Küchenkrepp als Zeichen der Zivilisation

Über das, was uns ausmacht, was Kultur und Zivilisation bestimmt, gibt es viele Meinungen. Während es Menschen gibt, die die Oper für den unabdingbaren Bestandteil einer Kultur halten, kennen andere nicht mal den Unterschied zwischen Oper und Opa.

Anders ausgedrückt hält ein Teil der Bevölkerung unseres Landes einen anderen Teil für unzivilisiert. Zumindest solange, bis ein Auslandsurlaub ansteht. Je nach Reiseziel trifft man dort auf Menschen, die einen persönlichen neuen Maßstab für „zivilisiert“ setzen. Erstaunlicherweise sind sich sogar häufiger Barbaren und Bildungsbürger aus Deutschland einig in dem Punkt, wen sie in einem anderen Land für unzivilisiert halten.

Es unterscheidet sich hier jedoch die Ausdrucksweise. Die Einen reden vom „edlen Wilden“, während die Anderen weniger euphemistisch Begriffe verwenden.

Historisch betrachtet gibt es sowohl Hochkulturen als auch das dunkle Mittelalter, was bei genauerer Betrachtung gar nicht so dunkel war. Zwischen all diesen Ansätzen habe ich für mich eine ganz andere Definition gefunden. Zivilisation beginnt da, wo es feuchte Toilettentücher und Küchenkrepp gibt. Auf beides verzichte ich mittlerweile nur sehr widerwillig.

Auf der anderen Seite endet die Zivilisation dort, wo Menschen scheinbar vergessen haben, wozu diese kleine ulkigen Bürsten da sind, die sich neben der Klöschüssel befinden. Oder wo man alkoholische Getränke mit mehreren Leuten aus Eimern trinkt.

Noch mal zurück zum Küchenkrepp. Für mich ist es die Allzweckwaffe beim kochen und sauber machen. Es entlastet und befreit vom nachdenken. Mit einem Wisch – wir kennen die Werbung. Und es ist auch wirklich so. Einmal drüber und weg damit. Dann noch noch überlegen, ob die Reste in Biotonne oder Normalmüll gehören. Oder Sondermüll, wenn man als Krimiautor – aber das gehört nun wirklich nicht hier her und wäre auch ziemlich unzivilisiert.

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