Der Tag, an dem sich der Meister im Grab umdrehte

Das Apple-Event gestern war in jedem Fall überraschen. Überraschend darin, wie wenig wirklich neues präsentiert wurde. Zwei neue Geräte, das iPhone 5 c und das iPhone 5 s.

Dabei ist das 5 c eine Farbversion auf Basis des bisherigen iPhone 5. Nicht wirklich spektakulär. Das Gehäuse allerdings ist auch Kunststoff, um den sagenhaft „günstigen“ Preis von 599 Euro zu ermöglichen. Schnell erklärt sich auch, warum das bisherige iPhone 5 nicht weiter angeboten wird. Wäre das als „Vorgängermodell“ preiswerter, würde jeder einigermaßen die Grundrechenarten beherrschende Menschen Apple einen Vogel zeigen, sich das alte Smartphone zulegen und mit einem farblich passenden Case ausstatten.

Etwas anders sieht es beim 5 s aus. Ein A7 Chip mit 64-Bit Architektur. Das ist für ein Smartphone wirklich leistungsfähig. Wobei sich die Frage stellt, er so viel Rechenpower in der Hosentasche benötigt. Zusätzlich hat das neue iPhone hat ein Hometaste mit integrierter Sensor, der den Fingerabdruck erkennt. Eine neue Form der Authentifizierung, statt Passwort. Angeblich sollen die Daten nur lokal auf dem Gerät gespeichert werden. Ronald Pofalla würde sagen, damit ist das Thema Datenschutz vom Tisch. Die NSA würde auf gar keinen Fall auf das Gerät zugreifen können. Millionen von Fingerabdrücken von Apple-Kunden benötigt auch wirklich niemand.

Wie gut die neue Kamera ist, dürften die ersten Berichte aus der Praxis zeigen. Sie ist das Einzige, was wirklich aus Kundensicht weiterentwickelt wurde. Bei der Farbwahl der Gehäuse ist Apple etwas über das Ziel hinaus geschossen. Spacegrau, Silber und Gold. Gold? Ja richtig, aber es ist nur die Farbe, das Gehäuse ist nicht aus Gold. Andernfalls wäre der Preis von 699 Euro auch ein Schnäppchen.

Ebenfalls vorgestellt wurde gestern iOS 7. Kannten wir bereits von der letzten Keynote, also keine wirkliche Überraschung. Interessant war hier eher der Erscheinungstermin. Nächste Woche soll es so weit sein, genauer gesagt am 18. September. Vorsichtige Benutzer werden ein paar Tage verstreichen lassen, bis sie das Betriebssystem aktualisieren. Und ungeduldige Fans haben bereits ehedem die Developer-Version installiert.

Was komplett fehlte, waren neue iPad-Modell. Gerüchten zu folge (anderen Gerüchten zu Folge wurden Gerüchte extra für Apple erfunden) soll es im Oktober noch ein Apple-Event geben, möglicherweise extra für die iPads – rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft. Meinetwegen ist das gar nicht nötig, denn über das ausbleiben neuer iPad-Modell gestern habe ich mich ausnahmsweise gefreut. Es trägt zu Werterhalt der eigenen, sich bereits im Besitz befindenden Geräte bei. Mein iPad mini hatte ich mir im Frühjahr gekauft, obwohl viele Leute meinte, es kämen ja bald neue. Dieses bald währt jetzt schon länger als fünf Monte. Fünf Monate, in denen ich nahezu täglich mein iPad mini genutzt habe. Hätte ich wirklich gewartet, könnte durch mein Loch im Bauch auf die Wand sehen.

Aber noch mal zurück zum iPhone 5 c und zu dem goldenen 5 s. Seien wir ehrlich. Innovation sieht anders aus. Ein goldenes iPhone hätte es meiner Meinung nach unter Steve Jobs nicht gegeben. Dem Gerät fehlen nur noch Ösen für eine Kette, dann wird ein fettes Bling Bling daraus. Die 5 c Modelle wirken zumindest auf dem Bildmaterial so, als wären sie aus recycelten Plastiksandale eines bekannten Herstellers produziert. Das würde dann auch das C im Namen erklären. Als Börsenspekulant würde ich derzeit bei der Apple-Aktie auf fallende Kurse wetten. Als langjähriger Apple-Jünger, der mit einer ebenso tickenden Frau verheiratet ist, bin ich schon etwas neidisch, wenn sich die bessere Hälfte in den nächsten Tagen ihr neues iPhone 5 s bestellt. In Spacegrau, versteht sich.

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