Herr Professorin

Der April liegt bereits etwas länger hinter uns, während das Sommerloch, bekannt für obskure politische und gesellschaftliche Meldung, noch vor sich hin dämmert. Daher führte die Meldung über eine Sprachreform an der Universität Leipzig zu Verwunderungen.
Künftig sollen auch männliche Dozenten als „Herr Professorin“ tituliert werden, zumindest in der Grundordnung der Universität. Auf den Alltag soll es, so ist aus Leipzig zu hören, keine Auswirkungen haben. Es soll als Signal verstanden werden. Ein symbolischer Akt für, um die Geschlechterdebatte an den Universitäten zu beleben.

Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.
Albert Einstein

Ob das so gelingt, mag dahin gestellt sein. Sollte es dagegen Ziel gewesen sein, sich deutschlandweit lächerlich zu machen, so ist dies mit ziemlicher Sicherheit gelungen. Dazu passt die ursprüngliche Intention, denn „Herr Professorin“ war nur als Scherz gedacht, weil ein Physikprofessor namens Dr. Klaus Kläs der Debatte im Senta über die korrekte Anrede (Professorinnen und Professoren, ProfessorInnen etc.) überdrüssig wurde. Sein Vorschlag wurde allen Ernstes angenommen.

Diskriminierungen und Benachteiligungen von Frauen in immer noch erschreckend vielen Berufen hören nicht dadurch auf, wenn man eine andere Form der Anrede verwendet. Es ist eher Augenwischerei. Genauso änderte sich auch nicht die Wertschätzung für die Tätigkeit, als man begann, Putzfrauen als Raumpflegerinnen zu bezeichnen.

Das es durchaus Wörter gibt, die dazu gedacht sind, andere Menschen zu diskriminieren, wird mittlerweile niemand bestreiten. Dennoch kommt es oft auf den Kontext an, in dem sie verwendet werden. Meiner Überzeugung nach dürfte es eine Professorin eigentlich herzlich egal sein, ob sie mit „Frau Professor“ oder „Frau Professorin“ angeredet wird. Der eigentlich Skandal ist eher die Quote weiblicher Wissenschaftlerinnen mit Professur. So hat ist das Gremium, welches an der Universität Leipzig für die neue Bezeichnung stimmte, mehrheitlich von Personen männlichen Geschlechtes besetzt. Entweder ist die Entscheidung dann aus vorauseilender Gefälligkeitssucht gefällt worden oder aber, was wahrscheinlicher ist, es fehlt im Gremium weiblicher Sachverstand, der solcherlei Blödsinn verhindert hätte.

Wenn man schon von Herr Professorin redet, sollte man auf jeden Fall auch noch über Frauenparkplätze für Männer nachdenken, wie im Kölner Stadt-Anzeiger angeregt wurde.

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