Schlüsselerlebnis eines armen Ritters

Mittlerweile nutze ich mein großes iPad zu Hause auch als Plattform für Spiele. Die Xbox 360 wurde eingepackt und im Keller verstaut, nach dem ich sie über ein halbes Jahr nicht mehr verwendet hatte. Die Spiele für iOS sind nicht nur abwechslungsreicher, sondern auch günstiger. Es gibt sogar richtig gute kostenlose Spiele. Daneben auch ein zunehmende Anzahl an „kostenlosen“ Spielen. Also Spiele, die nur auf den ersten Blick kostenlos sind. Bei näherer Betrachtung entpuppen sie sich als sogenannte „Free to play“ Spiele. Man kann sie kostenlos aus dem App-Store herunterladen, aber bestimmte Dinge im Spiel sind nur möglich, wenn man dafür echtes Geld ausgibt. Diese In-App-Käufe kann der Entwickler der Spiele in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen anbieten.

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Als unaufdringlich empfand ich Anfang April das Modell bei „Real Racing 3„. Man kann kaufen, muss aber nicht. Mit etwas Geduld hat man lange Spielspaß. Ebenfalls von EA ist das diese Woche erschienene Ultima Forever. Ein Massive Multiplayer Online Rollenspiel. Die Grafik wirkt ganz nett, die Steuerung ist hervorragend, nur ein paar Bugs verstören gelegentlich. Bei einem kostenlosen Spiel verschmerzt man es auch, dass man nur die Auswahl zwischen zwei Klassen hat, mit denen man in der Welt von Britannia auftritt um diese zu retten.

Gespielt habe bisher bis Level 6 mit meinem Krieger. Weiter wird es nicht gehen, da mir gründlich die Lust auf Ultima Forever vergangen ist. Das liegt gleich an mehreren Dingen. Mir macht es nichts aus, einen Dungeon mehrfach auf der Suche nach besseren Schätze und Ausrüstung abzugrasen, ganz im Gegenteil. Was ich aber als unfair empfinden ist der Umstand, dass einem das bei Ultima Forever aufgenötigt wird. So droppen wichtige Questgegenstände nur zufällig. Für eine dämliche Nekormatenscherbe musste ich mich vier Mal durch den selben Dungeon quälen, nur um anschließend festzustellen, dass es eine Sidequest gibt, die mich wieder dorthin schickt, um ein anderes, ebenfalls zufällig gefundenes Atem zu suchen. Selbstverständlich sieht der Dungeon jedes Mal genau gleich aus, selbst die Gegner erwarten einen an der selben Stelle. So was ist kein Spiel mehr, sondern Arbeit. Und die verrichte ich lieber für etwas, wofür ich auch bezahlt werde.

Wo wir gerade beim Thema bezahlen sind. In Ultima Forever gibt es kein Gold oder ähnliches als Währung. Hier läuft alles über Schlüssel, die es in der Ausführung „Bronze“, „Silber“ und „Gold“ gibt. Die Version aus Bronze findet man in den Dungeons oder erhält sie als Belohnung. Aus 18 Bronzeschlüssel kann man 6 Silberschlüssel machen. Oder aber man kauft sich diese für echtes Geld. Goldschlüssel gibt es wenn dann nur extrem selten oder eben gegen Geld.

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Truhen, die man in den Dungeons findet, kann man mit einer Sorte Schlüssel aufschließen. Je besser die Schlüssel sind, desto besser auch die Gegenstände, die man in der Truhe finden wird. Die beste Ausrüstung gibt es nur, wenn man Goldschlüssel einsetzt. Damit könnte ich leben. Auch noch damit, dass sich gefunden Ausrüstung, die man nicht mehr benötigt, nicht gegen Schlüssel tauschen lässt. Man kann sie nicht mal einem Mitspieler geben, sondern nur zerstören. Nervig ist, dass ein dauerhaft zusätzlicher Slot für Zaubersprüche ganze 25 Goldstücke kostet. Ebenso muss man Goldschlüssel ausgeben, wenn man mehr Platz im Rucksack haben will.

Was mich aber wirklich angefressen hat ist die Art, wie im Spiel mit der Abnutzung von Ausrüstungsgegenständen umgegangen wird. Als Krieger in einer Gruppe steckt man ordentlich ein. Kein Problem, dafür ist man Tank. Dabei nutzt sich jedoch die Ausrüstung ab. repariert wird sie, man ahnt es schon, mit Schlüsseln. Natürlich nicht mit Bronzeschlüsseln, sondern mit Silberschlüsseln.

Höhere Stufe, heftigerer Gegner, mehr Abnutzung bei gleicher Drop-Rate für Bronzeschlüssel. Irgendwann landet man daher an einen Punkt, wo die komplette Ausrüstung hinüber ist. Neue, bessere Ausrüstung gibt es nur, wenn man Schlüssel einsetzt, am besten mindestens Silberschlüssel. Die braucht man aber, um seinen Kram in Schuss zu halten. Und je besser die Ausrüstung im Kampf ist, desto kostspieliger auch ihre Reparatur.

An dieser Stelle stehe ich nun und sehe es nicht ein, Geld zu Schlüssel umzuwandeln. Die Geschmacksrichtung „Gier“ bei „Free to play“ Spielen mag ich nämlich überhaupt nicht. Schade eigentlich um Ultima Forever, denn als Multiplayer Spiel macht es richtig Spaß.

Fazit: Spielbar nur für Menschen mit dickem Geldbeutel, die sich darüber im klaren sind, dass sie für das ausgegeben Geld auch einen Vollpreistitel für PC oder Konsole bekommen würden. Angesichts der Summen, die man für Schlüssel ausgeben kann, sollte niemand, wirklich niemand jammern, wenn Spiele wie XCOM: Enemy Unknown für iOS 15 Euro kosten. Für den Preis bekommt über 50 Stunden Spielspaß ganz ohne In-App Käufe.

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