf dem Balkon in der Sonne sitzend brach ich neben meiner Frau in lautes Gelächter aus, was mir einen merkwürdigen Seitenblick von ihr einbrachte. Nach dem ich ihr die Zeitschrift mit dem Artikel, den ich wenigen Augenblicke zuvor gelesen hatte rüber reichte, verstand sie. Das was dort stand, war einfach unglaublich.

Vermutlich fand ein augenblicklicher Verdrängungsprozess statt, denn erst beim aufräumen des Zeitungsständers stieß ich wieder auf den Text, den ich vergessen hatte. Unter der Überschrift „Barcode ohne Gefahr“ wird darin erstaunliches berichtet. So soll es Internetforen geben, in denen vor der Gefahr durch Barcodes auf Lebensmitteln gewarnt wird. Sucht man dazu im Internet, findet man erstaunliches. Eine Bloggerin schreibt unter anderem:

Durch bewegendes Licht, zum Beispiel Sonnenstrahlen die durch ein Fenster auf und abgehen können die Strichcode-Strahlung aktiviert werden.

Der Strichcode soll wie eine Antenne wirken, wodurch angeblich das Produkt, im besonderen Fall Lebensmittel, mit schädlichen Strahlungen aufgeladen wird. An anderer stelle ist zu lesen, wie die ständigen Polaritätswechsel für Peakschwankungen sorgen, welche die Energiebilanz empfindlich stören. Unschädliche machen kann man diese bösen Barcodes durch einfangen der Striche, also in dem man oben und unten einen horizontalen Strich zieht, oder in dem man sie entwertet, wobei man die Zwischenräume mit Strichen auffüllt. Alternative kann man auch die Strahlung einfangen, in dem man einen Kreis auf den Barcode malt, wodurch sich die Strahlung leer läuft.

Um sicher zu gehen, erwirbt man über das Internet einen speziellen Stift, der je nach Anbieter zwischen 17 und 30 Euro kostet. Dabei handelt es sich in der Regel um einen handelsüblichen Folienmarker, der mit einem „energetisch informierten Chip“ versehen ist. Süffisant schreibt Stiftung Warentest, die das ganze selbstverständlich für Humbug hält über das Versprechen, wonach ein solcher Stift die „die toxische Belastung des Barcodes neutralisiert“.

In der April-Ausgabe hätte ich den Artikel vermutlich für einen Scherz gehalten. Es handelte sich aber um die Oktober-Ausgabe. Und schlimmer noch, der Artikel ging noch weiter. So sollen bereits Hersteller wie Rabenhorst dazu übergegangen sein, ihren Barcode strahlungssicher zu durch einen quer verlaufende Linie zu gestalten. Auf der Webseite des Herstellers findet man dazu Beweisfotos. Beim Produkt „Rotbäcken Mama — Eisen +“ ist auf dem Pressefoto an der Verpackung eindeutig der Barcode mit dem Querstrich zu sehen.

Einer meiner Theorien nach reduziert sich die durchschnittliche Intelligenz in einem Raum mit Anzahl der darin anwesenden Personen. Daraus ableiten ließe sich dann, dass Intelligenz eine Konstante ist. Je mehr Menschen, desto dümmer.

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