Essen zweiter Klasse

Essen zweiter Klasse

Die neusten Lebensmittelskandale sind für sich genommen bereits schlimm genug. Dem Ganzen setzen aber ernsthafte Forderungen deutscher Politiker eine Krone auf, die Pferdefleisch-Lasagne an Bedürftige verteilen wollen.

Ob die Bestandteile der Lasagne gesundheitlich unbedenklich sind oder nicht spielt gar keine Rolle. Die Aussage von Hartwig Fischer (CDU) ist in mehrfacher Hinsicht menschenverachtend:

Ich kann nicht ertragen, dass hochwertige Lebensmittel einfach so vernichtet werden. Einwandfreie Produkte, deren Mindesthaltbarkeit noch nicht abgelaufen ist, sollten bedürftigen Bürgern zur Verfügung gestellt werden.
Quelle: Bild

Lassen wir mal die Frage, ob es sich bei billiger Fertig-Lasagne um hochwertige Lebensmittel handelt, unberücksichtigt. Auch nehmen wir einfach mal an, dass selbstverständlich alle Lebensmittel, auf die Herr Fischer sich bezieht, vollständig frei sind von Arzneimittelrückständen. Über bleibt dann die Vorstellung, man könne Menschen am Rande unserer Gesellschaft als Müllschlucker missbrauchen. Die fachgerechte Vernichtung der Produkte dürfte teurere sein als sie einfach zu verschenken.

Wie sagt der Volksmund so schön „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.“ Genau das sollte man jedoch hier. Selbst bei den Tafeln in Deutschland werden nur korrekt ausgezeichnete Lebensmittel verteilt. Dort heisst es treffend in einer Stellungnahme:

Bedürftige Menschen sind keine Verbraucher zweiter Klasse. Sie haben das selbe Recht auf sichere Lebensmittel wie alle anderen Verbraucherinnen und Verbraucher. […]
Es kann nicht sein, dass Lebensmittel, die die Mehrzahl der Verbraucher ablehnt, als ‚gut genug für Bedürftige‘ eingestuft werden.
Quelle: Die Tafeln, Stellungnahme

Den Herstellern ist ein Fehler unterlaufen. Daher sind sie in der Pflicht, die Folgen zu tragen. Statt von einem Fehler könnte man auch von einem Betrug sprechen. Wenn gewisse Politiker sich ernsthaft für Bedürftige einsetzen wollen, steht es ihnen jederzeit frei, Geld zu spenden. Oder besser noch anständige Gesetze zu machen. Gerade wer sich gegen Mindeslöhne ausspricht und damit erst Menschen zu Bedürftigen macht, sollte kleine Brötchen backen und nicht mit zynischen Forderungen auf Stimmenfang gehen.

Hinter den Vorschlag steckt unausgesprochen noch etwas ganz anderes: „Seit doch froh, dass wir euch überhaupt etwas zu essen geben.“ Und das ist nichts anderes als eine Drohung, gefälligst dankbar und in Demut das zu essen, was von unseren Tafeln zu Boden geworfen wird. Hartz IV Empfänger quasi als Hausschweine, welche die Kartoffelschalen bekommen.

One Reply to “Essen zweiter Klasse”

  1. Ich würde die Produkte kaufen, wenn sie gesundheitlich unbedenklich sind – Voraussetzung ist aber, dass die Lebensmittel nachträglich ordentlich Gekennzeichnet werden. Wenn sie keine Gefahr für die Gesundheit darstellen, müssen sie nicht unbedingt vernichtet werden.

    Deswegen ist der Skandal in der Aussage selbst zu suchen. Er sagt nämlich, an Konsumenten mit Geld können wir diese Lebensmittel nicht mehr verkaufen, also verschenken wir sie einfach an die Menschen, die froh darüber sein können, dass wir überhaupt an sie denken.

    Habe dazu aber schon einen Artikel geschrieben:

    http://meinungsschauspieler.de/bedurftige-sind-menschen-zweiter-klasse/

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren